Mission: Impossible - Rogue Nation Filmkritik – Ist gut jetzt!

Tobias Heidemann 3

Eine sich selbst zerstörende Nachricht, ein eigentlich unmöglicher Einbruch, ein bisschen Spionage und ein möglichst aufsehenerregender Stunt –  Die Stationen der „Mission: Impossible“ haben sich in den beinahe 20 Jahren ihres Bestehens nie verändert. Eine Modernisierung wie sie Ethan Hunts britischer Arbeitskollege James Bond vor ein paar Jahren über sich ergehen ließ, hat sich das Tom Cruise-Vehikel bisher strikt verboten. Die Reihe hängt so sehr an ihrer Formel wie an ihrem zuletzt in Ungnade gefallenen Star. Wird es vielleicht Zeit für eine Pensionierung?

Mission Impossible: Rogue Nation - Trailer #3 englisch.
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„Mission: Impossible“ – da weiß man ganz genau, was man bekommt. Zwar entzündeten die bis dato verpflichteten Regisseure Brian De Palma, John Woo, J.J. Abrams und Brad Bird die traditionell zur genialen Titelmelodie von Lalo Schifrin brennende Lunte allesamt mit einer eigenen Handschrift – an der essentiellen Vorhersehbarkeit der Filme sollte ihre Arbeit aber nichts ändern.

Dass mit Christopher McQuarrie („Jack Reacher, „Way of the Gun“) nun ausgerechnet ein unerfahrener Regisseur ohne einen erkennbaren Stil die Fäden in die Hand nimmt, sprach im Vorfeld nicht gerade für „Mission: Impossible - Rogue Nation“. Mehr vom Gleichen, das schien die ernüchternde Botschaft der uninspirierten Trailer-Kampagne zu sein.

Und tatsächlich, McQuarrie inszeniert den fünften Eintrag der Serie ohne jedwedes Experiment erneut nach dem altbekannten Muster. Umso überraschender ist es, dass „Mission: Impossible - Rogue Nation“ als vielleicht bester Teil der Reihe in die Geschichte eingehen dürfte.

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Mission: Impossible - Rogue Nation Filmkritik: Vielleicht der Beste!

McQuarries zurückgewandte Konzentration auf das Wesentliche steht dem Film nämlich in keinster Weise im Weg. Im Gegenteil! Seine Regiearbeit stellt eine überaus effektive Besinnung auf den Spaß dar, den man mit dieser vermeintlich abgegriffenen Formel immer noch haben kann. Und McQuarrie hat ganz genau verstanden, was an „Mission Impossible“ Spaß macht.

Die Nachricht, die Masken, der Heist, das doppelbödige Verwirrspiel – unter McQuarries Führung werden die althergebrachten Plot-Devices liebevoll abgestaubt und so unterhaltsam aneinandergereiht als wäre es das erste Mal. Pünktlich zu Ethans Hunts drohender Pensionierung fühlt sich die in die Jahre gekommene „Mission: Impossible“ überraschend frisch an.

Dass es vielleicht die letzte Mission ist, zu welcher Ethan Hunt und sein Team aufbrechen, das weiß zum Glück auch der Film selbst. McQuarrie, der auch das Drehbuch schrieb, setzt die IMF, jene unorthodoxe US-Spionageeinheit um Ethan Hunt, gleich zu Beginn des Films durch den giftigen CIA-Director Hunley (Alec Baldwin) ab. Hunt wird nicht mehr gebraucht. Die Zeiten ändern sich eben. „Mission: Impossible - Rogue Nation“ lässt sich somit als eine selbstbewusste Beweisführung für die eigene Tauglichkeit im zeitgenössischen Action-Kino an. Und mit jeder neuen Szene möchte man dem Film zunächst auch zurufen: Chapeau! Von wegen überflüssig.

Von der ungemein spannend inszenierten Eingangssequenz für welche sich Cruise bekanntlich an einen Airbus ketten ließ, über das angenehm klassisch aufgeführte Spionage-Set in der Wiener Oper bis hin zum dem atemlosen Unterwasser-Heist und der darauf folgenden High-Speed Motorrad-Schlacht - ohne „Mission: Impossible - Rogue Nation“ wäre der Action-Sommer deutlich schwächer ausgefallen.

Schnörkellos, zielbewusst und schön straff zieht der Streifen an den bekannten Insignien seiner Reihe vorbei. Die Verluste, die „Rogue Nation“ dabei in der Logik-Abteilung hinnehmen muss, sind zwar erheblich – und gelegentlich regelrecht dreist – doch das Action-Momentum, das der Film beim Galopp durch seine hübschen Set-Pieces entwickelt, ist gerade stark genug, um den Blick des Zuschauers stets nach vorne zu richten. So fällt es gar nicht weiter auf, dass da im Rückspiegel die Sinnhaftigkeit des gesamten Plots zu Bruch geht.

A Star is born: Rebecca Ferguson rules!

Dass „Rogue Nation“ sich trotz seiner traditionellen Vorhersehbarkeit vergleichsweise unverbraucht und bisweilen sogar richtig aufregend anfühlt, daran hat auch die fulminant aufspielende Rebecca Ferguson und die von ihr gespielte Figur Ilsa einen gewichtigen Anteil.

Fergusons ungreifbare Doppelagentin ist der heimliche Star des Films. Wann immer die Figur auf der Leinwand auftaucht, erhält der Film eine gewisse Klasse, die an die besten Zeiten des Spy-Genres erinnert. Dass „Rogue Nation“ Rebecca Ferguson dabei eine erzählerische Aufgabe zuweist, die über die dumpfen Register eine Bond-Girls hinausweisen, kann als die wohl beste Entwicklung des ansonsten eher schwachen Plots um einen mysteriösen Geheimbund und einen lahmen USB-Stick angesehen werden.

Leider geht dem Film auf den letzten Metern dann ein bisschen die Luft aus. Das hohe Tempo kann nicht gehalten werden. Das finale Action-Ass, das man vor dem Hintergrund der bisherigen „Mission: Impossible“-Teile erwarten durfte, bleibt ungespielt. Stattdessen heuchelt „Rogue Nation“ seinem Zuschauer im Showdown mehr Cleverness vor als angesichts der dünne Story zulässig gewesen wäre.

Fazit

„Mission: Impossible - Rogue Nation“ hat erstaunliche Logik-Krater, ruht auf einer 20 Jahre alten Formel, die auch dieses Mal komplett erwartungsgemäß durch dekliniert wird und mündet schließlich in ein ziemlich maues Finale. Spaß hat man hier dennoch. Und zwar nicht zu knapp.

„Rogue Nation“ ist ein überraschend befriedigender Action-Film geworden, der dank der selbstbewussten und konzentrierten Inszenierung von Christopher McQuarrie und seinem gut aufgelegtem Cast (insbesondere Rebecca Ferguson!) in den routiniert gezogenen Registern bestens zu unterhalten weiß.

wertung pacific rim

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