Polizeiruf Kritik: Hexenjagd mit Handbremse in Brandenburg

Marek Bang

Zum vorletzten Mal ermittelt der gemütliche Horst Krause in der brandenburgischen Provinz. Ob wir dem Polizeihauptmeister und seiner Chefin Maria Simon eine Träne nachweinen müssen oder nicht erfahrt ihr in unserer Kritik zum gestrigen Krimi-Abend im Ersten. Hier kommt die „Polizeiruf 110“-Kritik von GIGA FILM. 

„Polizeiruf“-Kritik: Hexenjagd

Story

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Alle aktuellen Polizeiruf 110-Kommissare im Überblick

In seinem vorletzten Fall im „Polizeiruf 110“ bekommt es Polizeihauptmeister Horst Krause (Horst Krause) mit einem Bombenanschlag an einer Schule zu tun und trifft dabei selbst auf eine alte Freundin aus der eigenen Schulzeit. Die heißt Anna Krems (Hildegard Schroedter), arbeitet als Sekretärin und ist schockiert über die Explosion, die der Referendarin Josephine Mayfeld (Kim Schnitzler) beinahe das Leben gekostet hätte. Doch die mit ihren Schülern deutlich überforderte junge Frau war allem Anschein nach nur zur falschen Zeit am falschen Ort, denn der Anschlag galt ihrer Chefin, der unterkühlten Schulleiterin Bärbel Strasser (Corinna Kirchhoff).

Kommissarin Olga Lenski (Maria Simon) erfährt, dass die Abschlussprüfungen der zehnten Klassen kurz bevorstehen und es eine ganze Reihe an Schülern gibt, die bei den wichtigen Tests durchzufallen drohen. Haben sich etwa Tobias Lubkoll (Ludwig Simon) und Ben Wieland (Anselm Bresgott) aus der 10B als Bombenbastler versucht, um etwas mehr Zeit für die Prüfungsvorbereitungen herauszuschinden? Den beiden jungen Männern steht zensurentechnisch das Wasser bis zum Hals und ihre Alibis sind mehr als löchrig. Doch auch der frustrierte Chemielehrer Rainer Zerbe (Rainer Sellien) verzettelt sich in widersprüchlichen Aussagen und erweitert durch sein nervöses Verhalten die Figurenpalette der Verdächtigen im gestrigen Brandenburg-Krimi, der diesmal vor der Kulisse des malerischen Scharmützelsees angesiedelt ist.

Ermittler

Polizist Horst Krause scheppert schon seit 1998 mit seinem Motorrad durch die brandenburgische Provinz. Stets wird er von einem Schäferhund begleitet, der im Beiwagen neben dem gemütlichen Polizei-Hauptmeister Platz nimmt, gelegentlich aber auf Grund seiner Position als Polizeihund auch bissig sein kann, wie wir seit der gestrigen Episode „Hexenjagd“ wissen. Im kommenden Jahr geht der beleibte Herr dann in den wohlverdienten Ruhestand und Horst Krause wird sich im Sommer 2015 mit einem letzten „Polizeiruf 110“ an der Seite seiner seit 2011 in Brandenburg ermittelnden Vorgesetzten Olga Lenski vom Publikum verabschieden.

Die forsche und im Gegensatz zu ihrem Kollegen eher weltoffene Olga Lenski wird uns erhalten bleiben und in Zukunft an der Seite eines polnischen Ermittlers in der brandenburgischen Grenzregion zu unserem Nachbarland eine Kooperation eingehen. Obwohl Olga Lenski schon viel von der Welt gesehen hat, ist sie mit ihrer Heimat tief verwurzelt und ließ sich deshalb wieder an die Spree versetzten. Sie ist eine junge Mutter mit ungeklärtem Verhältnis zum Kindsvater und Besitzerin eines US-amerikanischen Wohnwagens, in dem sie selbst regelmäßig übernachtet. Ein endgültiges Heim in ihrer Heimat muss sie sich also noch suchen, ab 2015 dann ohne Unterstützung des alten Hasen Horst Krause.

Besondere Vorkommnisse

Die ARD verjüngt ihre Flaggschiffe der sonntäglichen Krimi-Unterhaltung an allen Ecken und Enden und so hat es nach dem Aus für die Berliner „Tatort“-Ermittler Ritter und Stark sowie deren Leipziger Kollegen Saalfeld und Keppler nun auch den brandenburger Brummbären Horst Krause erwischt. Doch während einige Abschiede eher überraschend kamen, war mit dessen baldigen Pensionierung zu rechnen, schließlich ist der gute Mann schon beachtliche 73 Jahre alt, was ihm aber auch in der gestrigen Folge „Hexenjagd“ keineswegs anzusehen ist. In einigen Komödien-Specials wie „Krauses Kur“ wird der Schauspieler aber noch in seine Rolle des sympathischen Polizisten schlüpfen.

Neben dem baldigen Abschied von Horst Krause und Florian Foests feiner Kamera-Arbeit, hat der „Polizeiruf 110: Hexenjagd“ kaum weitere besondere Vorkommnisse zu bieten und plätschert im eher gemütlichen Vorabend-Programm-Tempo vor sich hin und kann im Gegensatz zur Episode „Vor aller Augen“ auch nicht mit einem prominenten Nebendarsteller wie Otto Sander dienen. Stattdessen bekommen wir es leider nur mit einigen arg schablonenhaft gezeichneten Schülern zu tun, deren rebellisches Verhalten sich vor allem auf das Wörtchen Fuck beschränkt.

Fazit

Den sympathischen Horst Krause zu kritisieren macht keinen Spaß und auch Maria Simon ist schauspielerisch alles andere als ein Totalausfall. Dennoch dürfen den brillanten Berliner Kommissaren Ritter und Stark mehr Abschiedstränen hinterher geweint werden als dem ständig salutierenden Dorfpolizisten Krause. Die gestrige „Polizeiruf 110“-Episode „Hexenjagd“ funktioniert ganz gut als Beispiel für die eher lauen Fälle von Lenski und Krause. Schöne Landschaftsbilder sind vorhanden, eine wirklich spannende Story aber sucht der geneigte Krimi-Fan leider vergebens und auch der ein oder andere gebranderburgerte Satz der jungen Kommissarin wirkt leider eher gewollt als authentisch.

Der „Polizeiruf 110: Hexenjagd“ ist nicht mehr und auch nicht weniger als ein solider Kriminalfilm mit Schwächen, der leider durch seine eher abstruse Auflösung unter dem Strich mehr in Richtung ausreichend als befriedigend schielt, um mal die im Film viel gefürchteten Abschluss-Noten zu bemühen. Dank des knuffigen Polizisten Krause, einem schön platzierten einsamen Wolf in der brandenburgischen Leere und natürlich dem mittlerweile bissigen Beiwagen-Hund reicht es aber noch gerade so für eine Drei Minus.

Noch bis zum 21. Dezember 2014 könnt ihr den „Polizeiruf 110:Hexenjagd“ bei der ARD in der Mediathek ab 20 Uhr ansehen. Hier ist ein Überblick über alle aktuellen „Polizeiruf 110“-Kommissare.

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