Polizeiruf Kritik: Smoke on the Water - Funny Games in München

Marek Bang

Nach dem Startschuss zu unserer „Tatort“-Reihe am vergangenen Montag haben gestern die Kollegen vom „Polizeiruf 110“ die Ermittlungen im Fernsehen übernommen und es ging gleich zur Sache. Mit „Smoke on the Water“ gelang der ARD ein packender Polit-Thriller. Hier kommt die erste „Polizeiruf 110“-Kritik von GIGA FILM. 

„Polizeiruf“-Kritik: Smoke on the Water

Story

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Alle aktuellen Polizeiruf 110-Kommissare im Überblick

In München wird eine junge Journalistin ermordet. Kommissar von Meuffels (Matthias Brandt) verhört den erfolglosen Musiker Mischa (Marek Harloff), der den Mord aus Eifersucht gesteht. Der Fall scheint damit geklärt, doch schnell wird klar, dass der verkrachte Mischa ein Alibi hat und somit nicht der Mörder sein kann. Als kurz darauf die Freundin der Toten (Judith Bohle) auftaucht, nimmt der Fall eine neue Wendung.

Die ermordete Journalistin Anne ten Hoff war brisanten Informationen über die Verbier-Werke auf der Spur, ein Unternehmen, dass ein neues Satelliten-Leitsystem für die Rüstungsindustrie entwickelt. Maßgeblich am Auftrag des Unternehmens beteiligt, ist der erfolgreiche EU-Politiker Dr. Joachim von Cadenbach (Ken Duken), den der Kommissar bereits seit längerem persönlich kennt. Ehe von Meuffels sich versieht, ist er inmitten einer brisanten Polit-Affäre gelandet und wird von falschen Polizisten entführt.

Ermittler

Kriminalhauptkommissar Hanns von Meuffels ermittelt seit 2011 in München. Anfangs stand ihm mit der Polizistin Anna Burnhauser (Anna Maria Mühe) noch eine Assistentin zur Seite, mittlerweile arbeitet der aus einer Adelsfamilie stammende Ermittler wieder alleine.

Hanns von Meuffels ist eigentlich ein Alt-68er Freigeist und dem ein oder anderen Genussmittel nicht abgeneigt, dennoch haben die vielen Jahre bei der Polizei einen gewissenhaften, akribisch arbeitenden Einzelkämpfer aus ihm gemacht. Als er sich in der Episode „Morgengrauen“ in die Leiterin einer Haftanstalt verliebt, seine Gefühlen jedoch nicht aussprechen kann, wird deutlich, dass der Kommissar im Grunde ein einsamer und schüchterner Mann ist.

Die bislang sieben „Polizeiruf 110“-Episoden mit Matthias Brandt sind allesamt recht komplexe Thriller, die auch nicht mit Härte sparen. So wurde sein zweiter Fall „Denn sie wissen nicht, was sie tun“ an einem Freitagabend um 22 Uhr ausgestrahlt und bislang nicht wiederholt. Zu drastisch waren den ARD-Verantwortlichen die Bilder eines Terroranschlags. Auch die gestrige Episode „Smoke on the Water“ sparte nicht mit expliziter Gewalt und lotete unter anderem durch ihre Brutalität die Grenzen des Samstagabend-Krimis ordentlich aus.

 

Polizeiruf 110: Smoke on the Water - Trailer deutsch.

„Polizeiruf“-Kritik: Smoke on the Water

Besondere Vorkommnisse

Nachdem in der vergangenen Woche mit dem exzentrischen „Tatort: Im Schmerz geboren“ ein fulminanter Gegenentwurf zum gewohnten Sonntagabend-Krimi über den Bildschirm lief, war klar, dass der gestrige „Polizeiruf 110“ wieder einen Gang zurückschalten würde. Doch Regisseur Dominik Graf liefert mit der Episode „Smoke on the Water“ ebenfalls keinen 08/15-Krimi ab. Während im „Tatort“ Sergio Leone und Quentin Tarantino zitiert wurden, erinnert das verstörende Finale des gestrigen „Polizeirufs“ an Michael Hanekes provokante Gewalt-Studie „Funny Games“. Dem Zuschauer wird einiges an Härte zugemutet und nicht nur Kommissar von Meuffels muss leiden.

Ständige Veränderungen der Erzählperspektive und visuell nicht klar untermalte Zeitsprünge zwingen zur Konzentration beim Zuschauen, sonst droht die komplexe Handlung völlig unverständlich zu werden. Das größte besondere Vorkommnis ist jedoch die Tatsache, dass sich hinter diesem „Polizeiruf“ ein harter und wendungsreicher Politthriller versteckt, der sich dem brisanten und hochaktuellen Thema Überwachungsstaat überzeugend und beklemmend nähert.

Fazit

„Polizeiruf 110: Smoke on the Water“ hebt sich deutlich von anderen Folgen der sonntäglichen Krimi-Reihe sowie dem artverwandten „Tatort“ ab. Im Gegensatz zum „Tatort: Im Schmerz geboren“ geht Regisseur Dominik Graf jedoch nicht so weit, einen Film abzuliefern, in dem der allbekannte Abspann der Reihe wie ein Fremdkörper nach 90 Minuten Film-Exzess wirkt. Auch der „Polizeiruf“ ist spektakulär geraten, bewegt sich jedoch immer noch im Rahmen des Formates, auch wenn er dessen Grenzen mitunter heftig angreift. Anders als bei der aktuellen Episode des „Tatort“ dient hier nämlich keine hanebüchene Story für eine filmische Spielerei. Vielmehr überzeugt das Szenario einer unumwindbaren Übermacht aus Wirtschaftskonzern und korrupter Politik.

Bei aller Härte, mit der dieser „Polizeiruf 110“ besonders zum Ende hin seine Zuschauer verstört, bleibt die Spannung durchgehend hoch und es gibt sogar Raum für einige typische von Meuffels-Momente. So zeigt der Kommissar der Freundin des Opfers seine zahlreichen Narben und lässt sich auch deren Blessuren mit einem Augenzwinkern erklären. Solche kleinen Augenblicke machen den Ermittler sympathisch und so darf mit Kommissar von Meuffels bis zum herben Finale mitgelitten werden. „“Polizeiruf 110: Smoke on the Water“ ist ein packender Verschwörungsthriller mit vielen falschen Fährten und ein herausragender Beitrag der Reihe, der gern wiederholt werden darf.

Noch bis zum 26. Oktober 2014 könnt ihr den „Polizeiruf“ bei der ARD in der Mediathek ab 20 Uhr ansehen. Hier ist der Link zu „Polizeiruf 110: Smoke on the Water“.

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