Jersey Boys - Kritik

Marek Bang

Auch im hohen Alter von 84 Jahren dreht Altmeister Clint Eastwood  beharrlich einen Film nach dem anderen. Ob sein mittlerweile 34. Werk als Regisseur den gewohnt hohen Standard erfüllen kann, erfahrt ihr in unserer Kritik zur Musical-Verfilmung „Jersey Boys“.

Jersey Boys - Trailer deutsch.
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Solange es seine Gesundheit erlaubt, wird Clint Eastwood wohl in schöner Regelmäßigkeit von Warner Bros. zum effektivsten Mitarbeiter des Jahres gewählt. Meist beendet die Hollywood-Ikone seine Produktionen früher als geplant und Budgets werden grundsätzlich nicht ausgereizt, sondern oft nicht mal vollständig abgerufen. In diesem Jahr hat sich der Meister eines Themas angenommen, das auf den ersten Blick wenig zum Western- und Actionhelden Clint Eastwood passt. „Jersey Boys“ ist die Verfilmung des gleichnamigen Broadway-Musicals über die Karriere der Pop-Band The Four Seasons und ihren Leadsänger Frankie Valli.

Wie es in Biopics dieser Art so üblich ist, konzentriert sich die Geschichte auf den Aufstieg ihrer Protagonisten und so beschäftigt sich auch „Jersey Boys“ mit den Anfängen der zunächst als Four Lovers auftretenden Four Seasons in den 1950er Jahren. Schnell ist klar, dass es sich bei den vier Herren aus Newark in New Jersey nicht um brave Muttersöhnchen handelt, sondern um Kleinkriminelle, die genauso gut auch eine Karriere bei der Mafia hätten einschlagen können. Doch schließlich schaffen Frankie Valli (John Lloyd Young), Bob Gaudio (Erich Bergen), Nick Massi (Michael Lomenda) und Tommy DeVito (Vincent Piazza) als The Four Seasons in den 1960er Jahren den musikalischen Durchbruch auf halbwegs legalem Wege und landen mit Songs wie Sherry oder Walk Like a  Man Nummer-1-Hits in den US-amerikanischen Charts.

Mit dem Erfolg fangen bei vielen Bands die wahren Probleme erst so richtig an und diese regelmäßig festzustellende Tragik trifft auch die vier Musiker aus New Jersey. Private Probleme, Unterschlagung von Geldern und Steuerschulden sind das eine, interne Rivalitäten und Konkurrenzkämpfe das andere große Problem, das schließlich dafür sorgt, dass Frankie Valli ab Mitte der 1960er Jahre seine größten Erfolge als Solo-Künstler feiert.

Jersey Boys ist eine gewohnt souveräne Arbeit von Clint Eastwood ohne den ganz großen Glanz

Effizient wie es nun einmal seine Art ist, verzichtet Clint Eastwood auf eine Starbesetzung und lässt einfach die Darsteller des seit 2004 auf dem Broadway aufgeführten Musicals ihre Rollen in seinem Film wiederholen, was die vier Herren auch bravourös meistern. Als Kontrastpunkt darf Christopher Walken einmal mehr in die Rolle eines patriarchischen Mafiosi schlüpfen, wirkt in „Jersey Boys“ aber mehr jovial als diabolisch und tritt vornehmlich als Schlichter in Erscheinung.

„Jersey Boys“ erzählt die Geschichte der vier Musiker aus verschiedenen Perspektiven und lässt alle Beteiligten ihre Version erzählen. Clint Eastwood behält dieses Stilmittel bei und lässt in schöner Regelmäßigkeit seine Helden unvermittelt ihre Meinung zum Geschehen in die Kamera sagen, so dass man sich an einigen Stellen eher in Woody Allens „Stadtneurotiker“ wähnt als in einem Clint Eastwood-Film. Dass sich der Regisseur aber auch mit Musik bestens auskennt, bewies er bereits 1988 mit seiner noch gelungeneren Charlie Parker-Biographie „Bird“.

Fazit:

Clint Eastwood macht seinem Namen alle Ehre und „Jersey Boys“ schmälert seinen Ruf als großer amerikanischer Geschichtenerzähler in keinster Weise. Das Biopic ist liebevoll ausgestattet, überzeugend gespielt und verfügt über ein angenehm hohes Erzähltempo, dass in Anbetracht des Alters des Regisseurs mehr als beachtlich ist. An seinen stärksten Momenten fühlt man sich fast wie bei den „Goodfellas“, etwa wenn die mafiösen Strukturen im Umfeld der Band in den Vordergrund rücken. Leider wird dann aber recht schnell klar, dass die wahre Geschichte einer Boy-Band letztlich kein grandioses Mafia-Drama ergeben kann und der Film die wirklich tragischen Aspekte im Leben des Frankie Valli nur an der Oberfläche streift und dann schnell wieder zu einer Gesangsperformance wechselt.

Wer sich aber auf den aus heutiger Sicht arg quakigen Gesang der Four Seasons einlässt, den erwartet eine spannende Reise durch das New Jersey der 1950er bis 1970er Jahre. Wer sich mit der Thematik des am 18.Dezember 2014 auf DVD/Blu-ray erschienenen Bioipics „Jersey Boys“ nicht anfreunden kann, der findet sicherlich Gefallen an Clint Eastwoods nächstem Film „American Sniper“ über einen Scharfschützen der US-Army im Irak-Krieg mit Bradley Cooper in der Titelrolle, der bereits im Januar 2015 in unseren Kinos starten wird.

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