Nightcrawler - Jede Nacht hat ihren Preis - Kritik

Christoph Koch 4

"NIGHTCRAWLER" Kritik & Trailer Deutsch German Review | Jake Gyllenhaal 2014 [HD].
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Mit „Nightcrawler – Jede Nacht hat ihren Preis“ legt Regisseur Dan Gilroy sein Regiedebüt vor, das mit einem hervorragenden Jake Gyllenhaal glänzen kann. Ob der Film auch sonst überzeugt, erfahrt ihr in unserer Kritik.

"NIGHTCRAWLER" Kritik & Trailer Deutsch German Review | Jake Gyllenhaal 2014 [HD].
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Mit dem düsteren Thriller „Nightcrawler – Jede Nacht hat ihren Preis“ feiert Drehbuchautor Dan Gilroy sein Regiedebüt, der bisher vor allem durch das Drehbuch zu „Das Bourne Vermächtnis“ und die Geschichte zu „Real Steel - Stahlharte Gegner“ auf sich Aufmerksam machen konnte. Schon sein Bruder, Tony Gilroy, bewies mit seinem Erstlingswerk „Michael Clayton“ ein hervorragendes Gespür für eine tolle Geschichte, famose Darsteller und eine packende Inszenierung. Dan Gilroys „Nightcrawler – Jede Nacht hat ihren Preis“ steht dem in Nichts nach.

Lou Bloom (Jake Gyllenhaal) lebt in Los Angeles in einem kleinen, pragmatisch eingerichteten Apartment. Er verdient sein Geld mit illegalen Geschäften wie Betrügereien oder dem Stehlen von Baumaterial. Doch sein großer Traum ist ein fester Job, in dem er aufgehen und hineinwachsen kann, denn er ist nach eigenen Aussagen ein Arbeitstier, besitzt eine schnelle Auffassungsgabe und ist lernwillig. Doch alle Bemühungen, eine feste Anstellung an Land zu ziehen, bleiben erfolglos.

Durch Zufall wird er nachts Zeuge, wie ein Kamerateam einen Polizeieinsatz rund um einen Autounfall filmt und bekommt mit, dass man mit diesen Aufnahmen eine Menge Geld verdienen kann, wenn man sie den städtischen TV-Sendern verkauft. Ein verlockendes Geschäft, also kauft sich Lou eine billige Kamera und streift ab da an als blutiger Anfänger durch die Nächte von Los Angeles, immer auf der Jagd nach spektakulären Bildern, die er der Redakteurin Nina (Rene Russo) verkaufen kann. Durch seinen Ehrgeiz und seine skrupellose Art feiert der gerissene Lou schnell Erfolge. Er stellt den obdachlosen Rick als Gehilfen ein und findet sich schnell in einem Strudel aus Geld, Macht und Durchtriebenheit wieder, in einem Geschäft, das aus dem Leid anderer Profit schlägt.

Seitdem sich Jake Gyllenhaal aus dem Blockbuster-Geschäft verabschiedet hat, übertrumpft er sich bei jeder seiner Performances immer wieder selbst. Er ragte  selbst aus einem starken Cast wie bei „Prisoners“  noch heraus und trug auch das Drama „Enemy“ fast im Alleingang. Mit „Nightcrawler – Jede Nacht hat ihren Preis“ schafft der talentierte Mime, noch einmal eine große Portion schauspielerischer Klasse oben drauf zu legen und begeistert ein weiteres Mal in seiner wohl bisher im wahrsten Sinne des Wortes wahnsinnigsten Rolle.

Jake Gyllenhaal verkörpert den mit allen Mitteln nach Erfolg strebenden Lou Bloom mit solch einer Inbrunst, dass man sich diesem Antihelden und seiner emotionale Abgebrühtheit einfach nicht entziehen kann. Der hagere Gyllenhaal bringt die latent psychotische Ader Lou Blooms nahezu perfekt rüber und es wird schnell deutlich, dass Lou nicht in dieses Gebilde emotionaler Beziehungen passt, sondern Menschen für ihn nur existieren, um mit ihnen zu kommunizieren, mit ihnen zu arbeitenund sie für den eigenen Erfolg auszunutzen. Für Bloom sind Menschen Objekte, die man benutzen kann, um damit die Karriereleiter zu erklimmen. Er ist ein taktierender Egozentriker, der mit einer großen Portion Narzissmus durch die Welt geht und sich dabei immer noch als Gutmensch sieht.

