Reservoir Dogs

Martin Beck

„Reservoir Dogs“ ist das Regiedebüt von Quentin Tarantino, der hier aus dem Stand ein Hype-Monster los lies, das seine Jubelkritiken tatsächlich verdient hat. Auch satte 20 Jahre nach seiner Entstehung gilt der Film immer noch als smart, schockierend, stylish und verflucht witzig.

Ein Teil der Reputation des Films beruht auf seiner scheinbar heftigen Darstellung von Gewalt, was aber tatsächlich nur indirekt zutrifft. Was man bei „Reservoir Dogs“ NICHT sieht, wirkt stärker nach als das, was dann die Kamera präsentiert. Das beste Beispiel hierfür ist natürlich die legendäre Ohr-Szene, die am Anfang und am Ende gezeigt wird, doch gerade im heftigen Mittelteil, als das Ohr abgetrennt wird, die Kamera mal eben wegbewegt.

Die Erwartung des Publikums vs. die Gestaltung durch den Regisseur: Tarantino beweist sich hier als Meister seines Fachs, indem er so viel Chuzpe beweist, das Offensichtliche lediglich auf der Tonspur passieren zu lassen. Die grundlegende Handlung des Films ist nicht viel mehr als eine klassische „Bankraub, der schief gegangen ist“-Nummer, die eine Gruppe typischer Gangsterfiguren in einer Lagerhalle versammelt. Und dann die chronologische Ordnung zugunsten einer Flashback-Steppdecke aufdröselt. Die irgendwann schließlich zu einer cleveren Lösung finden.

Tarantino hat “Reservoir Dogs“ so überlegen im Griff, dass ihm gleich mehrere großartige Szenen gelingen. Die eröffnende Laberrunde, das bereits erwähnte Ohr-Geschnippel, der endlos kopierte Zeitlupen-Lauf der obercoolen Gangster oder die wunderbare Sequenz, in der Tim Roth auf dem Klo einige Polizisten trifft. „Reservoir Dogs“ ist der Inbegriff einer goldenen Visitenkarte und der nachhaltige Beweis für die filmische Überlegenheit Tarantinos – die selbstverständlich auch zahllose Nachahmer und eine drollige Pornoparodie namens „Rezervoir Doggs“ einschließt.

In den Hauptrollen bei “Reservoir Dogs“ spielen Harvey Keitel, Tim Roth, Chris Penn, Steve Buscemi, Lawrence Tierney, Michael Madsen und Edward Bunker.

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