Bildquelle: Universal

Der wohl wichtigste Faktor, auf den die Filmstudios heutzutage zurückgreifen müssen, wenn es darum geht, ein bekanntes und beliebtes Franchise aus alten Tagen zu rebooten, ist die Nostalgie. Dieses Wort wird nicht nur Zuschauer in die Kinos locken, sondern auch entscheidend für den Erfolg der Neuauflage sein. Das Nostalgie-Gefühl ist eine dem Menschen inhärente, starke Emotion, die für ein Projekt wie „Jurassic World“ unabdingbar ist. Nostalgie erfordert keine Kopie des schon einmal Gezeigten. Nostalgie ist von vielen Elementen im Film abhängig und die gilt es zu treffen.

 

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Facts 

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In den ersten Minuten von „Jurassic World“ gelingt es Regisseur Colin Trevorrow, genau dieses Gefühl zu treffen. Der Jurassic Park ist eröffnet! Was John Hammond einst umsetzen wollte, ist zur Realität geworden und tausende Besucher strömen jeden Tag auf die Isla Nublar. Es ist eine schöne Vorstellung, die mit den passenden Bildern – begeisterte Menschen, die möglichst viel über die Urzeitwesen erfahren wollen – und dem passenden Soundtrack – natürlich das „Jurassic Park“-Thema – unterlegt wird. Es erscheint selbst dem Zuschauer wie ein Paradies, welches man nur zu gern selbst einmal besuchen möchte. Der Nostalgie-Faktor funktioniert hierbei zur vollsten Befriedigung und verlangt uns gar ein Lächeln und vielleicht sogar Gänsehaut ab.

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Ein Trauerspiel. © Universal

Die Etablierung des Bösen tut dabei ihr Übriges, denn der Indominus Rex wird ebenso geheimnisvoll und dabei mächtig wie einst der Tyrannosaurus Rex eingeführt. Doch zu diesem Zeitpunkt ist das wohlige Nostalgie-Gefühl irgendwie verschwunden, verursacht von der ersten Figurenzeichnung und – es war den Trailern bereits zu entnehmen – der Raptoren-Dressur. Jene Handlungspunkte führen zu ersten Stichen, denn der Velociraptor bleibt einfach eines der gefährlichsten Wesen im „Jurassic Park“-Franchise, welcher nicht so leicht zu zähmen ist. Zudem strotzt das erste Gespräch zwischen den beiden Protagonisten Owen Grady (Chris Pratt) und Claire Dearing (Bryce Dallas Howard) nur so von oberflächlichen, dummen Bemerkungen.

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Owen's Bad Dream

Schnell merkt man, dass die Figuren in „Jurassic World“ tatsächlich ein großes Problem darstellen, denn auch bei den Nebenfiguren sieht es ähnlich aus: bedeutungsschwangere Aussagen, merkwürdige und/oder vorhersehbare Sinneswandlungen sowie Charakterisierungen von der Genre-Schablone. Darüber könnte man nun einfach hinwegsehen, wenn denn die sogenannte Dino-Action stimmen würde, für die wir ja eigentlich in „Jurassic World“ gehen. Und der Reiz ist durchaus gegeben. Wenn der Indominus Rex erst einmal aus seinem Gehege entkommen ist und Jagd auf alles, was sich bewegt, macht, sorgt das für spannungsgeladene Situationen, die wir in „Jurassic Park“ doch so geliebt haben.

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Eines der wenigen Highlights. © Universal

So geschieht es, dass der Thrill wieder für ein Nostalgie-Gefühl sorgt und würde es dabei bleiben, so könnte auch ich „Jurassic World“ als durchaus gelungen betrachten. Aber Regisseur Colin Trevorrow und seine Drehbuchautoren sorgen in regelmäßigen Abständen dafür, dass hanebüchene Story-Twists das komplette Konzept ruinieren. Das fängt allein schon in der Motivation des Charakters von Vincent D'Onofrio an und hört bei den Irrungen und Wirrungen der Dino-Konfrontationen auf. An einer Stelle etwa wird das Velociraptor-Dressur-Problem wunderbar umgekehrt und lässt auf eine vernünftige (logische) Fortführung der Handlung hoffen. Doch just wenn man sich darüber freut, wird wieder an das alte Konzept angeknüpft, was wiederum für einen absurden Magic-Moment zwischen Chris Pratt und einem Velociraptor sorgt, der der Traum-Szene aus „Jurassic Park 3“ in nichts nachsteht.

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„Jurassic World“ befindet sich auf einer Gratwanderung, die der Film leider nicht zur vollsten Zufriedenheit beschreitet. Gelungene Story-Details ruiniert der Film immer wieder selbstständig, indem er sie untergräbt oder durch die Figuren lächerlich gestaltet. Dabei gibt es durchaus die einen oder anderen Szenen, die das wahre „Jurassic Park“-Gefühl auferstehen lassen. Hätte man daran festgehalten, wäre „Jurassic World“ genau zu dem Nostalgie-Film geworden, den ich mir so sehr erhofft hatte.

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Fazit:

„Jurassic World“ ist bei weitem kein schlechter Film. Nein, es ist das Wort „schade“, welches hier leider am besten passt. Der Film macht teilweise echt großen Spaß, boykottiert sich aber an vielen Stellen wiederum selber. Die Adaption in die Moderne funktioniert dabei nur bedingt.

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