John Wick in einer Minute
In unserer Text-Kritik zu „John Wick“ erfahrt ihr, wie der Film bei uns abgeschnitten hat und ob wir Roberts Begeisterung teilen.

John Wick Kritik
© Studiocanal (Bildquelle: Studiocanal)

Kritik zu John Wick

John Wick Kritik
© Studiocanal

Ein schwarzer Jeep rast auf die Leinwand zu, er passiert die Kamera und scheint vor einem Fabrikgebäude zum Stehen kommen zu wollen. Doch der Jeep kracht etwas tölpelhaft gegen den Mauervorsprung und sein Fahrer – John Wick (Keanu Reeves) – erntet dafür die ersten Lacher im Saal. Im Laufe des Films sollen weitere folgen, doch allesamt in einem äußerst positiven Zusammenhang. Denn „John Wick“ weiß begeisternd zu unterhalten.

Bevor es jedoch zu dieser Titelauszeichnung kommt, erst einmal der Reihe nach: Keanu Reeves‘ Karrierehöhepunkt war vermeintlich vor einiger Zeit erreicht worden. Mit „My Private Idaho“, „Im Auftrag des Teufels“ und natürlich der „Matrix“-Reihe spielte sich der Kanadier, der – Funfact – übrigens in Beirut, im Libanon geboren wurde, in die Herzen seiner Fans. Seine letzten Kinoausflüge – „Man of Tai Chi“ und „47 Ronin“ – standen seinen vorherigen Leistungen dagegen in allen Punkten nach und floppten gewaltig.

Und so schien die Verpflichtung als Hauptdarsteller in einem Action-Film von einem Regie-Neuling eine logische Konsequenz vom Quasi-Abstieg des Schauspielers zu sein. Doch weit gefehlt: Sollte Keanu Reeves jemals einen Abstieg erfahren haben, könnte „John Wick“ sein eindrucksvolles Comeback sein. Zudem gibt Chad Stahelski zwar als Regisseur sein Debüt,  ist jedoch als Stunt-Fachmann und Martial-Arts-Experte bereits eine Koryphäe. Somit ist „John Wick“ kein stolperndes Erstlingswerk, sondern eine Überraschung auf ganzer Linie.

Darf es etwas Action sein?

John Wick Hund
Wer würde für diesen Hund nicht auf Rachefeldzug gehen? © Studiocanal

Einem Film, dessen Handlungsmotivation darauf ausgerichtet ist, dass ein ehemaliger Killer aus dem Ruhestand zurückkehrt, um seinen vom Sohn des Mafiabosses getöteten Hund zu rächen, wird schnell eine fehlende Innovation vorgeworfen. Aber mehr braucht „John Wick“ auch gar nicht. Die Handlungsgrundlage ist schnell und – angesichts der großen Kulleraugen des Hundes – herzzerreißend inszeniert. Anschließend geht es nur noch um die Rache und der Zuschauer ist dabei ganz auf der Seite des einsamen Witwers und Ex-Killers Wick.

So macht es nicht nur gehörig Spaß, wenn John Wick sämtliche Killer, die ihm auf den Hals geschickt werden, um die Rache am verwöhnten Mafia-Sohn („Game of Thrones“-Bekannter Alfie Allen) zu verhindern, eiskalt ausschaltet, sondern ist es auch nur allzu logisch dargestellt: Mit Kleinigkeiten hält sich John Wick nämlich nicht auf – er schießt den Bösen direkt ins Gesicht. Da bricht man als Fan der gepflegten Action-Unterhaltung, die neben diversen Dramen und Independent-Hits ab und zu erlaubt sein muss, auch schon des Öfteren mal johlend in Beifall aus.

Die Charakterisierung der Figuren ist dabei eigentlich so gut wie nicht nötig: Der Mafia-Boss Tarasov (Michael Nyqvist) schaut grimmig, sein Sohn ist strohdumm und John Wicks Gehilfe Marcus (Willem Dafoe) zielsicher. Wer muss da schon wissen, welche von diesen Personen eine schwere Kindheit hatte? So können wir uns auf das Wesentliche konzentrieren: Action, Schießereien und... ach ja, die Autos.

Zugegeben: Als John Wick in einer Sequenz seinen 69er Mustang auf einem Flugplatz ausfährt, ist der Inhalt des Dargestellten gleich Null, doch der Motorensound überzeugend. Mit einem anerkennenden Nicken schließt man als Zuschauer dann auch dieses Kapitel ab und konzentriert sich wieder auf diverse Ballereien, die an den unterschiedlichsten Orten – sei es in einem Club, respektive Sauna, in der Kirche oder in einer sterilen Wohnung – nicht besser hätten vollzogen werden können.

Fazit:

Anspruchsvolles Kino mit pointierten Zitaten und moralischen Botschaften gefällig? Dann bitte weitergehen: „John Wick“ ist anspruchsloses, geradliniges, aber fantastisch inszeniertes und kompromissloses Action-Kino, welches sich in letzter Zeit etwas vermissen ließ. Nachdem John McClane vielleicht „zu alt für solch einen Scheiß“ geworden ist und ich mit der Aussage einfach zwei klassische Action-Reihen in einen Topf geworfen habe, bietet „John Wick“ eine nicht zu unterschätzende Alternative im Action-Genre.

rating7

 

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