Ich muss euch etwas gestehen: Meine Objektivität schieße ich in der Sekunde in den Wind, in der ich merke, dass ein Film diesem stark überstrapaziertem Genre angehört. Die ewig gleiche Formel der romantischen Komödien dieser Welt ist doof und langweilig…mit einigen Ausnahmen.

Man könnte mir vorwerfen, dass ich nicht der romantischste Mensch auf diesem Planeten bin. Sinnentleerte Komplimente machen mir genauso wenig Freude wie klischeehafte Liebes-Sprüche, die man am besten noch vor einem schönen schwarz-weiß-Bild einer total romantischen Kulisse klatscht und anschließend möglichst öffentlichkeits-wirksam auf Facebook postet.

Vielleicht findet sich da schon der Grund dafür, wieso ich mit klassischen, romantischen Komödien so gar nichts anfangen kann. Oftmals erscheinen mir die „Wie ein einziger Tag“ und „Pretty Woman“-Filme dieser Welt wie auf die Leinwand gebrachte Versionen genau dieser Facebook-Posts. Inhaltsleere, romantische Sprüche, die ab und zu die harten Seiten des Lebens erwähnen, im Endeffekt dann aber doch immer mit einer möglichst schönen Pointe enden. Gähn.

Ich ärgerte mich bereits über die formelhafte Abarbeitung der Superhelden-Filme der letzten Jahre und das ist es wohl auch, was mich an romantischen Komödien so stört – deren Plots sind meist so durchschaubar, dass ich die Geschichte des nächsten Til Schweiger-Films wohl schon am Titel komplett nacherzählen könnte.

Tatsächlich sind dessen Streifen wohl die besten Anschauungsbeispiele für meine Argumentation. Wirklich jeder von Til Schweiger produzierte Film beruht bis auf den letzten „LOL, Frauen, amirite?!“-Witz auf dem gleichen Konzept. Sämtliche Ecken und Kanten werden mit seichter Comedy so lange abgeschliffen, bis sich wirklich jeder Mario Barth-Fan darüber scheckig lachen kann. 

Besonders schade: Matthias Schweighöfer verschwendet sein oftmals richtig gutes, komödiantisches Timing mit Filmen, die Til Schweigers Romanzen bis auf den letzten Witz gleichen. Von „Schlussmacher“ über „Vaterfreuden“ bis „What a Man“ könnte man Charaktere und Dialoge seiner Streifen wild durcheinander mischen, ohne irgendeinen Unterschied zu merken. Dieses Film gewordene Formfleisch schmeckt und ist einfach zu konsumieren – doch sollte sich ein Autor und Regisseur wirklich darauf beschränken, das McDonalds-Konzept ins Kino zu bringen?

Es geht nämlich auch durchaus anders: Mein Blick streift dafür mal wieder nach Südkorea. Dort veröffentlichte „Oldboy“-Regisseur Park Chan-Wook 2008 mit „I’m a Cyborg, But That’s OK“ eine romantische Komödie, die ohne all die Klischees auskommt, mit denen Schweiger, Schweighöfer und co. ihr täglich Brot verdienen.

Die Fabrik-Arbeiterin Young-Goon wird dort in eine psychiatrische Klinik eingewiesen, weil sie sich für einen Cyborg hält. Dort trifft sie auf Il-sun, der wiederum denkt, er sei ein Meisterdieb, der die Charakteristika anderer Menschen stehlen kann. Es entsteht eine ebenso tragische wie wundervolle Liebesbeziehung, die ohne große Dialoge mit ihren Bildern mehr Emotionen erzeugt, als es die billigen Sprüche seiner Konkurrenz jemals vermögen könnten. Die harte Realität – die, in der Young-Goon kurz vor dem Hungertod steht, weil sie sich weigert, echte Nahrung zu sich zu nehmen – wird hier wild gemischt mit der Scheinwelt der beiden Protagonisten. Es ist bis heute die einzige, reinrassige Rom-Com, die ich jedem empfehlen würde.

Das soll aber nicht heißen, dass ich das Thema Liebe in Filmen grundsätzlich verteufeln möchte. Ist es lediglich ein Sub-Plot in einer größeren Geschichte, kann ich mich dem Charme des Streifen oftmals ebenfalls nicht erwehren: Ein gutes Beispiel dafür ist Pixars „Wall-E“. Während die Menschheit darum kämpft, zur Erde zurückkehren zu können, erzählt der Animationsfilm auch noch mit wunderschönen Bildern die aufkeimende Liebesbeziehung zwischen Eve und Wall-E.

 

Thirst Trailer.
Ebenfalls nicht zu vergessen: „Thirst“. Ein Vampirfilm, in dem Park Chan-Wook (ich kann ja auch nichts dafür, dass der Mann ständig so großartige Filme macht!) die tragische Liebe zweier frisch verwandelter Vampire dem von ihnen erzeugten Leid ihrer Opfer entgegen stellt.

Fazit? Bitte, liebe Schweighöfers, Heigls und Schweigers dieser Welt, beweist doch einmal ein bisschen Kreativität und erzählt eure Liebesgeschichten auf eine neue Art und Weise. Oder noch besser. Versucht euch mal an einem völlig anderen Genre! Insbesondere bei Schweighöfer bin ich davon überzeugt, dass er abseits des Mainstreams für einige Überraschungen sorgen könnte.

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