Die Super-Pleiten: TV-Superhelden, an die sich kein Schwein mehr erinnert

Tobias Heidemann 6

Unsere Superhelden sehen gut aus. Egal, ob „Daredevil„, „Flash„, „Arrow“ oder „Marvel’s Agents of S.H.I.E.L.D„, aktuell stehen TV-Serien mit Superhelden hoch im Kurs und verfügen dabei über stattliche Produktionswerte. Das war nicht immer so. In den Annalen der TV-Geschichte schlummern ein paar überaus groteske Super-Gestalten, an die sich heute wohl nur noch ihre Schöpfer erinnern. Wir haben ein paar dieser Leichen im Keller der TV-Historie ausgebuddelt, um ihnen eine letzte Ehre zu erweisen. Also seid nett. Und viel…eh..Spaß?  

 

Captain-Nice

 Captain Nice: Der nette Supertrottel von nebenan (1967)

1967 sah die Welt der Superhelden ganz anders aus. Ein kleiner Verlag namens Marvel hatte mit neuen Figuren wie „Spider-Man“ und den „Fantastic Four“ gerade ein paar zarte Erfolge feiern können und in der Glotze prügelten sich Batman und Robin in viel zu engen Kostümen auf parodistische Weise mit dem Joker. „Captain Nice“ passte da eigentlich ganz hervorragend rein. In der TV-Serie panschte ein Polizei-Chemiker namens Carter Nash aus Versehen ein Super-Serum zusammen, das ihn unverwundbar machte und ihm zudem Flug-Fähigkeiten schenkte. Doch „Captain Nice“ war für die Verbrechensbekämpfung einfach etwas zu nett. Angelegt als schüchterndes Muttersöhnchen mit Höhenangst (!)  kalauerte sich die TV-Serie von einem holprigen Gag zum nächsten. Bis irgendwann niemand mehr lachte. Nach nur 14 Folgen war Schluss. „Captain Nice“ stürzte ab.

 

Captain Nice - Intro.

 

Superheldin

 The Secrets of Isis: Die Super-Lehrerin (1974)

Andrea Thomas ist Lehrerin und nebenbei auch als Archäologin tätig (wait what?). Bei einer Ausgrabung in Ägypten findet das nette Vorstadt-Fräulein ein uraltes Amulett. Die Kraft des Amuletts verwandelt sie sodann in „Isis“, eine mächtige Kriegerin, die für das Gute kämpft. So schnell kann´s gehen. Doch bevor ihr euch über die Schlichtheit dieser merkwürdigen Serie hermacht, sei hier erwähnt, dass „The Secrets of Isis“ für Kinder gedacht war. Isis bekämpfte ihrer Gegner deshalb auch meist ohne Gewaltanwendung und hielt am Ende jeder Folge auch noch brav eine kurze Moralpredigt. Und zwar direkt in die Kamera. Der pädagogische Gehalt der Serie war einer in der Mitte der 70er Jahre laut gewordenen Medienkritik geschuldet, die sich um das Seelenheil der kleinen Zuschauer sorgte. Nach zwei Staffeln war trotz (oder wegen?) der allgemeinen Artigkeit Schluss und Isis verschwand wieder in den Pyramiden.

 

 

 

Auotman

 Automan: Trons blöder Bruder (1983)

Steven Lisbergers „Tron“ war 1982 weltweit ein Riesenhit. In der spannenden Hacker-Mär kamen erstmals revolutionäre Spezial-Effekte aus dem Computer zum Einsatz. Dass der US-Sender ABC sich an diesem Digital-Hype beteiligen wollte, scheint auch aus heutiger Sicht nur logisch. Das Ergebnis hörte dann allerdings auf den grandios einfallsreichen Titel „Automan“ und war nach wenigen Folgen schon wieder Geschichte. Und das obwohl der Verbrechen bekämpfende Computer-Mann so unglaublich schön glitzerte und sogar seinen eigenen Heli beschwören konnte. Ein automatischer Flop, dieser Automan.

 

 

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Die Spezialisten unterwegs: Nerds mit Herz (1985)

Eine treue aber sehr überschaubare Gemeinschaft hat die „Misfits of Science„, so der Originaltitel der US-Serie, nie ganz vergessen. In der Geschichte der vorschnell abgesetzten TV-Serien rangiert die charmant verpackte Action-Komödie deshalb auch stets weit oben. Nur 16 Episoden ließ NBC 1985 von dieser Serie produzieren. Und das obwohl der Cast der Spezialisten (unter anderem Courtney Cox und Max Wright aka Willie Tanner) eigentlich erste Sahne war. Hinzu kamen einige wirklich nette Science-Fiction-Ideen und eine unterhaltsame Team-Chemie, die sich nonchalant bei Marvels X-Men bediente. Die Spezialisten gingen vielen Zuschauern damals ans TV-Herz und hätten ihnen sicher noch ein paar Jahre gute Dienste geleistet. Doch leider musste die Supertruppe seinerzeit gegen den legendären TV-Hit „Dallas“ antreten. Ein ungleicher Quoten-Kampf, der dann auch ein ziemlich böses Ende nahm. Die letzte Folge der „Misfits“ ging gar nicht mehr über den Sender.

 

 

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M.A.N.T.I.S.: Der Super-Behinderte (1994)

Also sooooo scheiße war „M.A.N.T.I.S.“ gar nicht. Immerhin wurde das Ding um einen querschnittsgelähmten Super-Reichen, der sich einen Super-Anzug mit Super-Gadgets baut von niemand Geringerem als Sam Raimi entwickelt und produziert. Und mit Autor Sam Hamm, verantwortlich für die Kinofilme „Batman“ und „Batmans Rückkehr“ hatte man zudem jemanden mit einem beeindruckenden Track-Record im Superhelden-Genre an Bord. Hinzu kam, dass es sich bei M.A.N.T.I.S (das steht übrigens für Mechanically Augmented Neuro Transmitter Interception System) um einen Afro-Amerikanischen Superhelden handelte, was auch im Jahr 1994 alles andere als gewöhnlich war. Doch Fox hatte keine Geduld mit dem etwas albernen Crimefighter und seiner geheimen Unterwasserbasis. „M.A.N.T.I.S.“ musste nach nur einer Staffel sterben. Also echt jetzt - in der letzten Folgen geht M.A.N.T.I.S. drauf!

 

 

 

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Night Man: Zu schlimm, um wahr zu sein (1997)

Ja ok, das waren die 90er, aber die Prämisse von „Night Man“ war selbst für damlige Verhältnisse so umfassbar blöd, dass es einem die Gehirnwindungen zerreißt. Ein Saxophon-Spieler (ooookay) wird vom Blitz getroffen (genau) und kann mit seinem Hirn danach die „Frequenz des Bösen“ empfangen (Alu-Hut, anyone?)  Klar, dass er diese Fähigkeit sofort nutzen muss, um Verbrechen zu bekämpfen. Unglaublich, dass sich dieser Schund bis 1999 im Fernsehen hielt.

 

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