Oblivion Film-Kritik: Nicht vom Trailer abschrecken lassen!

David Hain

Meh. Ein Mann, allein auf der Erde. Wieder mal eine Apokalypse. Er kriecht durch stockfinstere Katakomben, hinten im Eck erkennt man ein Paar leuchtender Augen. Nur schemenhaft, soll ja gruselig wirken. Ein Alien. Oder so – mal wieder. Unterfüttert wird das klinische Treiben durch mysteriöses Gebrabbel von höheren Mächten und Werten und überhaupt. Himmel, der Trailer von „Oblivion“ ist wahrlich ein Paradeexempel für glattgebügeltes Egal-Marketing. Dabei ist der Film so viel mehr als „egal“.

Universal Pictures ließ im Vorfeld vermelden, das Skript von „Obilivion“ sei eines der besten, das sie jemals auf dem Tisch zu liegen hatten. Ist natürlich Quatsch, weil Werbe-Geschwafel, gemessen an allgemeinen Science-Fiction-Standards dann aber doch nicht allzu weit hergeholt. Richtig gute, plausible und ergreifende Sci-Fi – wann gab es die überhaupt das letzte Mal? Mit „District 9“ und „Avatar“ liegen die zwei größten Namen immerhin schon vier Jahre zurück.

„Oblivion“ hat jedoch genau das: Eine große Geschichte, die immens viele Haken schlägt, aber dennoch in sich schlüssig bleibt. Die Vieles nur andeutet und dadurch eine Mystik ausstrahlt, an deren Ende beim Zuschauer nur unbändige Neugierde entstehen kann. Denn Fragen ergeben sich zur Genüge: Was hat die Apokalypse denn nun ausgelöst? Wer hat sie ausgelöst? Wo sind die anderen Menschen? Und was ist dieses riesige pyramidenförmige Gebilde, das so bedrohlich nah über der Erde schwebt?

Nur um verfrühtem Unmut vorzubeugen: Drehbuchautor Michael Arndt (ja, der Michael Arndt, der demnächst auch das Star Wars 7-Drehbuch schreiben wird) liefert auf diese Fragen auch passende Antworten. Die Kardinalssünde nahezu sämtlicher Sci-Fi-Filme, Fragen in den Raum zu werfen, die dann entweder gar nicht oder nur unbefriedigend oder gar völlig unlogisch beantwortet werden, wird hier derart weiträumig umschifft, dass man am Ende der über zwei Stunden Laufzeit fast das Gefühl bekommt, es wurde zu viel erklärt.

Am Ende ergibt sich daraus ein wilder Mix aus Twists (die gegen Ende gefühlt im Sekundentakt kommen), protzigen Actionszenen und herziger Lovestory, der  - und jetzt wird’s abenteuerlich – verdammt gut harmoniert. Mit jeder neuen Enthüllung schlägt der Spannungsbogen aus, auch wenn’s hier und da gerne auch mal wirr und undynamisch wird. Regisseur Joseph Kosinski scheint jedenfalls ein Faible für Aufnahmen zu haben, in denen erschreckend wenig passiert.

Ein episches Abenteuer soll das hier sein

Sei’s drum: Dank exzellenter Schauspielleistungen, einem guten Drehbuch und pointiert eingesetzter Action wächst „Oblivion“ erstaunlich schnell zu eben jener Größe heran, die sich Crew und Regisseur scheinbar gesetzt haben. Ein episches Abenteuer soll das hier sein. Und abgesehen davon, dass die einzelnen Storyelemente alle furchtbar abgegriffen sind – in ihrer Gesamtheit aneinandergereiht funktioniert es am Ende dann doch. Irgendwie. Lieber nicht fragen…

Erstaunlich ist dies umso mehr, weil Regisseur Kosinski denn unfassbar belanglosen „Tron Legacy“ zu verantworten hatte. Mehr style-over-substance ging in den vergangenen Jahren wohl kaum, weshalb man dann schon verwundert sein darf, dass hier Charaktere und Gefühl oder eben auch einfach nur Momentaufnahmen so viel Raum zugesprochen bekommen. An anderer Stelle kommen Kosinskis Vorlieben sehr viel deutlicher zum Tragen.

Die beiden großen Stärken des Tron-Reboots waren das fantastische Produktionsdesign und der Soundtrack. Ersteres haben Kosinski und sein Team zu verantworten, die hier nun ähnlich Großes fabrizieren. Dieser klinisch-sterile Look, getaucht in blankes Weiß und leuchtendes Blau, ist wie für die Generation iPhone geschaffen. Die Musik wiederum kam bei Tron von Daft Punk, die hier nun von den Synthie-Ästheten M83 ersetzt werden. Klappt abermals, weil: klingt genial! (Hier kann man sich den Oblivion-Soundtrack anhören und selbst davon überzeugen.)

Fazit
Richtig gute Science-Fiction, so sagt man, hausiert immer auch mit einer gewissen inhaltlichen Schwere und bedeutungsschwangeren Metaphorik. Nun ist „Oblivion“ sicher kein „2001 – Odysee im Weltraum“, aber er bemüht sich, Themen anzureißen, die mehr sind als die x-te Alieninvasion oder Sternenkrieg XY. Und dafür darf man in Zeiten von „Transformers 3“, „Skyline“ oder „Pandorum“ schon mal ehrlich dankbar sein.

Das Produktionsdesign und die Musik sorgen für die audiovisuelle Güte, Tom Cruise verleiht der Story Glaubwürdigkeit und dank zahlloser, ausführlich erklärter Twists bleibt das Zuschauerinteresse bis zum Ende hoch. Ab und an bewegt sich die Lovestory zwar nah an der Grenze zum Kitsch, die übergreifende Handlung an der Schwelle zum Klischee und über das Ende lässt sich sicherlich auch trefflich streiten, doch insgesamt ist „Oblivion“ endlich mal wieder richtig gute Sci-Fi-Unterhaltung.

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