Man of Steel Film-Kritik: Das ist super, Mann!

David Hain 1

Was hatte ich mich gefreut. Ich bin wahrlich nicht der größte Superman-Fan, aber die vollmundigen Ankündigungen („der realistischte Superman aller Zeiten“) gekoppelt mit den Verantwortlichen (Zack „Watchmen“ Snyder und Christopher „Dark Knight“ Nolan) können einem schon mal den Mund maximal befeuchten. Und ein gutes Abenteuer mit dem rot becapeten Supertypen gab es auch schon eine Weile nicht mehr.

Um das nochmal klar zu stellen. Als Nolan und Snyder vor rund zwei Jahren beschlossen, einen erneuten Versuch zu wagen und die „Superman“-Marke aus der Versenkung zu heben, taten sie das, weil sie (Zitat) „einen völlig neuen Ansatz gefunden haben, der dem Mythos ganz neues Leben einhaucht“. Egal ob Marketing-Blabla oder nicht – mich hatten sie damit voll im Sack. Seither frage ich mich: Was wird wohl dieser besondere Kniff sein, denn sie da meinten?

 

Mittlerweile weiß ich: Es gibt ihn nicht, diesen Kniff. Wie schon Chris Nolan in „Batman Begins“ verwechselt auch Snyder den Terminus realistisch mit einer Erzählweise, die auch mal einen Gang zurück schalten kann. Am Ende fliegen hier dann aber immer noch Typen in gigantischen Rüstungen durchs Bild, die so auch direkt aus „Gears of War“ stammen könnten. Ein neuer Ansatz fällt den beiden zum Superman-Mythos auch nicht ein.

Je nachdem mit welcher Erwartungshaltung man die Karte für „Man of Steel“ löst, dürfte sich das Filmvergnügen gestalten. Wer eine Neudefinition des Mythos möchte, sucht hier vergebens. Wer stattdessen einen modernen Superman will, angepasst an aktuelle Sehgewohnheiten, der bekommt hier rund zwei Stunden so gekonnt auf die Netzhaut gezwiebelt, dass man noch Stunden später ein leichtes Blitzen auf den Augen hat.

Dabei beginnt „Man of Steel“ tatsächlich ungewöhnlich. Die überraschend ausufernde Exposition zeigt die Anfänge auf Krypton, dann auf der Erde überspringt Zack Snyder ein paar Jährchen und geht aber der Hälfte – punktgenau zur Ankunft von General Zod – ans Eingemachte. Bis dorthin liefern Flashbacks das emotionale Unterfutter für einen Helden, den man eigentlich als nahezu unverwundbar kennt.

Man of Steel: Tragischer Superman

Darin lässt sich dann tatsächlich ein neuer Ansatz ausmachen. Superman ist dieses Mal zwar nicht weniger super, fliegt und schlägt und lasert sich gekonnt durch praktisch jegliches Hinderniss, aber er ist mehr Mensch als je zuvor. Ein großes Thema des Films ist die oft aufgeworfene Frage „Was ist, wenn die Menschen mich verstoßen?“ – eine tatsächlich gewichtige, sozial-politische Thematik, die aus dem stählernen Supermenschen ein verletzliches Individuum macht.

Snyder nimmt sich trotz hohen Tempos noch relativ viel Zeit für diese Momente, die gerne auch mal richtig tragisch werden und allgemein eine gewisse Schwere ausstrahlen. Gegossen wird das in traumhafte Nahaufnahmen, wie sie sich ein Terrence Malick zum Markenzeichen gemacht hat. Soweit, so ungewöhnlich. Dann knallt’s, aber richtig. Etwa gegen Filmmitte betritt General Zod die Bühne und mit ihm ein völlig neues Erzähltempo.

Als hätten zwei völlig unterschiedliche Drehbuchautoren Beginn und Ende des Films geschrieben, baut sich plötzlich ein theatralisches Spektakel vor dem überrumpelten Kinobesucher auf, als wolle jemand einen krassen Gegenentwurf zum vorher Gezeigten entwerfen. Völlig entfesselt werfen sich Superman und Co. durch Gebäude, Straßenzüge, Tanklaster, Züge, vermöbeln sich mit Straßenlaternen, irgendwann sind sie im Weltraum, dann wird Metropolis platt gemacht.

Das passiert in einer Weise, die selbst für Blockbuster-Verhältnisse und gemessen an Filmen wie „Transformers 3“ einmalig ist. Optisch ist das sicherlich beeindruckend, auch wenn die Kamera sich zu häufig nicht entscheiden kann, wo sie nun eigentlich hin filmen soll. Ein Problem des Films, vielleicht sogar des gesamten Superman-Mythos, ist die völlige Schwerelosigkeit der Action, die gepaart mit der Unverwundbarkeit ihrer Helden und Feindbilder nie das Gefühl echter Bedrohung aufkommen lässt.

So stellt sich dann auch irgendwann eine gewisse Ermüdung ein. Wenn Kryptons Schlägertrupp am Ende halb Amerika in Trümmer gebettet hat, dann dauert das nicht nur rund 45 Minuten, es fehlt dem Spektakel auch an Dringlichkeit und Drama. Snyder traut sich hier deutlich zu wenig, selbst das Original mit Christopher Reeve holte zum Ende hin noch mal zum emotionalen Paukenschlag aus. Derartige Ansätze verpuffen hier allerdings genauso schnell, wie die Stadtfassade von Metropolis.

Fazit

Einen nicht unerheblichen Anteil an der unten stehenden Wertung hat meine Erwartungshaltung. Gespeist durch erste Trailer und die vollmundigen Ankündigungen im Vorfeld, hatte ich viel erwartet. Eingelöst wird davon aber zu wenig. Wer an „Man of Steel“ aber unbefangen herangeht, bekommt hier einen Superman, der sich passgenau in die Riege qualitativ hochwertiger Comicverfilmungen einreiht und dem Mythos einen modernen Anstrich verleiht.

Leider kann sich Zack Snyder dabei nicht ganz einigen, ob er nun in die Psyche seines Helden eindringt oder ein entfesseltes Spektakel inszeniert. Am Ende bleibt ein Erlebnis, das sich nie richtig entscheiden kann, ob es nun Fisch oder Fleisch ist, Charakterstudie oder Comictheater. Dennoch blitzt gewaltiges Potential auf: Mit dem richtigen Bösewicht als Gegner und einem mutigeren Drehbuch, kann das hier gewaltiges Kino auf „Dark Knight“-Niveau werden – sofern eine Fortsetzung kommt. Freuen würde ich mich.

Wertung
Regisseur: Zack Snyder
Drehhbuch: David S. Goyer, Christopher Nolan und zwei weitere Autoren
Stars:  Henry Cavill, Amy Adams, Michael Shannon
Deutschlandstart: 20. Juni

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