Schindlers Liste

Martin Beck

„Schindlers Liste“ hat eigentlich alle Zutaten für eine filmische Katastrophe: einen großen Hollywood-Regisseur (=Steven Spielberg), der auf einmal seine Ader für ernste Themen entdeckt, eine von Amis aufbereitete Holocaust-Geschichte, als zentrale Figur einen nahezu heiligen Gutmenschen, finstere Nazi-Monster, Schwarz/Weiß-Bilder und ein Happy End.

Dass „Schindlers Liste“ trotz allem ein großartiger Film geworden ist, kann man eigentlich nur vollständig begreifen, wenn man ihn gesehen hat. Denn Steven Spielberg schafft eine dermaßen dichte, beklemmende Atmosphäre, die die allgegenwärtige Bedrohung im Nazi-Regime geradezu spürbar macht. Kaum ein Film zuvor hat die Greuel des Holocaust so auf den Punkt gebracht. Sei es nun die Duschszene oder die unvergessliche Sequenz mit dem Farbtupfer, „Schindlers Liste“ ist eines der intensivsten Kinoerlebnisse, das man überhaupt haben kann.

Und dann natürlich die Schauspieler: Oskar Schindler, der Retter von über 1000 Juden, wird gespielt von Liam Neeson – der am Ende tatsächlich einen Tick zu sehr aufträgt, doch über weite Strecken eine perfekte Kombination aus Sympathie und Zurückhaltung verkörpert. Ihm gegenüber steht Ralph Fiennes als Amon Göth, ein hochrangiger Nazi, der als einer der erschreckendsten, weil unberechenbarsten Bösewichter der Filmgeschichte gilt. Der Mann ist die Personifizierung des Bösen…getragen von absoluter Macht und völliger Kontrolle über sein Umfeld.

„Schindlers Liste“ ist einer von den Filmen, die man nie vergisst und trotzdem nur widerwillig ein zweites Mal sehen möchte. Die Bilder von Janusz Kaminski brennen sich ein, die Musik von John Williams erzeugt immer wieder emotionale Höhepunkte, die Schauspieler, in ihren Rollen reduziert auf das blanke Überleben, schaffen unvergessliche Momente. Und dennoch, am Ende des Films möchte man erst einmal duschen. Selten zuvor und danach wurde das Thema Holocaust so eindringlich umgesetzt wie hier.

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