San Andreas - Filmkritik

Philipp Schleinig 2

SAN ANDREAS Trailer Deutrsch German & Kritik Review | Dwayne Johnson 2015 [HD].
Wenn Dwayne Johnson auf der Kinoleinwand zu sehen ist, dann steht Krawall im Vordergrund. Der Herr ist nämlich nicht gerade für seine dramaturgischen Charakterrollen bekannt. Dafür darf er in „San Andreas“ ausleben, wofür er gemacht ist. Erfahrt in unserer Filmkritik zu „San Andreas“, ob der Film taugt.

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„San Andreas“ - Filmkritik

Eine junge, hübsche Dame rast über eine enge Bergstraße. Ihr Fokus liegt selten auf der Straße, sondern eher beim Handy. Der Abgrund, der sich an ihrer Fahrbahnseite auftut, beeindruckt. Die Filmerfahrung, die zum Zusammenzählen dieser Faktoren und der damit verbundenen Schlussfolgerung der unmittelbaren Ereignisse notwendig ist, kann noch so minimal sein – das Gedankenspiel wird zur Realität und die Dame hängt wenige Minuten später in jener Spalte.

Die Eröffnungssequenz von „San Andreas“ dient lediglich dazu, seinen Helden zu präsentieren, auch wenn die ersten Bilder bezeichnend für die weiteren Filmminuten sind. Abgründe wird es nicht nur auf der Leinwände genügend geben, sondern, wenn man denn will, auch in der Logik-Abteilung des eigenen Gehirns. Denn: „San Andreas“ ist ein Katastrophenfilm, der zwar sämtliche – und Beispiele werden folgen – Genre-Klischees erfüllt, aber nirgendwo anders hingehört als ins Kino.

Der Katastrophenfilm erfreut sich über Jahrzehnte hinweg einer nicht kleiner werdenden Beliebtheit, die wohl auch daraus resultiert, dass wir mit Genre-Beiträgen nicht reizüberflutend, sondern wohl portioniert versorgt werden. Nach Hochphasen in den 1970er Jahren und um die Jahrtausendwende herum war es in den letzten Jahren wieder etwas still geworden. „San Andreas“ belebt das Genre einmal mehr und weiß dabei auf die Stärken eines Katastrophenfilms zu setzen.

Die Befriedigung der eigenen Katastrophenphantasie

Wer in „San Andreas“ ernstzunehmende Abhandlungen, stichfeste Dialoge und nachvollziehbare Charakterwandlungen erwartet, der hat das Prinzip eines Katastrophenfilms nicht verstanden. Es ist die Zerstörung, die im Fokus liegt und es ist die Zerstörung ganz allein. Das Chaos, das Zusammenbrechen der Zivilisation, das mögliche Ende der Welt – es sind diese Vorstellungen, die allein im Kino etabliert werden können, ohne dass wir beginnen müssen, über mögliche Folgen nachzudenken. Die Perversion der absoluten Zerstörung darf sich im Kino frei entfalten und dem steht „San Andreas“ in nichts nach.

Dwayne Johnson fungiert dabei als der neue/alte Archetyp, dessen Erscheinungsbild zwar mächtig, aber dessen Charaktereigenschaften der Sympathie-Schablone entnommen sind: Familienvater, der sich konstant für einen Fehler in der Vergangenheit selbst bestraft, Rettungshubschrauber, der das Wohl der anderen über das eigene stellt und liebender (Ex-)Ehemann, der selbst im Angesicht seines Kontrahenten nur die wärmsten Worte übrig hat. Aber er besitzt auch das Durchhaltevermögen und die Kraft, die der Held in diesem Szenario braucht.

Zuschauer, die das Schema F an einem Film ankreiden, werden mit „San Andreas“ bei Weitem nicht glücklich werden. So wird eigentlich jedes Klischee, welches der (US-)Katastrophenfilm in den ganzen Jahren hervorgebracht hat, bedient: Romantische Wandlungen an den unmöglichsten Orten, die Läuterung der ungehorsamen Bevölkerung, die Ohnmacht der Staatsgewalt und die Chance der unscheinbarsten Person, zum Helden zu werden. Auch auf der Bildebene sind Einstellungen zu finden, die eine Mash-up-Version von „San Andreas“ mit anderen Katastrophenfilmen geradezu herausfordern.

Doch wer sagt, dass das Kino nicht auch der Stumpfsinnigkeit frönen darf? Wer möchte dagegen angehen, dass die Lüste der Masse im Lichtspielhaus befriedigt werden? Wenn es so etwas gibt, wie den Ausdruck „Popcorn-Kino“, dann dürfte er in diesem Monat nach „Mad Max: Fury Road“ wohl am ehesten auf „San Andreas“ passen. Es knallt, es bebt, es raucht – es geht kaputt, was der Mensch geschaffen hat. Der offensichtliche Verweis auf den immerwährenden Kampf zwischen Mensch und Natur braucht gar nicht thematisiert werden, ist es doch seit jeher der Ausgangspunkt eines jeden Katastrophenfilms.

Und so besteht in „San Andreas“ die Faszination am Untergang. Niemand ist betroffen, niemand kommt wirklich zu Schaden – es bleibt die Freude am Zerstörungsspektakel. Und wer in diesen Tagen ins Kino geht, um sich diesen Film anzuschauen, der darf jene Freude mit gutem Gewissen zum Ausdruck bringen.

Fazit

Am Ende von „San Andreas“ bleibt somit ein Bild, welches der Kriegsfilm und der Katastrophenfilm, die nicht selten Hand in Hand gehen, als ikonische Komposition über Jahre hinweg als Aushängeschild genutzt haben: die zerfledderte, aber dennoch wehende US-Flagge vor einem zerstörten, aber dennoch Hoffnung erweckenden Hintergrund. Was zur Überspitzung der eh schon klischeehaften Szenerie noch fehlt, ist die Nationalhymne der USA. Nichts Minderes hätte „San Andreas“ verdient, denn der Film ist oberflächlich, aber irgendwie auch star-spangled spektakulär.

 

6,5/10

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