KINGSMAN - The Secret Service - Kritik

Marek Bang 1

Edelschauspieler Colin Firth versucht sich als Action-Held in einer britischen Agentenfilm-Parodie. Ob das Wagnis überzeugen kann, erfahrt ihr in unserer Kritik zu „Kingsman: The Secret Service“!

Kingsman in einer Minute.
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Es scheint im Moment einen Trend zu geben, altgediente Charakterdarsteller kurz vor dem Rentenalter zu Actionhelden umzuschulen, was beispielsweise im Fall von Liam Neeson in dessen „Taken“-Reihe zumindest an den Kinokassen ganz gut zu funktionieren scheint. Jetzt ist ein weiterer verdienter Schauspieler an der Reihe, sich von seiner robusten Seite zu präsentieren und das erlernte nuancierte Spiel gegen comichafte Fight-Moves einzutauschen. Die Rede ist von Colin Firth, seines Zeichens immerhin im Drama Center in London ausgebildet und mit einem Oscar für seine Leistung im Drama „The King`s Speech“ dekoriert.  Das ist bereits vier Jahre her und die Realität heute heißt „Kingsman: The Secret Service“.

Irgendwo im Nahen Osten geht in den frühen 1990er Jahren ein Einsatz der eigenständig operierenden britischen Eliteeinheit Kingsman schief und ein Agent bezahlt eine waghalsige Rettungsaktion mit seinem Leben. Der Held ist Vater eines kleinen Jungen und der Verursacher Colin Firth alias Agent Harry Hart, der einen schwerwiegenden Fehler bei der gemeinsamen Mission zu verantworten hat. Zurück in London schenkt er dem kleinen Eggsy (Taron Egerton) ein Amulett mit einer eingravierten Nummer, die der Knirps für einen Gefallen seiner Wahl irgendwann in seinem Leben anrufen kann. Zwanzig Jahre und einen gravierenden sozialen Abstieg später ist es dann so weit. Nach einer Spritztour in einem gestohlenen Wagen wählt Eggsy die fast vergessene Nummer und erlebt sein blaues Wunder. Nachdem ein weiterer Agent der Kingsman sein Leben auf spektakuläre Weise einbüßte, brauchen die modernen Ritter dringend Ersatz.

Harry Hart sieht in dem proletarischen Eggsy nicht nur die Möglichkeit, die Schuld am Tod dessen Vaters zu begleichen, sondern auch ein wahres Naturtalent in Sachen Kampfesmut und Kriegsverständnis. Ehe sich der unerschrockene Bursche umsehen kann, befindet er sich mitten in einem haarsträubend kräftezehrenden Ausbildungsprogramm. Und er sollte sich besser beeilen und das Training erfolgreich abschließen, denn der verrückte Internet-Milliardär Valentine (Samuel L. Jackson) hat es auf die Weltherrschaft abgesehen und einen mörderischen Plan entwickelt, um den in seinen Augen kranken Planeten zu retten…

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Colin Firth darf den Schauspieler an der Garderobe abgeben und sich im so knallbuntem wie belanglosen Agenten-Spaß austoben

Regisseur Matthew Vaughn ist nicht nur der Ehemann von Claudia Schiffer, sondern auch für das Comic-Spektakel „X-Men: Erste Entscheidung“ verantwortlich und lässt es in „Kingsman: The Secret Service“ erneut von der ersten Minute an gewaltig krachen. Die hanebüchene Story dient als Aufhänger für extrem groteske Kampf-Choreographien, die teilweise in wahre Schlachten ausarten und sogar ganz kurz an Quentin Tarantinos Gemetzel in „Kill Bill“ erinnern. Für die nötige britische Bodenhaftung sorgt Altmeister Michael Caine, der natürlich auch diesen Film gekonnt zu veredeln weiß. Eine der größten Stärken der Agenten-Komödie ist ihre stets präsente Selbstironie und die zahlreichen Verweise auf filmgeschichtliche Vorbilder, die hier milde durch den Kakao gezogen werden. Besonders die Bösewichter von James Bond werden gern zitiert, aber auch „My Fair Lady“ spielt bei dem Heranwachsen des jungen Eggsy eine zentrale Rolle.

„Kingsman: The Secret Service“ soll vor allem Spaß machen und unterhalten, was auch durchaus gelingt, denn Matthew Vaughn konnte wohl einen größeren Batzen Geld in die Hand nehmen und investierte diesen prompt in knallige Action mit teils heftigen Gewaltausbrüchen, die aber so comichaft geraten sind, dass sie kaum für Schrecken sorgen, sondern eher für eine Mischung aus unverständlichen Kopfschütteln oder ungläubigem Auflachen. Was Sofia Boutella als Samuel L. Jacksons ausführende Schurkengehilfin aber so alles drauf hat, ist schon recht beeindruckend und hebt zumindest ihre Kampfchoreographie über den Durchschnitt.

Fazit

Entdecke den infantilen Briten in dir, ansonsten ist „Kingsman: The Secret Service“ kaum zu ertragen. Wer sich allerdings an der Mischung aus comichafter Gewalt und britischer Lebensart nicht stört, der bekommt knalliges Popcornkino serviert, das über zwei Stunden durchaus zu unterhalten weiß und sich erfreulicher Weise selbst nicht allzu ernst nimmt. Die ein oder andere überraschende Wendung liefert Matthew Vaughn zum Glück auch, so dass es nicht langweilig und allzu vorhersehbar wird. Also, ab ins Kino, damit sich Colin Firth bei dem Blick auf seinen nächsten Kontoauszug so dermaßen freuen kann, dass er in der Zukunft wieder für vernünftige Charakterrollen zur Verfügung steht.

 

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