Pro & Contra: Johnny Depp - am Ende?

Philipp Schleinig 10

Seit nunmehr 31 Jahren ist der Schauspieler und Teilzeit-Pirat Johnny Depp im Film-Geschäft aktiv. Glanzzeiten und Tiefpunkte wechselten sich immer mal wieder ab. Doch aufgrund diverser Vorkommnisse der letzten Zeit stellen wir uns heute mal die Frage: Ist die Karriere von Johnny Depp etwa am Ende? Marek und ich äußern uns dazu.

Pro & Contra: Johnny Depp - am Ende?
Bildquelle: © Universal.

Sein neuster Film - „Mortdecai- Der Teilzeitgauner“ - entwickelt sich momentan zu einem großen Flop und er erscheint erst einmal betrunken zur Weltpremiere: Was ist eigentlich los mit Johnny Depp? Keine Angst, wir schwingen hier nicht die Moralkeule. Im Gegenteil: Mal beherzt zum Gläschen greifen, um die Reporter etwas zu amüsieren, darf doch als kleiner Fehltritt gewertet werden.

Dennoch sind die Zahlen von „Mortdecai“ erschreckend: Rund 60 Millionen US-Dollar hat der Film an Budget verschlungen, eingespielt sind bisher weltweit (!) 9,3 Millionen Dollar (via Boxoffice Mojo, Kinocharts). Selbst wenn der Film unter Einbezug des Home-Release irgendwann sein Budget wieder eingespielt hat, bleibt die große Blamage. Denn es ist nach „Lone Ranger“ und „Transcendence“ schon der dritte Flop des Schauspielers seit der „Fluch der Karibik“-Reihe.

Ist die Karriere von Johnny Depp etwa am Ende?

Pro: Ja, Johnny Depp hat seine besten Tage bereits hinter sich! (Philipp)

Ich habe Johnny Depp einst sehr geschätzt. „Gilbert Grape - Irgendwo in Iowa“ ist ein fantastischer Film mit einer wunderbaren Figurenzeichnung, „Edward mit den Scherenhänden“ erwärmt auch in der kältesten Jahreszeit und „Ed Wood“ ist verdammt lustig. Als mir eine Freundin vor ewiger Zeit schließlich Jack Sparrow vorstellte, dachte ich, in Johnny Depp einen meiner Lieblingsdarsteller gefunden zu haben. „Wenn Träume fliegen lernen“ und „Charlie und die Schokoladenfabrik“ untermauerten meine Denkweise. Ja sogar in Michael Manns „Public Enemies“ fand ich Johnny Depp als Mafioso toll.

Es war schließlich 2010, als mich Johnny Depp in „Alice im Wunderland“ hängen ließ. Das Scheitern war natürlich nicht allein ihm anzukreiden, ich sah es als Fehltritt. Als dann „The Tourist“, ein unnötiger „Fluch der Karibik 4 - Fremde Gezeiten“, „Dark Shadows“ und „Lone Ranger“ folgten, begann ich an der Genialität des Schauspielers zu zweifeln. Und ich bin absolut ehrlich zu euch: „Lone Ranger“ fand ich nicht grundsätzlich schlecht, Johnny Depps Rolle war nur… einfach nichts Neues.

Ein wankelmütiges Auftreten oder eine merkwürdige Gesichtsbemalung scheint dem Schauspieler inzwischen zu reichen, um sich einem neuen Film zu verpflichten. Klamauk trifft es dabei am besten. Und so ist „Mortdecai“ nur eine weitere Kerbe in diesem langweiligen Filmografie-Bettpfosten, auf dem sich Depp noch zu halten scheint. Ein skurriler Bart, ein gekünstelter Charakter und eine wackelige Fortbewegung sind zum Markenzeichen des einst talentierten Darstellers geworden.

Dabei hatte Johnny Depp doch schon bewiesen, dass er eindeutig mehr kann, dass er ein Charakterdarsteller sein kann, dass er als normaler Mensch tolle Rollen übernehmen kann. Diese Zeiten scheinen vorbei und ich nehme vorerst traurig Abschied vom einstigen Helden. Die Karriere ist rückläufig und das merkt der Herr wohl auch. Anders kann ich mir den Auftritt vor einiger Zeit bei der Weltpremiere von „Mortdecai“ nicht erklären. Dass jedoch das Geld lockt, ist der traurige Beigeschmack all dessen.

 Contra: Johnny Depp hat nur einen Durchhänger. Da kommt noch was! (Marek)

Natürlich ist das „Fluch der Karibik“-Franchise mittlerweile ausgelutscht und die letzten Leinwandauftritte von Johnny Depp waren eher schale Abziehbilder früherer Glanztaten und wirkten routiniert-aufgesetzt statt charmant-versponnen. Das ist selbstredend schade und der gute Mann scheint sich im Moment tatsächlich in einem Karriere-Tief zu befinden. Aber sollen einige Flops am Stück gleich das Ende einer über dreißig Jahre andauernden Laufbahn bedeuten? Ich denke nicht, schließlich ist Johnny Depp erst blutjunge 51 Jahre alt und es wartet noch ein Spätwerk auf ihn, das mit Leben und Schauspielkunst gefüllt werden möchte.

Ich bin Optimist und lasse mich daher von „Lone Ranger“ und „Mortdecai“ nicht so schnell entmutigen. Viele berühmte Schauspieler hatten in ihren Karrieren Durststrecken zu verkraften und fanden gestärkt zu alter Klasse zurück. Man denke etwa an Unsinn wie „Pink Cadillac“, den Clint Eastwood in den späten 1980er Jahren verzapfte, nur um kurze Zeit später mit „Erbarmungslos“ seine beste Arbeit abzuliefern, oder Michael Keaton, der gerade mit seiner grandiosen Vorstellung in „Birdman“ nach gefühlten 20 Jahren im Abseits auf Oscar-Kurs ist. Und so eine Trophäe würde Herr Depp sich sicherlich auch noch gern in den Schrank stellen. Um seine Finanzen braucht er sich wohl keine Sorgen zu machen und auch die Turbulenzen in seinem Privatleben werden eines Tages ihr Ende nehmen, sodass dem Mann eigentlich gar nichts anderes übrig bleibt, als wieder den begnadeten Schauspieler in sich zu entdecken.

In der Vergangenheit hat Johnny Depp immer bewiesen, dass er es drauf hat, in spannende und abseitige Charaktere wirklich einzutauchen und nicht nur eine schlichte schräge Version seiner selbst als großen Spaß unmotiviert auf die Leinwand zu hobeln. Auf den eher lahmen Thriller „Gegen die Zeit folgte beispielsweise bald die wunderbare Darstellung von Hunter S. Thompson in „Fear and Loathing in Las Vegas“ und Johnny Depp stellte mit Halbglatze und Kassengestell-Brille eindrucksvoll unter Beweis, dass er zu den größten Charakterdarstellern seiner Generation gehört. Das tut er, meiner Meinung nach, immer noch und so bleibt meine Zuversicht ungebrochen, dass der eine, kleine Film noch kommen wird, in dem Johnny Depp ungeschminkt und ohne großes Tamtam die größte Leistung seiner Karriere abliefern wird.

Johnny Depp: Karriere-Ende?

asdsad

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