Interstellar - Kritik

Christoph Koch 8

"INTERSTELLAR" Kritik & Trailer Deutsch German Review | Christopher Nolan 2014 [HD].
Interstellar Kritik
Lange mussten wir auf „Interstellar“ warten, doch nun konnten wir endlich einen Blick auf das neuste Werk des „Inception“-Regisseurs Christopher Nolan werfen. Wir verraten euch, was wir vom Sci-Fi Abenteuer halten!

„Interstellar“ schwebte schon seit geraumer Zeit durch die Filmwelt, bevor der Film endlich das Licht der Kinoleinwand erblickte. Schon 2006 war Steven Spielberg für die Regie des Sci- Fi-Epos vorgesehen, doch nachdem Jonathan Nolan ein Jahr später das Drehbuch endlich fertiggestellt hatte, war der Regisseur nicht mehr mit an Bord. Erst 2012 übernahm sein Bruder und „The Dark Knight“- Regisseur Christopher Nolan die Regie an diesem Mammut-Projekt. Dies sollte sich als wahrer Glücksgriff herausstellen, denn Nolan liefert mit „Interstellar“ sein bisher wohl ergreifendstes Werk ab, das den Zuschauer vom ersten Moment an packt, herausfordert und ihn auf eine emotionale Achterbahnfahrt durch entfernte Galaxien schickt.

Nolan war mit seinen bisherigen Filmen dafür bekannt, perfekt durchkomponierte Geschichten zu erzählen, bei denen die Erzählung selbst den Film trug und dabei oftmals die Charaktere hinten herunterfielen. Der große Twist, der die Story in ein richtiges, wenn nicht sogar ganz neues Licht rückte, war das Aushängeschild seines bisherigen Schaffens. Doch mit „Interstellar“ geht der Regisseur diesmal ganz ungewohnte Wege und schafft gekonnt den Balanceakt zwischen Story und Charakteren. Zwar finden wir auch in „Interstellar“ Nolan-typische Versatzstücke, wie eine durchgeplante Story, die mit Überraschungen gespickt ist, doch sind es diesmal die Figuren, die diesem galaktischen Trip erst zu seiner Ausnahmequalität verhelfen.

Eine eindrucksvolle Symbiose aus Charakteren und Story

In naher Zukunft ist die Erde am Ende. Das Klima hat sich verändert und Sandstürme fallen über die Welt her, die alles Leben unter sich begraben, wodurch die Nahrung langsam aber sicher zur Neige geht. Wer in dieser Situation überleben will wird Farmer, um sich selbst so gut es geht mit Nahrung zu versorgen und Pflanzen anzubauen, die diesen Stürmen bisher noch trotzen. Genau das macht auch der zweifache Vater und Witwer Cooper, der riesige Maisfelder bewirtschaftet, um sich und seine Kinder Murph (Mackenzie Foy) und Tom (Timothée Chalamet) sowie seinen Schwiegervater Donald (John Lithgow) über die Runden zu bringen.

Schon zu Beginn nimmt sich „Interstellar“ hier die nötige Zeit, um die Figuren und deren Beziehung zueinander einzuführen, ohne dabei jedoch in eine ausufernde Charakterstudie zu versinken. Nolan sät hier den zwischenmenschlichen Unterbau der Geschichte, der am Ende für die emotionale Wucht sorgen wird.

Schnell merkt Cooper, dass er für dieses Leben nicht geschaffen ist, denn er ist kein Farmer aus tiefer Überzeugung, sondern eigentlich Ingenieur, der vor diesem Leben als einer der besten Piloten auch Raumschiffe für die NASA flog. Durch ein unerklärliches Phänomen entdeckt er, dass - entgegen der allgemeinen Annahme - das US-Luft- und Weltraum-Verteidigungskommando weiterhin existiert. Unter der Leitung von Professor Brand (Michael Caine) arbeiten die Regierung und die NASA an einem Geheimprojekt, um die Menschheit zu retten. Cooper schließt sich der mutigen Mission an, in eine andere Galaxie vorzustoßen, um die Menschheit vor dem Aussterben zu retten.

