Lasst der Fantasy freien Lauf. Das scheint das im Zuge des „Game of Thrones“-Hype eilig erlassene Gebot der US-Fernsehanstalten zu sein. Die Frequenz mit welcher uns derzeit TV-Adaptionen von erfolgreichen Fantasy-Jugendbüchern erreichen, ist bemerkenswert. Erst vergangene Woche zauberte uns MTV mit den „Shannara-Chronicles“ die aufwendig produzierte Teenager-Version des Herrn der Ringe nach den Büchern von Terry Brooks auf den Bildschirm. Und sorgte damit nicht nur bei uns für ziemlich verhaltene Reaktionen. Auf den Teenie-Tolkien folgt nun die fabelhafte Unterwelt der urbanen Großstadtkinder. „Shadowhunters“ heißt die von Netflix angebotene Verfilmung der populären Romanreihe „Chroniken der Unterwelt“ von Cassandra Clare.

 

Shadowhunters: Story, Besetzung & alle Infos zur Fantasy-Serie

Facts 

Elfen, Werwölfe, Vampire, Nymphen und Satyre – Buchautorin Cassandra Clare versammelt in ihren fröhlich sprudelnden Jugendromanen so ziemlich jedes im Genre bekannte Fabelwesen um eine konventionell erzählte Coming-of Age-Geschichte.  2007 traf die ehemalige Boulevard-Journalistin Clare damit den Zeitgeist. Der eklektische Mix aus „True Blood“, „Buffy“, „Underworld“, „Matrix“, Bravo-Lovestory und Fantasy-Basics fand schnell ein begeistertes Publikum. Ihr „City of Bones“ erreichte sogar Platz 8 der New York Times Best Seller-Liste. Dieser Tage Grund genug, den Stoff zu verfilmen. 2013 kam mit „Chroniken der Unterwelt - City of Bones“ (unter anderem mit Elyas M'Barek!) ein wohl eher überflüssiger Franchise-Versuch in die Kinos, der die Fans enttäuschte. Aus der Kino-Fortsetzung wurde nichts. Nun also der Versuch als Serie.

official-shadowhunters-teaser-trailer-1-hq-35438.mp4

Leider scheint beim Transfer vom Buch zur Serie irgendwie der Unterhaltungswert des urbanen Fantasy-Epos verloren gegangen zu sein. Die erste Folge Shadowhuntersbietet kaum überzeugende Argumente, sich dauerhaft in der New Yorker-Unterwelt aufzuhalten.

jace-wayland-shadowhunters

Grund dafür ist vor allem der erstaunlich blasse Cast der Serie. Nicht ein einziges Mitglied des hier versammelten Schauspieler-Ensembles konnte bei uns einen bleibenden Eindruck hinterlassen. „Shadowhunters“ lässt ein paar überaus attraktive Werbegesichter auf uns los, die scheinbar direkt aus einer Stock-Footage-Datenbank gecastet wurden. Hauptsache hübsch, lautet die Devise. Schauspielerisch manövriert sich die Serie damit allerdings an den Rand des Erträglichen.

Shadowhunters Kurzkritik: New York Tag & Nacht

Angesichts der Masse an jungen, hoch motivierten Talenten, die derzeit auf ihre Serien-Chance warten, verwundert dieser epische Casting-Fehlgriff dann aber schon sehr. Ein qualitativer Nachteil, den eine engagierte Hauptrolle im Laufe der ersten Staffel sicher noch kompensieren könnte, doch leider wirkt es derzeit so, als gehöre Katherine McNamara (spielt Clary Fray) zu den hilflosesten Akteuren. Zu allem Überfluss bietet die Serie im Gegensatz zu vielen anderen Projekten dieser Art kein einziges bekanntes Schauspieler-Gesicht, an das man sich in den besonders schlimmen Momenten festhalten könnte.

Nicht weniger bedauerlich ist die Tatsache, dass sich „Shadowhunters“ zu wirklich jeder Sekunde arg gekünstelt und gewollt anfühlt. Gewollt sexy, gewollt komisch,  gewöllt düster, gewollt jung und meine Fresse, gewollt hip!

Was die „Showrunner“ zum Beispiel unter einem vitalen New Yorker-Nachtleben verstehen, ist ungefähr so aufregend und authentisch wie „Berlin Tag & Nacht“.  Nicht nur für die Fans der Bücher dürfte dieses essentielle Problem ein kaum zu überwindendes Hindernis sein.

MATTHEW DADDARIO, DOMINIC SHERWOOD, KATHERINE MCNAMARA, ALBERTO ROSENDE, EMERAUDE TOUBIA
Hübsch sind sie ja ©ABC Family

Die allgemeine Fakeness, die auf der überaus schematisch aufbereiteten ersten Folge lastet, ist für die Zeugen von Joss Whedons brillanter Jugendmär „Buffy – Im Bann der Dämonen“ ein Schlag ins Gesicht. Der Vergleich sei mir aufgrund der thematischen Nähe der beiden Serien unbedingt gestattet. Im Gegensatz zu „Shadowhunters“  verstand sich Whedon nämlich in „Buffy“ prima darauf, das Fantasy-Milieu für die Zwecke einer gut erzählten Coming-of Age-Story zu bearbeiten. Liebe, Sex, Geschlecht, Freundschaft, Zukunftsängste und das Erwachsenwerden – „Buffy“ vermengte diese (und viele andere) Themen leichtfüßig und stets unterhaltsam mit den Archetypen und Klischees des Fantasy-Genres.

Shadowhunters“ lässt diese Eigenschaft bisher komplett vermissen. Alles ist reine Form, interessante Inhalte sucht man bisher vergebens. Zudem beherrscht die Serie auch diese besagte Fantasy-Form eher schlecht als recht. Die Schwerter der sexy Demon-Hunter sehen nach Winterschlussverkauf bei Toys`R`Us aus, die Effekte sind nur noch im Vergleich mit „Xena“ ganz gut und überhaupt scheint die Welt der „Shadowhunters“ eher der beschränkten Imagination eines Free-2-Play-Spiels aus Asien, denn der unterhaltsamen Buchvorlage zu gehorchen.

rating4

Wie gut kennst du Lucifer (Staffel 1&2)?

Du willst keine News rund um Technik, Games und Popkultur mehr verpassen? Keine aktuellen Tests und Guides? Dann folge uns auf Facebook (GIGA Tech, GIGA Games) oder Twitter (GIGA Tech, GIGA Games).