Ennio Morricone - Seine 10 besten Soundtracks

Marek Bang 7

Ennio Morricone ist zweifelsfrei einer der größten Komponisten von Filmmusik, der jemals einen Taktstock geschwungen hat. Auch in hohem Alter ist der Maestro noch aktiv, wie sein Score zu Quentin Tarantinos „The Hateful Eight“ aktuell beweist. Höchste Zeit also, einen näheren Blick auf den Schöpfer von Soundtracks zu Klassikern wie „Spiel mir das Lied vom Tod“ zu werfen.  Hier kommt unsere Top 10 der besten Ennio Morricone-Soundtracks von GIGA Film!

Ennio Morricone - Seine 10 besten Soundtracks

Er ist mittlerweile weit über 80 Jahre alt und steht immer noch als Dirigent auf den Bühnen dieser Welt. Ennio Morricone komponierte in seiner langen Karriere mehr als 500 Soundtracks und schuf Klassiker für die Ewigkeit. Natürlich ist seine Filmmusik untrennbar mit dem Italowestern und dem Werk des großen Regisseurs Sergio Leone verbunden und so finden selbstverständlich auch seine Melodien zu Filmen wie „Für eine Handvoll Dollar“ und  „Spiel mir das Lied vom Tod“ ihren Weg in unsere Top 10-Liste. Wer sich das neuste Werk des Meisters anhören möchte, der kann im Trailer zu Quentin Tarantinos  „The Hateful Eight“ einen ersten Eindruck gewinnen.

Die besten Soundtracks von Ennio Morricone

The Hateful Eight - Trailer Deutsch.

Wie kaum ein Zweiter hat Ennio Morricone seit den 1960er Jahren die Filmmusik geprägt und maßgeblich dazu beigetragen, den Soundtrack als Kunstform zu etablieren und in den Charts dieser Welt zu platzieren. Dabei hat der Maestro oft ungewohnte und neue Pfade betreten und der Filmwelt seltene Instrumente, wie beispielsweise eine Maultrommel näher gebracht. Auch sein Einfluss auf die zeitgenössische Popmusik ist nicht zu unterschätzen. Die Hardrocker von Metallica eröffneten beispielsweise zahlreiche ihrer Konzerte mit Morricones Komposition „The Ecstasy of Gold“, zu hören auf ihrem Live-Album „S&M“.

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„Mission“ (1986, Regie: Roland Joffé) – Platz 10

1986 war der gebürtige Römer Ennio Morricone längst in Hollywood angekommen und steuerte einen elegischen Soundtrack zu Roland Joffés epischem Hostoriendrama „Mission“ bei. Dafür gewann der Komponist einen Golden Globe und wurde zum zweiten Mal nach seinem Score zu Terrence Malicks „In der Glut des Südens“ für einen Oscar nominiert, ging aber bei der Verleihung leer aus. Dennoch bleibt der Film aus heutiger Sicht vor allem dank Robert De Niros wie immer sehenswerter schauspielerischer Leistung in Erinnerung, aber auch wegen der exzellenten musikalischen Untermalung, bei der vor allem das von Jeremy Irons in seiner Rolle eines katholischen Paters vorgetragene Lied „Gabriels Oboe“ heraus sticht.

„Mission“ erzählt die Geschichte eines Sklavenhändlers (Robert De Niro) im südamerikanischen Urwald des Jahres 1750, der seinen Halbbruder getötet hat und sich daraufhin aus persönlicher Reue einem Jesuitenorden anschließt, um dort seine Schuld abzuarbeiten. Das bildgewaltige Drama gewann die Goldenen Palme von Cannes und erhielt eine Oscarnominierung als bester Film des Jahres 1987.

„Die Unbestechlichen“ (1987, Regie: Brian De Palma) Platz 9

Eine weitere Oscarnominierung heimste Ennio Morricone für seinen Soundtrack zu Brian De Palmas Thriller „Die Unbestechlichen“ ein. Erzählt wird die wahre Geschichte des Prohiobitionsagenten Eliot Ness (Kevin Costner), der es sich zur Lebensaufgabe gemacht hat, den legendären Gangsterboss Al Capone (Robert DeNiro) dingfest zu machen, selbst wenn er ihn nur wegen Steuerhinterziehung überführen kann. Gemeinsam mit dem Polizisten Malone (Sean Connery), dem Buchprüfer Oscar Wallace (Charles Martin Smith) und dem Polizeianwärter George Stone (Andy Garcia) bildet der Ermittler Ness bald eine verschworene Gemeinschaft, welche dem Titel des Films mehr als gerecht wird.

