Oldboy ist der beste Film aller Zeiten: Ich erkläre euch, wieso

Robin Schweiger 7

Oftmals fällt es schwer, einen einzigen Film als DEN Besten aller Zeiten zu bezeichnen. Zu viele Genres, zu unterschiedlich die Filme. Mir geht es da anders: Wenn mich jemand nach meinen Lieblingsfilm fragt, antworte ich ohne zu zögern: „Oldboy“. Ich erkläre euch, wieso Oldboy der beste Film aller Zeiten ist! 

Oldboy ist der beste Film aller Zeiten: Ich erkläre euch, wieso

Ich muss 14 oder 15 Jahre alt gewesen sein, als ich „Oldboy“ das erste Mal sah. Ich hatte noch nie zuvor einen Film aus Südkorea gesehen und war , wenn es um die möglichst heftige Darstellung von Gewalt geht, nur Hollywoods laute, effekthaschende Filme gewohnt. Doch was mich im Anschluss sprachlos zurückgelassen hat, war nicht die brutale Gewalt, sondern die packende Geschichte, die Regisseur Park Chan-Wook mit Bildern erzählte, die ich in Hollywood-Filmen noch nie zu Gesicht bekommen habe.

„Oldboy“ erzählt die Geschichte von Oh Dae-su – ein normaler, wenig auffälliger Mann. Ohne weitere Erklärung wird er eines Tages entführt, 15 Jahre lang eingesperrt und anschließend ebenso kommentarlos wieder freigelassen. Doch seine Tortur soll noch lange kein Ende gefunden habe: Denn sein Entführer gibt ihm per Telefon die Aufgabe, herauszufinden, wer er ist und warum er ihn 15 Jahre lang einsperrte.

Schnell wird deutlich: Die vergangenen 15 Jahre waren lediglich die Vorbereitung auf die eigentliche Folter, die Oh Dae-su durch die kommenden Enthüllungen erfahren sollte. „Oldboy“ konzentriert sich nicht nur auf Oh Dae-sus Suche nach seinem Peiniger, sondern auch auf seine wenigen Versuche, sich in einer völlig anderen Welt wieder zurechtzufinden. Dabei stößt er auf die junge, unschuldige Mi-Do, die ihm prompt bei seiner verzweifelten Suche hilft.

So verbindet „Oldboy“ die verschiedensten Genres: Ein Drama, in dem ein verlorener Mann seinen Platz in der Welt sucht. Ein Thriller, in dem sich Oh Dae-su gegen einen scheinbar übermächtigen Gegner behaupten muss. Ein Krimi, in dem das Opfer selbst nicht nur seinen Peiniger, sondern auch dessen Motivation herausfinden muss. Eine Romanze, in der die seltsame Liebe zwischen zwei so völlig verschiedenen Personen wie Oh Dae-su und Mi-Do thematisiert wird. Und dann gibt es da noch den Twist. DEN Twist. „Oldboy“ offenbart das Geheimnis hinter seiner Geschichte in einer optisch und auditiv perfekten Szene, die es dem Zuschauer erlaubt, ganz ohne Exposition oder Monolog langsam aber sicher selbst auf den einzig logischen Schluss, die furchtbare Enthüllung zu kommen, die hinter Oh Dae-sus Tortur steckt.

Heute sind Twists in Hollywood so etwas ein abzuhakendes Film-Element, das mit möglichst lauter Musik und schockierten Gesichtern in Szene gesetzt werden muss – sie sind Selbstzweck geworden. Nicht so bei „Oldboy“: Wer wirklich aufpasst, der kann das große Geheimnis bereits vorher erraten – tatsächlich machte ein Freund mal genau das, während ich ihm den Film zeigte. Das änderte jedoch für ihn jedoch nichts an der Klasse des Films: Der Twist unterstützt die Geschichte und ist nicht ihr zentrales, einziges Element. Auch wenn man ihn bereits voraussieht, kann die Story selbst den Film noch immer problemlos tragen.

Keine Frage: Zentrales Element und der offensichtlichste Grund für die hervorragende Qualität von „Oldboy“ ist das Drehbuch. Doch auch die Regie-Arbeit Park Chan-Wooks sowie der sensationelle Soundtrack gehören zum Besten, was das Medium zu bieten hat.

Während wir von amerikanischen Filmen oftmals schnelle Cuts und laute Musik gewohnt sind, um Emotionen zu unterstreichen, geht das südkoreanische Kino in die genau entgegensetzte Richtung: In brutalen Szenen bleibt die Kamera nüchtern auf dem Geschehen, die Musik wird von Geigen und Trompeten dominiert und gibt dem Film – mit wenigen, effektiven Ausnahmen – eine ruhige Atmosphäre. Diese teilweise ins Melancholische abdriftende Grundstimmung wird jedoch immer wieder unterbrochen: Etwa mit einer der besten Kampfszenen, die ihr jemals sehen werdet.

In dieser kämpft sich Oh Dae-su in einer einzigen Kamerafahrt 3 ½ Minuten langen durch einen Flur, wird mit Holzlatten geschlagen, von einem Messer zerstochen und wehrt sich mit allem, was er in die Finger bekommt. Fernab von den durchchoreographierten Hochglanz-Kämpfen der Konkurrenz, schafft es Park Chan-Wook perfekt, die gesamte Verzweiflung des Hauptcharakters in diesem Kampf einzufangen.

Eine packende, schockierende Geschichte voller interessanter Charaktere, auf einzigartige Art und Weise gedreht, untermalt mit einem eindringlichen Soundtrack. „Oldboy“ ist düster, dreckig und so gar nichts für einen gemütlichen Abend mit der Freundin. Wer jedoch Kino in seiner reinsten Form sehen will, der ist mit „Oldboy“ an der richtigen Adresse. Das Hollywood-Remake gilt es dabei zu ignorieren.

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