Mad Max - Fury Road Filmkritik: KAAAAAAAAAABOOOOOOOOOOMMMMMMMM!!!

Tobias Heidemann 3

Mit „Mad Max: Fury Road“ wird diese Woche das wohl dickste Überraschungsei des Jahres in die Pfanne geschlagen. Die problembehaftete Produktionsgeschichte auf der einen Seite, die schwindelerregend wuchtigen Trailer auf der anderen - George Millers Rückkehr zu seinen apokalyptischen Wurzeln blieb bis zum Öffnen des Vorhangs eine Black Box, in welcher vom Überraschungshit bis zum Totalschaden alles hätte drin sein können.

 

Auch die nostalgisch gesinnten Fans der Vorlagen waren im Vorfeld auf alles gefasst. Auf fast alles. Dass der mittlerweile 70-jährige Miller, ein Regisseur, der nach seiner „Max“-Ära unter anderem Filme wie „Happy Feet“ und „Ein Schweinchen namens Babe“ realisierte, den dunkeln Zauber seiner Frühwerke noch einmal zum Leben erwecken würde, das galt als ausgeschlossen. Wie auch. Millers „Mad Max“-Filme sind störrische Kinder der 80er Jahre, die in der Gegenwart keine Chance hätten.

Insbesondere der rücksichtslose Charme des barbarisch durchgeknallten B-Movie-Beasts „Mad Max 2: Road Warrior“ ist ein nicht zu konservierendes Relikt seiner Zeit. Bleiben wir also realistisch. So etwas geht heute einfach nicht mehr.

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Mad Max: Fury Road Filmkritik – Geht doch!

Oder eben doch. „Mad Max: Fury Road“ ist der wahrlich erstaunliche Versuch, ausgerechnet den zweiten Teil nach allen Regeln seiner vergessenen Filmkunst zu reanimieren. Dass dieses Unterfangen über weite Strecken tatsächlich gelungen ist, grenzt an ein kleines Filmwunder.

Anstatt uns eine risikofreie Zitate-Sammlung aus der wie geölt langweilenden Reboot-Maschine aufzutischen, hat George Miller den rostigen V8-Motor von „Mad Max 2“ eigenhändig aus der Garage geschoben und auf das, was das zeitgenössische Hollywood von ihm erwartet, zünftig geschissen. Schöne Überraschung!

Lasst mich verdeutlichen. Ungefähr 20 Minuten nachdem uns Miller eindringlich und einsilbig ins Hirn gehämmert hat, dass Max total Mad ist, findet sich selbiger auch schon in der Fahrerkabine eines absurd aufgerüsteten Lastwagens wieder, der von drei (!) apokalyptischen Kriegsheeren in einen nuklearen Sandsturm (!) getrieben wird. Was folgt, ist eine lächerlich lange, geradezu hysterisch inszenierte Actionsequenz, an deren fulminantem Ende „Fast & Furious 7“ jämmerlich weinend in der Ecke steht, um sich für sein doofes Produkt-Placement zu schämen. Halleluja!

„Mad Max: Fury Road“ geht sofort All-In. Kein Bluff. Das hier ist ein Actionfilm. Miller macht Actionkino. Sonst nichts. Keine verkomplizierte Alibi-Story von der Drehbuchstange, keine durchsichtigen Zugeständnisse an irgendwelche Fokusgruppen, keine auf cool gezogenen Erklärbär-Dialoge, kein alberner Comic Relief, kein gar nichts – einmal mit Schmackes auf den Turbo gekloppt und ab dafür. „Fury Road“ ist erfrischend rabiat in seiner Erzählweise.

Ein Botschafter aus besseren Kinozeiten

Dabei sind es vor allem die Abwesenheit der derzeit gängigen Action-Klischees und die grandiose Arbeit von Cinematograph John Seale, die dem Streifen mit der verloren geglaubten, rohen Wucht der 80er Jahre beseelt. „Fury Road“ entfesselt in seinen grandios überdrehten Actionszenen jene seltene, kinetische Energie, die es braucht, um das Publikum mit einem grenzdebilen Lächeln in den Sitz zu drücken.

Für jemanden, der unter der oftmals weichgespülten und kraftlosen Actionkost dieser Tage leidet, ist „Mad Max: Fury Road“ somit ein überaus willkommener Botschafter aus besseren Kinozeiten. Im Gegenzug fordert Millers Kompromisslosigkeit allerdings auch kleinere Fahrerfluchtopfer. Viel Zeit bleibt – oder nimmt sich - „Mad Max: Fury Road“ für Handlung und Charakterentwicklung nämlich nicht.

Das Nötigste wird zwar stets gesagt, doch dass Max und seine Entourage bei näherer Betrachtung eigentlich nur von A nach B und zurück nach A fahren, das zehrt letzten Endes doch ein Wenig an der narrativen Substanz des Films. Überhaupt hält „Fury Road“ hinter seiner rauschhaften Bilderwelt und seiner wohl durchdachten Mythologie kaum mehr als ein paar tiefe Blicke und ein wissendes Nicken bereit, wenn es darum geht, den Zuschauer emotional zu binden.

In dieser Hinsicht hatte Mel Gibsons „Max“ Tom Hardys Version des desillusionierten Stoikers dann doch irgendwie etwas voraus. Verstehen wir uns nicht falsch, Hardy macht seine Sache wirklich gut. Seine bullige Physis passt prima zu der garstigen Überlebenskraft des Charakters. Allerdings lässt Hardy auch so manche Chance verstreichen, um den wenigen Sätzen, die Max von sich geben darf, das nötige Gewicht zu geben. Anders hingegen Charlize Therons „Furiosa“, die mit ihrer schnörkellos ruppigen Performance das kleine, aber feine Herz des Films gekonnt zum Schlagen bringt.

Fazit

Wenn „Mad Max: Fury Road“ sein Publikum nach zwei Stunden mit einem veritablen Schleudertrauma aus dem Kinosaal taumeln lässt, dann wird es darunter wohl auch Menschen geben, denen dieser selten gewordene Zustand nicht gefällt. George Millers überraschend konsequente Rückkehr zu den Ursprüngen des modernen Actionkinos kann Zuschauer, die gängige Genre-Konventionen und besinnliche Pinkelpausen brauchen, nämlich ganz schön überfahren.

Wer sich vom Actionkino hingegen gerne mal über den Haufen brettern lässt, für den dürfte dieser Film eine kleine Offenbarung sein. Der brachiale Bildersturm auf der „Fury Road“ wütet kunstfertig an den Grenzen der audio-visuellen Belastbarkeit. Ein wahrlich beeindruckendes Schauspiel, mit welchem der alte Miller vielen seiner schlaffen Arbeitskollegen wohl die Schamesröte ins Gesicht treiben dürfte.

Millers exzentrische Geisterfahrt findet mit ihrer rücksichtslosen Raserei zwar kaum Zeit für emotionale Charakter-Entwicklung, seine leidenschaftliche Hingabe für das Wort „Action“ erregt dafür aber ein paar andere Gefühle, die man im Kino dieser Tage nur noch sehr selten empfinden darf. Dank dieser Radikalität ist „Mad Max: Fury Road“ ein echtes Unikat geworden.

wertung pacific rim

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