Vor einigen Wochen entschied sich das Universum dazu, dass es mir zu lange zu gut ging und zerstörte sowohl meinen PC als auch mein Smartphone innerhalb von zwei Tagen. Nachdem ich wie ein Igel nach 22-jährigem Winterschlaf das erste Mal meine Wohnung verlassen und mich dazu entschieden habe, dass diese „Sonne“ lange nicht so geil ist, wie immer alle sagen, musste ich mir logischerweise eine andere Beschäftigung suchen. Playstation 3 angeworfen, Watchever gestartet und mal die Serien-Bibliothek durchgeblättert. Nachdem von „Six Feet Under“ leider nur die dritte und vierte Staffel erhältlich war (tolle Idee, Watchever!) blieb ich bei „Mad Men“ hängen. Nachdem ich nun jahrelang positives über die Serie gehört habe, entschloss ich mich dazu, mich endlich mal selbst von der Qualität zu überzeugen. 

 

Mad Men

Facts 

Bei Mad Men geht es hauptsächlich aber nicht ausschließlich um das Leben der Hauptfigur Donald „Don“ Draper, großartig gespielt von John Hamm. Don ist Mitarbeiter der Werbeagenut „Sterling & Cooper“ und ist dort für den Entwurf neuer Werbekampagnen verantwortlich. Besonders macht die Serie vor allen Dingen, dass sie die USA der sechziger Jahre perfekt einfängt und auf den Bildschirm bannt.

Es gibt nahezu keine Szene, in der nicht geraucht wird – völlig egal ob im Krankenhaus, Büro oder Restaurant. Die Männer kippen sich einen Drink nach dem anderen drein, Sexismus und Rassismus ist selbstverständlicher Alltag. Wenn einer Sekretärin hier gesagt wird, sie solle doch nächstes Mal bitte einen kürzeren Rock anziehen, ist das völlig normal.

Auch Don fällt aus diesem Muster nicht heraus. Er säuft, er geht seiner Frau fremd und versucht stattdessen, sich die Liebe seiner Familie regelmäßig mit Geschenken zu erkaufen. Gleichzeitig verfolgt ihn seine Vergangenheit, die er aus irgendeinem Grund auszulöschen versucht. Woher Don kommt, was er einmal gemacht hat, das weiß nicht einmal seine Frau.

Das Mysterium um Dons Vergangenheit ist dann auch die treibende Kraft, die die dreizehn Episoden der ersten Staffel miteinander verbindet. Die meisten Folgen kann man jedoch auch ohne Vorkenntnisse anschaun, da sie eine eigene, meist in sich abgeschlossene Geschichte erzählen. Mad Men ist ein Mix aus Serial und Procedural.

Mad Men Intro

Hätte ich einen PC als Alternative gehabt, hätte ich nach der ersten oder zweiten Folge vermutlich bereits aufgegeben. Die Serie konzentriert sich voll und ganz auf seine Charaktere, deren Leben sie genauso realistisch wie undramatisch darstellt. Im Zeitalter der Reizüberflutung ist Mad Men oft kaum mehr als ein Kammerspiel, in dem es nichts gibt, was irgendwie von den Dialogen ablenken könnte. Das bin ich nicht mehr gewohnt und ertappte mich zu Beginn deshalb regelmäßig, wie ich ungeduldig wurde. Wo bleibt der Twist? Die große Geschichte? Das Drama?

Das Drama kommt, jedoch nicht plötzlich und auf einen Schlag. Stattdessen entwickelt es sich langsam. Die Schreiber von „Mad Men“ verstehen, dass die Figuren zuerst einmal eingeführt und mir näher gebracht werden müssen, bevor man ihnen irgendwelchen Schicksalsschlägen aussetzt. Es dauert es zwar einige Folgen, bis „Mad Men“ sein volles Potential ausspielt – dann fiebere ich jedoch mit jedem Dialog mit, als ob es gerade um die Auflösung von LOST geht und verliere mich in den geradezu deprimierenden, jedoch überaus realistisch dargestellten sechziger Jahren Amerikas.

Wenn ich Kritikern trauen darf, wird die Serie wohl mit zunehmender Laufzeit nicht gerade besser. Bis dahin freue ich mich aber darüber, dass mir „Mad Men“ wieder die  Gewissheit gab, dass tolle Charaktere und Dialoge  genug sind, um großartiges Fernsehen zu machen.

Wie gut kennst du Lucifer (Staffel 1&2)?