Ab diesem Punkt nimmt „Interstellar“ deutlich an Fahrt auf und wir werden auf eine Reise durch ferne Galaxien, fremde Planeten und vor allem den Ideenreichtum Christopher Nolans geschickt. Ihm gelingt ein gekonntes Zusammenspiel von einfallsreichen Ideen, überwältigenden Bildern und großen Gefühlen, die vor allem immer dann zur Geltung kommen, wenn das dominierende Thema Zeit aufgegriffen wird.

Zeit ist relativ und während für Cooper und seine Crew auf ihrer galaktischen Reise nur einige Stunden vergehen, sind es auf der Erde teilweise ganze Jahrzehnte. Nolan kreiert durch dieses Szenario emotional mitreißende Szenen, in denen die menschlichen Folgen dieser Verschiebung in den Mittelpunkt rücken. In diesen berührenden Momenten reicht eine Großaufnahme Matthew McConaugheys, um Schmerz, Trauer und die eigene Winzigkeit im unendlich großen Universum zum Ausdruck zu bringen.

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Der kleine Funken Überforderung

Matthew McConaughey gibt als Cooper den sympathischen Helden, der nicht vordergründig für die gesamte Menschheit kämpft, sondern allen voran für das Überleben seiner Familie. Es ist diese Liebe, die ihn trotz aller Sehnsucht zu der Mission aufbrechen lässt und Nolan stellt gekonnt eine Vater-Tochter-Beziehung ins Zentrum dieses großen Weltraum-Abenteuers, die vor allem zum Ende hin ihre volle Tragweite entfacht.

Die Galaxie wird immer wieder mit beeindruckenden Bildern eingefangen und mutiert förmlich zum Spielplatz für großartige, eindrucksvolle Aufnahmen. Dennoch regt „Interstellar“ in jedem visuell mitreißenden Moment zum Nachdenken an und verbindet Theorien zu Gravitation und Zeit mit einem kleinen, gefühlvollen Familien-Drama. „Interstellar“ ist durch die Ideenvielfalt und den wissenschaftlichen Verweisen fernab einfachen Blockbuster-Kinos angesiedelt und fordert sein Publikum heraus, clever zu sein, mitzudenken und sich der emotionalen Bandbreite zu stellen.

Manchmal überfordert Nolan sein Publikum jedoch auch ein kleines Stück, denn er erwartet vom Zuschauer, dass er ihm bei jeder Wendung und bei jedem Kniff seiner Geschichte schnellstens folgen kann. „Interstellar“ stellt viele gesellschaftliche Fragen, beschwört düstere Weltuntergangs-Szenarien und konfrontiert sein Publikum mit aufwühlenden, moralischen Fragen. Und während das Gehirn bei einer epochalen Hans Zimmer-Musikuntermalung und beeindruckenden Bildern fleißig versucht, den Geschehnissen und Auffassungen zu folgen, bleibt der reine filmische Genuss zeitweise auf der Strecke. Man befindet sich vielmehr in einem Sammelsurium von Emotionen und wissenschaftlichen Fakten, die unentwegt auf einen niederprasseln und für die wenig Zeit bleibt, sie zu ordnen.

Doch wenn wir dieses kleine Manko, was zu einer mehrfachen Sichtung von „Interstellar“ einlädt, abziehen und die kleinen Längen in der Mitte des 169 Minuten langen Films außer Acht lassen, bleibt ein Sci-Fi-Drama, bei dem die großen Gefühle wichtiger sind als wegweisende Effekte. Auch wenn in „Interstellar“ also das Wohl der gesamten Menschheit auf dem Spiel steht, so wickelt Nolan seinen Film über Raum, Zeit und die Existenz dennoch in ein intimes Familiendrama, das trotz des wissenschaftlichen Unterbaus vor allem auf aufwühlende Gefühle setzt.

Christopher Nolan liefert mit „Interstellar“ seinen konzeptionell forderndsten, aber auch den gefühlvollsten und visuell beeindruckendsten Film seiner Karriere ab. Wenn der Zuschauer den Kinosaal verlässt, dann schwirren ihm viele Fragen im Kopf herum, die es wert sind, überdacht zu werden. Steht das Wohl der gesamten Menschheit über dem jedes Einzelnen? Was würde ich opfern, um die Welt zu retten? Am Ende lässt „Interstellar“ jeden Einzelnen mit diesen Fragen allein.

rating9

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