Ricki - Wie Familie so ist Kritik: Meryl Streep schmettert Rock-Songs

Teresa Otto

Ricki - Wie Familie so ist - Trailer Deutsch.
Meryl Streep als Rockermutti. In der neuen Familien-Dramödie zeigt sich die Rekord-Oscar-Nominierte als Mutter, die ihre Kinder für die Musikkarriere im Stich gelassen hat und nun im hohen Alter versucht zu retten, was zu retten ist. Ob es ihr gelingt, erfahrt ihr in unserer Kritik.

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Das Beste gleich vorweg: Meryl Streep kann singen. Doch das wissen Musical-Fans bereits seit dem Feel-Good-Movie „Mamma Mia“ (2008). Für „Ricki and the Flash“ – so der Originaltitel des Films – hat sie extra Gitarre spielen gelernt, um die Rock-Songs mit ihrer gleichnamigen Band aus gestandenen Alt-Rockern um Rick Springfield selbst zu schmettern. Doch für Ricki – eigentlich Laura – war der Traum von der steilen Musikkarriere schnell vorbei. Im fortgeschrittenen Lebensalter blickt sie nun auf ihr Leben zurück: Familie mit drei Kindern im Stich gelassen; musikalischer Durchbruch bliebt aus; nerviger Job als Supermarkt-Kassiererin; kaum Geld um die Miete zu zahlen; laute Nachbarschaft; ein Bandkollege, der ihr immerzu Avancen macht; ein jünger werdendes Publikum, das ihre Musik nicht wertschätzt. Kurzum: Das Leben könnte besser sein.

Eines Tages ruft ihr Ex-Mann (Kevin Kline) bei ihr an, mit der Bitte, dass sie für einen Besuch heimkehrt. Ihre Tochter Julie (Mamie Gummer ist wirklich Meryl Streeps Tochter!) wurde von ihrem Mann verlassen und ist in katatonische Depression verfallen. Ricki wittert ihre Chance endlich etwas Gutes für ihre Familie zu tun und kratzt das letzte Geld für ein Ticket nach Indianapolis zusammen. Doch die Familie scheint ihr nicht wohl gesonnen. Zu Recht, möchte man meinen.

Was folgt, gleicht mehr dem verkrampften Versuch gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Verschenktes Potenzial zeigt sich vor allem in der äußerst lieblosen Charakter-Führung von Diablo Cody, von der man eigentlich nach „Juno“ und „Young Adult“ besser aufgearbeitete dysfunktionale Familiengeschichten gewohnt war. Die Story von Ricki ist Codys Stiefmutter nachempfunden, die selbst als Bar-Rockerin auftritt. Hier wird sich jedoch fremd geschämt was das Zeug hält, die Reaktionen aller Beteiligten folgen mehr einem klaren Hollywood Schema und es setzt sich einfach nicht das Gefühl ein, dass die Familie dafür kämpft, eine Familie zu sein. Ob dies nun daran liegt, dass die Kinder – geschweige denn die Zuschauer! – wirklich gar keinen Deut Interesse für das Leben ihrer Mutter haben, oder ob Jonathan Demme nach seinem letzten Indie-Hit „Rachels Hochzeit“ immer noch versucht zu alter „Das Schweigen der Lämmer“-Klasse anzuknüpfen, man weiß es nicht genau. Hinzu kommen neu aufgewärmte Gefühle der beiden großen Namen Meryl Streep und Kevin Kline – allerdings wirken diese eher in die Story gezwungen, als wirklich in sich stimmig zu sein.

Was bleibt ist eine nicht enden wollende Collage von Rock-Songs, geschmettert von Meryl Streep. Immerhin werden diese in voller Länge ausgespielt – getreu dem Motto: Wenn die Story schon nicht mehr hergibt, dann zeigen wir wenigstens Meryls neu erlernte Gitarrenskills. Der Soundtrack weiß zu überzeugen, spielt die Band trotz ihres Alters mit viel Inbrunst und Herz. Die Chemie zwischen Meryl und ihrem Bandkollegen Rick Springfield passt überraschend gut und so konnte er mit einer soliden Leistung in dem sonst eher faden Schauspielerensemble mit Kevin Kline, Mamie Gummer und Captain Americas Best Buddy „Bucky“ Sebastian Stan von sich überzeugen. Speziell die Trennungsgeschichte von Tochter Julie (Mamie Gummer) wirkt sehr konstruiert und farblos. Gummer versucht zwar in die schauspielerischen Fußstapfen ihrer Mutter zu treten, doch verschenkt der Verlauf der Geschichte an mehreren Stellen den nötigen Raum dafür. Nix halbes und nix ganzes eben. Die monotone, deutsche Synchronisation tut da ihr Übriges. Schade auch, dass man Audra McDonald nicht für ein musikalisches Duett mit Meryl bewegen konnte, konnte sie doch bereits mehrfach für ihr Gesangstalent Preise gewinnen.

Fazit: Ricki war da – The Flash ist leider ausgeblieben. Wer bereits den Trailer gesehen hat, kennt die Story. Es wird zwar mächtig auf die Tränendrüse gedrückt, aber das hilft leider nicht, wenn einen die farb- und lieblosen Charaktere nicht mitreißen. Lediglich die Rockband von Meryl Streep weiß mit starken Auftritten zu überzeugen. Allerdings reicht auch das Anhören des Soundtracks und ihr habt die Gewissheit: Meryl hätte auch eine Rockerin werden können.

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