SIN CITY 2: A Dame to Kill For - Kritik

Philipp Schleinig 4

In unserer Filmkritik zu „Sin City 2: A Dame to Kill For“ erfahrt ihr, ob das jahrelange Warten auf den „Sin City“-Nachfolger gelohnt hat, wie sich der Film mit seiner Altersfreigabe schlägt und ob Sex wirklich immer die einzige Lösung ist.

"SIN CITY 2: A Dame to Kill For" Kritik & Trailer Deutsch German Review | Frank Miller [HD].
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2005 sorgte Regisseur Robert Rodriguez mit der Verfilmung von Frank Millers „Sin City“-Comic für Aufsehen. In einem FSK-18-Film verband er kompromisslose Gewalt und seichte Erotikeinlagen mit einer Ästhetik, die „Sin City“ über den Status eines sinnlosen Actionfilms hinaus stellte und uns glauben ließ, wir hätten etwas noch nie Dagewesenes gesehen. Satte neun Jahre später erreicht uns nun die – damals – langersehnte Fortsetzung, „Sin City 2: A Dame to Kill For“. Erneut soll der Zuschauer mit Gewalt, Erotik und Farbspielen unterhalten und durch minimalistische Handlung zu Begeisterungsstürmen gebracht werden. Eine Unternehmung, die grotesk fehlschlägt, weil sie eines verpasst hat: das Älterwerden.

Nein, wir – das ist die von „Sin City“-begeisterte, ehemalig-junge Generation – sind keine moralpredigenden, prüden Erwachsenen geworden, die angesichts nackter Brüste auf der Kinoleinwand erröten und über sinnlose Gewalt nur den Kopf schütteln können. Aber mit der Zeit sahen wir Filme, die sich wohl auch „Sin City“ zum Vorbild genommen haben und die eindrucksvoll-farbliche Bildkomposition kopierten, erweiterten, ausbauten. Wir haben unseren Filmhorizont erweitert, konsumierten über das scheinbar künstlerische Hollywood-Kino hinaus und wussten, dass das, was wir damals an „Sin City“ schätzten, auch unserem Alter geschuldet war. Neun Jahre später sollte nun von „Sin City 2“ eine ähnliche Reifung – nicht: Reife! – zu erwarten sein.

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Sex sells, but Sex does not rule.

Robert Rodriguez scheint aber gerade aus einer Marketingschulung gekommen zu sein, die eines einbläut: Sex sells. Das ist keine Überraschung, so funktioniert das Internet (und viele andere Aspekte des Lebens) täglich. Was allerdings kaum mehr funktioniert, ist die Inhaltsleere, die von nackten Torsos und gespreizten Beinen übertüncht werden soll. Da brilliert nicht die Erotik, sondern stumpft bloßer Porno ab. Es ist von „Sin City 2“ keine übertriebene Stilisierung im Namen der künstlerischen Darstellung gefordert, aber eine sinnhafte Verwendung von, sei es, nackten Brüsten darf doch wohl zu erwarten sein. Hier beschwert sich niemand über die von Eva Greens Charakter ausgestellte Nacktheit. Aber wenn ihre Figur lediglich zwischen der Arbeit auf dem Rücken und der Präsentation ihres Oberkörpers hin- und herwechselt, dann entsteht nicht der Eindruck eines Kinofilms, sondern der parodistische Version aus dem Hause Hustler.

Dahinter steckt ein noch größeres Problem, welchem „Sin City 2“ aufliegt: wo bleibt die Handlung? Stumpfsinnige, abgedroschene Versatzstücke mit Null Motivation, die lediglich als Vehikel für Gewalt- und Sexorgien dienen, bilden keinen Film. Lediglich die Episode „The Long Bad Night“, in welcher Joseph Gordon-Levitts Johnny dem mächtigsten Mann in Sin City, Senator Roark (Powers Boothe), eins auswischen will, lässt alten Charme und neue Ideen verspüren. Johnny verzichtet nämlich auf Waffengewalt und beginnt ein psychologisches Spiel mit dem Senator. Diese Geschichte zielt auf ein größeres Ganzes, scheint nach den anderen Episoden greifen zu wollen, um sie sinnhaft miteinander zu verbinden, nur um im Anschluss an der Episode „Nancy’s Last Dance“ zu verzweifeln. Darin gelingt der Figur von Nancy (Jessica Alba) zwar der geschmackvollere Einsatz der Erotik, verblasst aber angesichts einer fragwürdigen Handlungsdarstellung. Nie war Rache langweiliger.

Denn „Sin City 2“ ist weder schonungslos, noch grausam. An Gewalt, Blut und abgetrennten Körperteilen mangelt es zu keiner Sekunde. Aber nichts davon verschreckt, nichts davon lässt einem den Atem stocken. Damit sind nicht brutale Exzesse gemeint, denn diese gibt es, wie gesagt, zu Hauf. Grausam war in „Sin City“ die Verbindung aus Gewalt und Sinn, aus Blut und Wirkung, der Grund, warum Marv (Mickey Rourke) einst Kevin (Elijah Wood) an dessen Wolf verfütterte. In „Sin City 2“ reihen sich brutale Sequenzen aneinander, um vor allem brutal zu sein. Der Film erzwingt seine erneute FSK-18-Freigabe und die Begeisterung jugendlicher Massen mit aller Macht. Dabei hätte „Sin City 2“ das eigens begründete Konzept ausbauen und der Comic-Reihe eine weitere, denkwürdige Verfilmung bescheren können. Diese Chance verpasst der Film bei Weitem.

Fazit:

„Sin City 2“ ist ein langweiliger Film, der weder überzeugen, noch fesseln, noch an seinen Vorgänger anknüpfen kann. Erotik ist dem Porno gewichen, Grausamkeit der Stumpfsinnigkeit. Damit ist der Film das Sequel, welches 2007, also zwei Jahre nach „Sin City“ vielleicht noch ein würdiger Nachfolger gewesen wäre. Neun Jahre später hinkt „Sin City 2“ allerdings seinen Jahren hinterher.

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