Polizeiruf Kritik: Eine mörderische Idee in Magdeburg

Marek Bang

Der „Tatort“ hat anscheinend gerade Pause und so bescherte uns die ARD am gestrigen Sonntagabend den zweiten „Polizeiruf 110“ in Folge. Diesmal waren die noch frischen Kommissare aus Magdeburg an der Reihe und lieferten einmal mehr eher maue Krimi-Kost. Hier kommt die „Polizeiruf 110“-Kritik zur Episode „Eine mörderische Idee“ von GIGA FILM. 

„Polizeiruf“-Kritik: Eine mörderische Idee

Story

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Alle aktuellen Polizeiruf 110-Kommissare im Überblick

Magdeburg versinkt dank einer Bombendrohung im Chaos. Die Anschläger scheinen ihre Drohung, alle Märkte einer Supermarktkette im Süden der Sachsen-Anhaltinischen Landeshauptstadt in die Luft zu sprengen, ernst zu meinen, denn bald fliegt die erste Filiale in die Luft. Ein Großeinsatz der Magdeburger Polizei ist die Folge und auch die Kommissare Brasch (Claudia Michelsen) und Drexler (Sylvester Groth) sind im Dauereinsatz.

Zur gleichen Zeit geht bei der Polizei der Notruf eines Wachmanns ein, der gerade Zeuge eines Überfalls am Hafen geworden ist. Da alle Einheiten mit den Bombenanschlägen beschäftigt sind, kommt für den Zeugen jede Hilfe zu spät und die Kommissare der Mordkommission können am nächsten Tag nur noch seine Leiche bergen. Schnell wird das enorme Ausmaß des Überfalls klar, denn aus einem Container wurden Smartphones im Wert von über drei Millionen Euro gestohlen.

Drexler mag nicht recht an einen Zufall glauben und beginnt, die beiden Ereignisse miteinander in Verbindung zu bringen. Tatsächlich stößt der Kommissar bald auf die erste Gemeinsamkeit zwischen dem Raub und dem Bombenanschlag. In beiden Fällen wurden die Bilder der jeweiligen Überwachungskamera manipuliert. Mithilfe des Computerexperten Kim Nguyen (Paul Jumin Hoffmann) kann der Server ermittelt werden, von dem aus die Bildmanipulationen begangen wurden. Der zwielichtige Professor und IT-Spezialist Maik Reilmann (Tonio Arango) von der Magdeburger Universität verfügt über die nötigen Kapazitäten und gerät zunehmend ins Visier der Ermittler.

Ermittler

Die Magdeburger Hauptkommissare Brasch und Drexler gehören zu den jüngsten Gesichtern der „Polizeiruf“-Reihe und ermittelten gestern erst zum dritten Mal im Auftrag des MDR in Magdeburg. Leider waren ihre ersten beiden Auftritte wenig überzeugend, denn die Chemie zwischen den Polizisten scheint irgendwie nicht zu stimmen. Der großartige Schauspieler Sylvester Groth (international bekannt als Joseph Goebbels in Quentin Tarantinos „Inglourious Basterds“) spielt seinen Ermittler als mürrischen Unsympathen, der stets überkorrekt alle Dienstbestimmungen einhält und in jeder Lebenslage äußerst unflexibel daherkommt.

Ihm zur Seite gestellt ist die mit persönlichen Problemen behaftete Kommissarin Doreen Brasch, die sich unnahbar gibt und Mutter eines Sohnes ist, der tief in die rechtsextreme Szene abgerutscht ist. Was als gesellschaftspolitisch relevante Anspielung auf ostdeutsche Realitäten gedacht sein mag, wirkt leider oft klischeebeladen und platt inszeniert. Zum Glück verzichtete Regisseur Stephan Rick in der gestrigen Episode „Eine mörderische Idee“ darauf, diesen Erzählstrang wieder aufzunehmen und so blieb es bei einer kurzen Nachfrage Draxlers, wie es denn dem Sohn ginge, die von dessen Mutter nicht beantwortet wurde.

Besondere Vorkommnisse

Der gestrige „Polizeiruf 110: Eine mörderische Idee“ konzentrierte sich erfreulicher Weise ganz auf seinen Fall und ließ die Befindlichkeiten der Ermittler außen vor. Auch die gegenseitige Abneigung der Kommissare Brasch und Drexler, die in den ersten beiden Episoden deutlich herausgearbeitet wurde, spielte eine untergeordnete Rolle und wurde sogar mit einigen etwas unbeholfenen Szenen abgemildert. Nachdem Doreen Braschs Handy aus Versehen in der Waschmaschine baden ging, bekommt sie zu ihrer Verwunderung von Jochen Draxler ein neues Gerät geschenkt, damit er sie erreichen könne, so die Begründung des muffeligen Ermittlers. Das sind dann aber schon die einzigen besonderen Vorkommnisse in diesem ansonsten zwar nicht völlig missratenen, aber einmal mehr wenig überzeugenden Sonntagabend-Krimi aus Magdeburg.

Fazit

Eigentlich sind alle Voraussetzungen gegeben, die es braucht, um aus dem Magdeburger „Polizeiruf“ einen spannenden Krimi-Beitrag für den Sonntagabend zu schmieden. Mit Sylvester Groth ist ein charismatischer Schauspieler an Bord, dessen Präsenz allein die halbe Miete ausmachen könnte. Claudia Michelsen und Felix Vörtler, der den Kriminalrat Uwe Lemp spielt, sind zwei weitere gestandene  Schauspieler und die Stadt Magdeburg ist eine verhältnismäßig unverbrauchte Kulisse, die frischen Wind in die Reihe bringen könnte. Doch leider greifen die einzelnen Puzzleteile nicht ineinander und der unterforderte Sylvester Groth wirkt wie ein Fremdkörper in einem Ermittler-Team, das sich gegenseitig ständig in die Pfanne zu hauen versucht. Dass Claudia Michelsen außer dem ständigen Zusammenkneifen ihrer Lippen und einem bösem Blick ihrer Kommissarin nichts Substanzielles zu entlocken vermag, macht die Sache auch nicht besser.

Immerhin stand gestern der Fall im Vordergrund und die Scharmützel innerhalb des Ermittler-Teams liefen auf Sparflamme. Daher ist der „Polizeiruf 110: Eine mörderische Idee“ auch der bislang beste Magdeburger Beitrag aus der Reihe geworden. Leider heißt das nicht, dass der Krimi an sich besonders gelungen war. Die Ermittlungen verliefen zäh und altbacken und das Thema Cyber-Kriminalität wurde schön klischeehaft mit asiatischem Computer-Spezialisten und bösen Computer-Chips abgearbeitet. Auch beim leicht reißerischen Finale um Leben und Tod kam statt Spannung leider hauptsächlich Hektik auf. Bleibt also nur die Hoffnung auf Besserung, denn Potential ist definitiv vorhanden.

Noch bis zum  18. November 2014 könnt ihr den „Polizeiruf“ bei der ARD in der Mediathek ab 20 Uhr ansehen. Hier ist der Link zu „Polizeiruf 110: Eine mörderische Idee“.

Polizeiruf 110: Eine mörderische Idee - Trailer deutsch.

 

 

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