Überraschende Oscar-Nacht: Mad Max räumt ab, Spotlight triumphiert, Leo ist happy und was ist nochmal dieses Star Wars?

Tobias Heidemann

Krasser Story-Twist im letzten Akt! Auf den letzten Metern der Oscar-Nacht sahen die meisten Zuschauer „Mad Max: Fury Road“ und „The Revenant“ als die klaren Favoriten für die wichtigste Trophäe. Doch der beste Film 2016 heißt „Spotlight“. Bei weitem nicht die einzige Überraschung dieser überaus unterhaltsamen Oscar-Verleihung.  Wir fassen das Wesentliche zusammen.

Für die erste Überraschung des Abends sorgte Show-Host Chris Rock, der die in den vergangenen Wochen breit diskutierte #OscarsSoWhite-Kontroverse kurzum zum zentralen Thema der Verleihungszeremonie machte. Ob und wie scharf sich Rock mit dem strukturellen Rassismus der Hollywood-Industrie auseinandersetzen würde, war im Vorfeld der Verleihung immer wieder ein Thema gewesen.

Oscars 2016: Chris Rock lieferte

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Doch Chris Rock lieferte. Sätze wie „Hollywood ist rassistisch, davon könnt ihr ausgehen“ oder „Wir sind zu beschäftigt damit, vergewaltigt und gelyncht zu werden, um uns darum Sorgen darüber zu machen, wer den Oscar für den besten Cinematographer gewonnen hat“ waren zwei durchaus exemplarische Kommentare, die der Stand-up-Comedian, Schauspieler und Regisseur in der Oscar-Nacht auf der Bühne fallen ließ. Gemessen an den massiven Protesten der letzten Wochen sicherlich ein wichtiges Signal.

Doch auch sonst gab sich die Academy in diesem Jahr erstaunlich volksnah. Der Gewinner des Abends war „Mad Max: Fury Road“. Ein vollkommen überdrehtes, aberwitzig rasantes Actionbrett von Altmeister und Mad Max-Erfinder George Miller, das nicht nur für seine furiose Bildgewalt, sondern auch für sein vermeintlich feministisches Statement rund um Charlize Theron gefeiert wurde. Der Film bekam insgesamt sechs Oscars in technischen Kategorien: Kostümdesign, Produktionsdesign, Make-up, Schnitt, Sound Editing und Sound Mixing.

Oscars 2016: Mad Max ist der Abräumer

Damit konnte „Mad Max: Fury Road“ drei Oscars mehr als jeder andere Film an diesem Abend mitnehmen. Dass ein ganz klassischer Genrefilm derartig umfassend von der Academy gewürdigt wird, mag nicht mehr ganz so überraschend sein, wie es das seinerzeit beim Triumph von Peter Jacksons „Die Rückkehr des Königs“ war, als sehr angenehme Überraschung sollte man es dennoch wahrnehmen.

Immerhin lässt sich aus Millers Siegeszug auch eine klare Nachricht an die deutlich weniger originellen Vertreter des etablierten Action-Mainstreams herauslesen. Visionäres Durchsetzungsvermögen und frische Ansätze können sich eben doch lohnen. Einziger Wehrmutstropfen für George Miller war, dass ihm der Oscar für die beste Regie am gestrigen Abend leider verwehrt wurde.

Diesen durfte nämlich Alejandro González Iñárritu für „The Revenant“ mitnehmen. Zum zweiten Mal. In Folge. Der Regisseur von „Birdman“ hat sich damit endgültig als einer der wichtigsten und einflussreichsten Namen in Hollywood festgebissen und dürfte mit seinen folgenden Projekten nun eine in Hollywood selten gewordeneNarrenfreiheit genießen. Es wird spannend sein zu beobachten, wie Iñárritu  diese nutzen wird.

Oscars 2016: Leos Warten hat ein Ende

Der Moment, auf welchen vor allem das Internet mit großer Spannung gewartet hatte, ließ eine echte Überraschung vermissen. Leonardo DiCaprio bekam einen Oscar für den besten Schauspieler und beendete damit ein überstrapaziertes Internetphänomen. Trocken, professional und mit Benefiz-Gusto brachte DiCaprio seine Show über die Bühne, ohne sich dabei irgendeine Blöße zu geben. Alles in allem schnitt der große Favorit „The Revenant“ an diesem Abend allerdings deutlich schlechter ab als von vielen erwartet.

Oscars 2016: Spotlight ist bester Film

Der überraschende Schlussakkord gehörte dann ganz allein „Spotlight“, einem nüchtern aufbereiteten, aber fesselnden Drama über eine Gruppe von Journalisten, die einen Ring von pädophilen Priestern in Boston aufdecken.

„Spotlight“ hatte bis zu diesem Punkt zwar schon den Oscar für das beste Drehbuch gewonnen, wurde aber bereits als einer der Verlierer des Abends wahrgenommen. Das unverhoffte Happy End sorgte dann auch für einen kleinen Schock im Saal. Dass es sich bei „Spotlight“ um klassisches Oscar-Material handelt, ist diesem erstklassigen Film indes unbenommen. Die Macher nutzen die Gunst der Stunde, um sich mit der klaren Botschaft des Films direkt an den Papst zu wenden: „Es wird Zeit, die Kinder zu beschützen und den Glauben wieder herzustellen“ war auf der Bühne zu vernehmen.

Die großen Verlierer des Abends standen damit auch fest. Neben “Carol“ und “Brooklyn“ war das vor allem “Star Wars: The Force Awakens“, der keine seiner beiden Nominierungen einfahren konnte.

Oscars 2016: Die komplette Gewinner-Liste*

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