Polizeiruf Kritik: Ikarus & Horst Krauses bräsiger Abschied aus Brandenburg

Marek Bang

Nach 26 Einsätzen in der Brandenburger Provinz geht der Gemütsmensch Horst Krause in Rente und nimmt noch ein letztes Mal auf dem Sattel seines Motorrads mit Hund im Beiwagen Platz. Ob die gestrige Abschieds-Folge „Ikarus“ überzeugen konnte, erfahrt ihr bei uns! Hier kommt die „Polizeiruf 110“-Kritik zur Episode „Ikarus“ von GIGA FILM. 

Polizeiruf Kritik: Ikarus & Horst Krauses bräsiger Abschied aus Brandenburg
Bildquelle: © ARD.

„Polizeiruf“-Kritik: Ikarus

Story vom „Polizeiruf 110: Ikarus“

In seinem letzten „Polizeiruf 110“-Einsatz in der beschaulich schönen Provinz Brandenburgs kommt das Unheil von oben. Daniel Reef, ein junger Kunstflieger, hängt schwer verletzt und in voller Flieger-Montur in einem Baum. Anscheinend ist er während des Fluges aus der Maschine gefallen. Kriminalhauptkommissarin Olga Lenski (Maria Simon) findet bald das zugehörige Flugzeug mitsamt einer weiteren Passagierin und einem Koffer mit 750000 Euro in Bar. Anjela Krol (Margarita Breitkreiz) ist zwar nur leicht verletzt, kann oder will sich an den Unfall aber partout nicht erinnern.

Für Polizeihauptmeister Horst Krause (Horst Krause) gerät sein letzter Einsatz recht emotional, zumal er den mittlerweile im Koma liegenden Daniel seit seiner Kindheit kennt und auch dessen Vater Martin Reef (Martin Feifel) zu seinem Bekanntenkreis gehört. Der Betreiber einer Solarmodul-Firma steht gewaltig unter Druck, da sein Unternehmen rote Zahlen schreibt und sein Kompagnon und einstiger Freund Peter Tender (Bernhard Schir) bereits drauf und dran ist, den gemeinsamen Traum vom Unternehmertum an dubiose Investoren zu verscherbeln. Hatte das Geld im Flugzeug also etwas mit dem Absturz des jungen Daniel zu tun?

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Alle aktuellen Polizeiruf 110-Kommissare im Überblick.

Ermittler vom „Polizeiruf 110: Ikarus“: Horst Krause als Wachtmeister Krause & Maria Simon als Olga Lenski 

Bereits seit 1998 tuckert Polizist Horst Krause samt Schäferhund auf seinem Motorrad durch die brandenburgische Provinz. Nun ist für den beleibten Gemütsmenschen die Zeit gekommen, seinen wohlverdienten Ruhestand anzutreten und sich von seiner Vorgesetzten Olga Lenski zu verabschieden. Mit der forschen und im Gegensatz zum eher bodenständigen Hort Krause weltoffeneren Kommissarin arbeitete der gemächliche Wachtmeister alter Schule erst seit 2011 zusammen, vorher hatte er wechselnde Vorgesetze und Partnerinnen vom rbb auf den markanten Leib geschrieben bekommen.

Olga Lenski wird uns allen erhalten bleiben und in Zukunft an der Seite eines polnischen Ermittlers in der brandenburgischen Grenzregion zu unserem Nachbarland eine Kooperation eingehen. Obwohl Olga Lenski schon viel von der Welt gesehen hat, ist sie mit ihrer Heimat tief verwurzelt und ließ sich deshalb wieder an die Spree versetzten. Sie ist eine junge Mutter mit ungeklärtem Verhältnis zum Kindsvater und Besitzerin eines US-amerikanischen Wohnwagens, in dem sie selbst regelmäßig übernachtet. Ein endgültiges Heim in ihrer Heimat muss sie sich also noch suchen, ab der kommenden Episode, die im Sommer diesen Jahres gedreht werden soll,  dann ohne Unterstützung des alten Hasen Horst Krause.

Besondere Vorkommnisse im „Polizeiruf 110: Ikarus“

Der Brandenburger „Polizeiruf 110“ war noch nie für besondere Vorkommnisse bekannt und auch die gestrige Abschiedsfolge „Ikarus“ macht dakeine Ausnahme. In einem Erzähltempo, dass sich anfühlt, wie ein Traktor, der einem genüsslich knatternd die Allee versperrt, mäandert der Krimi behäbig seinem Ende entgegen und auch die Tatsache, dass Herr Krause bald in Rente geht, spielt nur eine untergeordnete Rolle. Die 90 Minuten fühlen sich an wie drei Stunden und das so handlungsarme wie behäbige Fernsehspiel fordert dem Krimi-Fan eine ordentliche Portion Geduld ab. Es bleibt also abzuwarten, ob Hort Krauses Nachfolger etwas frischen Wind und Tempo in den Brandenburger Polizeiruf bringen wird, oder ob wir einfach gemütlich weiterschlafen können.

Fazit vom „Polizeiruf 110: Ikarus“

Im Moment verändert sich die sonntägliche Krimi-Welt beständig und viele mehr oder minder altgediente Ermittler nehmen ihren Hut oder sind von den entsprechenden Sendern der ARD gegangen worden. Dabei fielen die Abschiede in letzter Zeit unterschiedlich aus, mal mit einem lauten Knall wie bei der letzten Leipziger „Tatort“-Episode mit Keppler und Saalfeld, mal leise wie in Joachim Krols Abschiedsvorstellung vom Frankfurter „Tatort“.

Jedem, der schon einmal einen „Polizeiruf 110“ aus Brandenburg geschaut hat, dürfte bereits vor der Episode „Ikarus“ klar gewesen sein, dass nicht mit einem Spektakel zu rechnen ist und der Abschied von Wachtmeister Krause eher in der leisen Kategorie verankert sein würde. Doch der derartig nichtssagende und belanglose „Ikarus“ ist dann doch ein wenig zuviel des bräsigen Guten. Zu keiner Zeit findet sich in der schönen brandenburgischen Landschaft so etwas wie Spannung ein und auch die Geschichte wirkt nur wie ein blasses Abziehbild des ähnlichen Plots aus dem Basejumper-Milieu aus dem Dortmunder „Tatort“ vor einer Woche, der deutlich knackiger daher kam.

Auch für die Zukunft bleibt wenig Hoffnung, denn die von Maria Simon verkörperte Olga Lenski ist alles andere als ein Sympathieträger und wirkt mit ihrer forschen Art ziemlich anstrengend und bisweilen unnötig zickig, so dass sich die Freude auf weitere Fälle mit der Ermittlerin eher in Grenzen halten. Es wird also nicht einfach für Lucas Gregorowicz, der Horst Krause beerben wird.

Noch bis zum  17. März 2015 könnt ihr den „Polizeiruf110: Ikarus“ bei der ARD in der Mediathek ab 20 Uhr ansehen. Hier ist eine Liste aller aktueller „Polizeiruf 110“-Kommissare, ein „Tatort-Quiz“ haben wir auch für euch vorbereitet.

Polizeiruf 110: Ikarus - Trailer deutsch.

Welche sind eure Top-Serien 2014?

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