John Carter - Videokritik - der neue Star Wars?

Martin Beck 8

John Carter“ ist zugleich ein Monument und ein Mysterium. Vor ungefähr 100 Jahren erschienen insgesamt 11 Bücher von „“-Schöpfer Edgar Rice Burroughs, die sich auf epischer Breite mit den phantastischen Abenteuern eines desillusionierten Western-Haudegens auf dem Mars beschäftigen. „John Carter“ ist ein markantes Science Fiction-Urgestein, das seitdem endlos zitiert wurde…aber nur für sich genommen kaum bekannt ist.

John Carter - Filmkritik.
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Die Liste der Filme mit „John Carter“-Einflüssen reicht von „“ über „“ bis hin zu „“ und „“. Trotz der pulpigen Tendenz der Bücher wurde hier die Basis für ein ganzes Genre gezimmert, was die lange Wartezeit auf den ersten großen Kinofilm (der Asylum-Heuler „“ zählt leider nicht) umso mysteriöser macht. „John Carter“ war wohl bisher einfach zu groß, um mal eben eine weitere Weltraum-Oper anzustimmen.

Es ist schließlich eine ganze Welt, die der Film erstehen lässt. Namentlich Barsoom (=Mars), die z.B. von grünen Tharks bewohnt wird, eine gigantische Stadt ihr eigen nennt und einen satten Bürgerkrieg am laufen hat. Die Bewohner von Helium (das ist der Name der Stadt) kämpfen gegen die Zodangans, und beide werden auch noch durch die Therns gestört, eine Gruppe gottgleicher Bleichgesichter.

All das und noch viel mehr lernt John Carter kennen, der 1881 in einer geheimnisvollen Höhle nach Gold sucht und auf einmal auf dem Mars aufwacht, wo er natürlich zwischen alle Fronten gerät und ebenfalls natürlich die Prinzessin von Helium verzaubert. Er ist aber auch ein schmucker Tarzan-Klon, der Herr Wallemähne, und kann sowohl mit seinem Lendenschurz als auch den frisch gewonnenen Superkräften (=der Fähigkeit zu Riesensprüngen) alle begeistern.

Die hauptsächliche Basis für „John Carter“ ist lediglich das erste Buch von Edgar Rice Burroughs, „A Princess of Mars“, doch trotzdem hat man beizeiten Mühe, die Vielzahl der Orte und Namen richtig zu sortieren. Besonders die erste Stunde zieht sich mitunter beträchtlich, weil hier einfach so viel etabliert wird, dass man richtig erleichtert ist, wenn das erste Mal ordentlich gekämpft wird. Wer ein Budget von 250 Millionen Dollar in die Hand nimmt, fordert epische Panoramen geradezu heraus.

Was „John Carter“ auf jeden Fall bietet, sind grandiose Bilder. Regisseur Andrew Stanton (bekannt durch die Pixar-Filme „“ und „“) wuppt eine tatsächlich epische Welt, die so reichhaltig und vielseitig geraten ist, dass man darüber glatt die dezent langweilige Handlung vergessen könnte. Nahezu alles in „John Carter“ ist bereits aus anderen Filmen bekannt, was natürlich unfair ist, weil ja diese anderen Filme eigentlich bei „John Carter“ zitieren, aber unterm Strich bleibt trotzdem ein großes Déjà-vu.

Deutlich über zwei Stunden möchte „John Carter“ nichts lieber, als der neue „Star Wars“ zu werden, und endet schließlich im leicht irritierenden Niemandsland zwischen klassischer Science Fiction und dreidimensionaler Popkultur. Man applaudiert der getragenen Erzählweise und wünscht sich gleichzeitig mehr Krach. Die Action ist anwesend und solide inszeniert, aber leider in keiner Szene wirklich umhauend. Die den Film einrahmenden Szenen im Wilden Westen sind sowohl notwendig als auch langweilig. Und dieses übermenschliche Herumgehüpfe ist natürlich toll, wenn der (aus allen Trailern bestens bekannte) weiße Riesengorilla losbrüllt, doch im Grunde wird dadurch echter Dramatik frontal ins Knie geschossen.

John Carter hüpft aus jeder Situation einfach davon, lässt ein paar Witze vom Stapel und hat als treuen Begleiter einen trolligen Monsterwuffi. Bei diesem Film geht es mal wieder um alles und überhaupt nichts, was selbst fähige Schauspieler wie Hauptdarsteller Taylor Kitsch oder Oberbösewicht Mark Strong zu kaum greifbarer (sic!) Staffage verdonnert. Getreu dem Motto „zwischen zwei Welten“ gerät man als Zuschauer zwischen zwei Stühle und möchte gerne mehr Begeisterung entfachen als hier möglich ist. „John Carter“ bleibt immer noch sehenswert, weil große, klassische Science Fiction einfach immanentes Interesse erzeugt, aber ein meisterlicher Wurf ist daraus leider nicht geworden.

Wertung: 6/10

Regie: Andrew Stanton
Darsteller: Taylor Kitsch, Lynn Collins, Mark Strong, Willem Dafoe
USA/2012
Start: 8.3.2012

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