Sein Traum ist ein fester Job und so ist es wenig verwunderlich, dass er sein explizites Material exklusiv an einen einzigen Nachrichtensender verkauft, um dadurch das Gefühl zu bekommen, dazuzugehören, mitzumischen und ein Teil des Teams zu sein. Doch Lou Bloom ist ein Macher, einer der über Leichen geht, wenn es sein muss. Er hat es verinnerlicht, dass wir in einer Zeit leben, in der man sich förmlich aufopfern muss, um herauszustechen und ganz Oben anzukommen.

Man muss seine Chancen gegen alle Widrigkeiten nutzen, ohne dabei auf das Wohl der anderen zu achten. Er ist das kompromisslose Ideal eines modernen Menschen. In seiner Versessenheit, diesen Erfolg schlussendlich auch einzufahren und sich selbst zu belohnen, übertritt er schnell ethische, moralische und rechtliche Grenzen. Er will dem Nachrichtensender die besten, blutigsten und spektakulärsten Bilder liefern und zieht damit kalkuliert seinen Nutzen aus den niederen Instinkten eines TV-Publikums, das pünktlich zum Morgenkaffee die schaurigsten Bilder aus der Nachbarschaft serviert bekommen will.

Nightcrawler - Eine bitter böse Medienschelte

Und Die News-Redakteurin Nina Romina ist erpicht darauf, den Zuschauern auch genau diese Bilder zu liefern und damit die Quote wieder zu steigern, und so reißt sie Lou das exklusiv-verstörende Material förmlich aus den Händen. Es ist diese Versessenheit der Medien, das Einzigartige zu präsentieren und wenn nötig dabei jegliche Grenzen zu überschreiten, die in den Augen von Nina immer wieder zu sehen ist. Wenn Lou mit noch nie gesehenem Material vor der Tür des Senders steht, dann baut sich zwischen ihnen fast eine perverse, erotische Stimmung auf. Man fühlt als Zuschauer förmlich, wie die Redakteurin von dem Gedenken, mit den brutalen Aufnahmen Lous die Quoten zu steigern und richtig viel Geld zu verdienen, erregt ist.

Es ist dieser Erfolgsdruck, der zwischen den beiden als genauso attraktiv und begehrenswert empfunden wird wie alltägliche Nettigkeiten. Sterbende und Tote sind für sie nichts als Quoten und eine simple Ware, mit der sich bares Geld verdienen lässt. „Nightcrawler – Jede Nacht hat ihren Preis“ liefert damit zwar oft eine recht plakative Medienschelte ab, doch eine, die mit voller Wucht sitzt und einem in vielen Szenen in den Magen tritt. Der Film ist eine bitter böse Mediensatire, die den Menschen als Produkt für Erfolg sieht, das Leid als Quotenrenner betrachtet und das eigene Gewissen unter dem Gewinn von Blut, Gedärmen und dem menschlichen Elend begräbt. Alles für die Quote, alles für das Geld.

Die einzige Menschlichkeit, die Lou besitzt, heißt Rick (Riz Ahmed) und sitzt als Assistent neben ihm im Auto. Immer wieder appelliert er an den skrupellosen Lou, rüttelt ihn auf, fungiert förmlich als Stimme des Zuschauers. Rick versucht zwar sein Gewissen zu überhören und in diesem schnellen Business aus Gewalt und medialer Verwerflichkeit Fuß zu fassen, doch er bekommt dafür weder Anerkennung, noch eine entsprechende Bezahlung. Bloom lässt ihn förmlich ab langen Arm verhungern und macht damit deutlich, dass Menschlichkeit beim Streben nach Erfolg nichts zu suchen hat und bestraft wird.

„Nightcrawler – Jede Nacht hat ihren Preis“ ist eine tief schwarze, wenn auch mitunter plakativ geratene Medienschelte, die dem Zuschauer mehr als einmal den Magen umdreht. Doch das nicht etwa aufgrund der drastischen Bilder von Unfällen oder Leichen, sondern durch das Verhalten der Menschen, die vor Gier und dem Willen nach Erfolg ihre Moral auf der Strecke lassen.

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