Outcast Start: Unsere Kritik zur neuen Serie des Walking Dead-Schöpfers

Tobias Heidemann 3

Wer sich Listen über die einflussreichsten Menschen der Comic-Branche ansieht, der wird darauf garantiert das sympathische Bartgesicht von Robert Kirkman erblicken. Der Mann hinter dem globalen Kulturphänomen „The Walking Dead“ hat es binnen weniger Jahre vom unterbezahlten Comic-Autoren in den Vorstand eines großen Verlages geschafft. Dass die TV-Rechte an „Outcast“, dem ersten Comic, den Kirkman nach „The Walking Dead“ erdachte, sofort von Fox gekauft wurde, und zwar ohne das Kirkman auch nur ein Heft publiziert hatte, dass zeigt, wie gut es dem Mann derzeit geht. Mit der Ausstrahlung der ersten Episode von „Outcast“ ist nun auch klar - es wird ihm bald noch etwas besser gehen.

Es macht durchaus Sinn „Outcast“ mit „The Walking Dead“ zu vergleichen. Wieder nimmt sich Kirkman ein populäres Sub-Genre des Horrors, wieder unterzieht er es (s)einer realistischen Interpretation. Exorzismus statt Zombies, lautet die Devise seiner neuen Serie. Statt eines pessimistischen Blicks auf eine von Untoten gejagte Überlebensgemeinschaft erzählt Kirkman in „Outcast“ nun vom menschlichen Drama dämonischer Besessenheit.

Outcast Staffelstart: Drastische Trostlosigkeit

Doch hier hören die Ähnlichkeiten nicht auf. Rome, die ländliche Kleinstadt,  in welcher die Serie spielt, ist von der gleichen, drastischen Trostlosigkeit beseelt, wie schon die Post-Apokalypse der wandelnden Toten. Eine raureife Zwischenwelt, mit rostigen Verkehrsschildern und depressiven Kindern, umgeben von düsteren Wäldern und schlecht bewirtschafteten Feldern. Ein gottverlassener Ort.

Die gelungene Inszenierung von „Outcast“ ist der bisher größte Trumpf der neuen TV-Serie. Mit Adam Wingard (You’re Next, The Guest) wurde ein Regisseur verpflichtet, der „Outcast“ in der ersten Folge weiter über den Horror-Durchschnitt des Fernsehens zu tragen vermag. So gehören die ersten fünf Minuten des Piloten zweifelsohne zum Verstörendsten, was man in diesem Jahr bis dato im TV zu sehen bekam.

Die atmosphärische Kamera fängt unangenehme Blicke ein, stöbert in den Schatten und weiß um die psychologischen Kräfte des großen Genre-Klassiker „Der Exorzist“ von William Friedkin. Schon die dämonisch verdrehte Title-Sequenz stimmt nahezu perfekt auf den weltlichen Exorzismus ein, der in Rome praktiziert wird. Ästhetisch ist „Outcast“ ein echter Hingucker.

Dass zweite Standbein, dass sich Kirkmans neue Serie mit der ersten Folge erfolgreich aufbauen kann, ist Patrick Fugits Darstellung des Titelhelden Kyle Barnes. Barnes führt das Nicht-Leben eines zutiefst verstörten und psychisch radikal derangierten Aussätzigen, der am Rande der Stadt darauf wartet, endlich vergessen zu werden. In Barnes Augen spielt sich ein Großteil der Handlung der ersten Folge ab. Seine Blicke haben mitunter eine größere Wirkung als die zahlreichen Flashbacks aus Barnes furchtbarer Vergangenheit.

Womit wir beim zentralen Thema von „Outcast“ wären. Wie schon in „The Walking Dead“ geht es auch in „Outcast“ um mehr. Es geht um den realen Horror zwischenmenschlicher Beziehungen. In diesem Fall also um häusliche Gewalt.

Der Dämon: Häusliche Gewalt

Ein sehr unangenehmes Thema, das, missbraucht als plakativer Schockwert einer auf Provokation bedachten Horror-Serie, sehr schnell ins Unappetitliche abgleiten kann. Barnes wurde geschlagen, missbraucht und misshandelt. Eine grauenvolle  Gewalterfahrung, die ihn nicht loslässt und die bei der Gründung seiner eigenen Familie erneut zu Tage tritt. „Outcast“ identifiziert uns mit einem mental verwahrlosten Charakter, der Frauen und Kinder schlägt, um sie von „Dämonen“ zu befreien. Das fühlt sich genauso ungemütlich an, wie es sich anhört.

„Outcast“ wandelt auf einem enorm schmaler Grat, an dessen Ende unbedingt eine erzählerische Absicht warten sollte, die diese maximal kontroverse Prämisse rechtfertigt. Sollte sich „Outcast“ aber als geistiger Verwandter der späteren Staffeln von „The Walking Dead“ entpuppen und das Thema des häuslichen Missbrauchs lediglich für substanzlose Schockeffekte ausschlachten, dann hat diese Serie offiziell ein Problem. Bis auf Weiteres kann man „Outcast“ aber die besten Absichten unterstellen und auf eine der viel vielversprechendsten Horror-Serien seit Langem hoffen.

Outcast läuft ab Montag, den 6. Juni, wöchentlich um 21 Uhr auf Fox und Sky Deutschland. 

 

rating8

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