Marvel's Jesscia Jones: Halbzeit-Kritik - Netflix hat's drauf!

Daniel Schmidt

Es kommt der Tag im Leben eines Kritikers, an dem er nichts zu mehr kritisieren hat. Entweder, weil ihm die Puste ausgeht oder, weil er auf ein Objekt stößt, an dem er nichts auszusetzen hat. Aber auch wirklich nichts! So geschehen im Falle „Marvel’s Jessica Jones“. Wir durften uns die ersten 7 Folgen der Serie bereits ansehen. 

Marvel’s Jessica Jones: Superheldin mit Hindernissen

Jessica Jones (Krysten Ritter), wie sie aus dem Marvel Universum bekannt ist, ist alles andere als eine klassische Superheldin. Geplagt von einer schweren Posttraumatischen Belastungsstörung und einer nicht unerheblichen Alkoholsucht versucht sie, ihre Vergangenheit möglichst zu vergessen und stürzt sich stattdessen in ihre Arbeit als Privatdetektivin. Doch wie jeder weiß, kann man seiner eigenen Vergangenheit eben nur schwer entkommen und so erscheinen recht bald die figurativen Dämonen wieder auf der Bildfläche. Allen voran der fiese Schurke Kilgrave (David Tennant). Er ist ein wichtiger Teil der Geschichte der vermeintlichen Heldin Jones – allerdings genau der, den sie eben so gerne hinter sich lassen würde. Ihr bleibt nichts Anderes übrig, als sich der Realität zu stellen – koste es, was es wolle.

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Marvel’s Jessica Jones: Die komplexe Heldin

Selten war ein Charakter aus der Riege der Superhelden so komplex und gleichzeitig logisch wie der der Jessica Jones in der Version von Netflix. Ständig taumelt sie zwischen gequältem Opfer, widerspenstiger Kämpferin, unausstehlichem Kotzbrocken und mutiger Begleiterin hin und her. Was schnell inkonsequent und unschlüssig hätte werden können ist jedoch, sehr gelungen. War ihr Vorgänger „Marvel’s Daredevil“ noch hier und da ein wenig eindimensional in seinem Kampf gegen das Böse in einer Geschichte, die ab und an etwas komplexer hätte sein dürfen, hat Netflix offensichtlich für Jessica Jones einiges dazugelernt. Die Gefühlsachterbahn, die da mit unserer Protagonisten ihre Loopings fährt ist zumindest in den ersten 7 Folgen nachvollziehbar und mitreißend. Fast glaubt man zu erfahren, wie es in dem völlig zu Recht verwirrten Kopf von Jessica so aussieht und wie sich eine Posttraumatische Belastungsstörung anfühlt. Im Kontrast zu der sich ständig im Kreis drehenden Detektivin sind die Nebenfiguren bislang erfrischend klar, ihre Motive meist deutlich und konsequent. So verstärken sie nicht nur den Effekt der Zerrissenheit, der Jessica Jones ausmacht, sie geben ihr auch den nötigen Raum zur Entwicklung und definieren die Pole, zwischen denen sie wie eine Flipperkugel hin und her schnellt.

Marvel’s Jessica Jones: Spannung pur

„Marvel’s Jessica Jones“ bedient sich dem sehr alten Motiv von Katz-und-Maus-Spiel. Auch die stets offene Frage, wer die Katze und wer die Maus in diesem Szenario ist, ist keine neue Erfindung, funktioniert aber im modernen Gewand tadellos. Passend zum Vorgänger „Marvel’s Daredevil“ ist die Atmosphäre eher düster und passt sich hervorragend ins Gefüge ein, ohne angepasst zu sein. Netflix hat es geschafft, beide Formate so auf einander abzustimmen, dass sie alleine funktionieren, aber auch nahtlos zusammengefügt werden könnten. Im Gegensatz zu Daredevil sind Jessica Jones‘ Superkräfte aber wesentlich eindeutiger übermenschlich und fantastisch, allerdings ohne einen zu großen Sprung machen, der das gemeinsame Universum auf Netflix ins Ungleichgewicht bringen würde.

Marvel’s Jessica Jones: Fazit

Netflix hat ein Meisterwerk der Superhelden-Unterhaltung in Serie geschaffen,welches geneigte Zuschauer vor die Bildschirme fesseln wird. Wer gedacht hat, nach „Marvel’s Daredevil“ könnte es nicht mehr besser werden, der wird am 20. November sicher eines Besseren belehrt! Für die extrem gelungenen Folgen 1-7 gibt es von mir die Höchstwertung.

rating10

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