Die heroischen Unbestechlichen erhalten von Ennio Morricone eine würdevolle musikalische Untermalung mit einem feierlichen Theme, eingespielt mit großem Orchester und allem Brimborium an Streichern, Bläsern und Pauken, die ein großes Orchester so hergeben kann. Leider reichte es auch diesmal nicht für einen Oscar, dafür erhielt Sean Connery für „Die Unbestechlichen“ den einzigen Academy Award seiner Karriere.

„Es war einmal in Amerika“ (1984, Regie: Sergio Leone): Platz 8


Der Name Ennio Morricone  wird oft und gern in einem Atemzug mit Sergio Leone genannt, dem Meister des elegischen Kinos und der Zeitlupenaufnahme. Das ist natürlich nicht weiter verwunderlich, schließlich feierten beide Künstler einst gemeinsam ihren Durchbruch mit dem Italowestern „Für eine Handvoll Dollar“. Seitdem hat Morricone die Musik zu allen Leone-Filmen geschrieben und der italienische Regisseur nutzte die Kraft dieser ganz speziellen Soundtracks wie wenige andere Filmemacher ihrer Zeit und inspirierte auf diese Weise auch das Kino von Quentin Tarantino nachhaltig.

Natürlich sorgte Ennio Morricone auch für den Soundtrack des letzten Films des 1989 verstorbenen Meisterregisseurs und komponierte einen elegischen Score, der die epische, auf 251 Minuten entschleunigte Gangsterballade „Es war einmal in Amerika“ perfekt untermalt. Erzählt wird die Geschichte vom Aufstieg und Fall mehrerer Generationen einer Gangsterdynastie, die sich von den 1920er bis in die 1960er Jahre erstreckt. Im Kino seinerzeit völlig zu Unrecht gefloppt, lohnt eine Wiederentdeckung des Films mit Robert De Niro allemal, natürlich auch in diesem Fall zu einem großen Teil wegen des superben Soundtracks von Ennio Morricone.

„Sacco und Vanzetti“ (1970, Regie: Giuliano Montaldo) – Platz 7

Keine Liste ohne Geheimtipp und so richten wir nun unser Augenmerk auf einen italienischen Polit-Thriller, der hierzulande leider längst in Vergessenheit geraten ist. „Sacco und Vanzetti“ erzählt die wahre Geschichte der aus Italien in die USA eingewanderten Arbeiter Nicola Sacco und Bartolomeo Vanzetti, die als Mitglieder einer Arbeitergesellschaft zu Unrecht eines Mordes beschuldigt und schließlich 1927 in Massachusetts hingerichtet wurden. Damals führte der als politisch motiviert angesehene Prozess zu Massenprotesten und erst Jahrzehnte später wurden die beiden Männer von der US-amerikanischen Justiz rehabilitiert. In Giuliano Montaldos Biopic spielen Gian Maria Volonté und Riccardo Cucciolla die Rollen der beiden politischen Aktivisten, für den Soundtrack tat sich Ennio Morricone mit der berühmten Folk-Sängerin Joan Baez zusammen.

Obwohl den Film heute vielleicht nur noch einige wenige Fans des italienischen Polit-Kinos kennen, erfreuen sich die Popsongs aus „Sacco und Vanzetti“ immer noch einer gewissen Popularität. Das liegt zum einen daran, dass „Here`s to You“ für Joan Baez auch ein veritabler Hit wurde, zum anderen, dass die Grand Dame des Folk den Song bis heute regelmäßig in ihrem Live-Repertoire zum Besten gibt. Eine eher seltene Kollaboration Morricones und ein ebenso ungewöhnlicher Ausflug des Maestros in die Welt der Popmusik sorgt für ein weiteres Highlight in der nicht enden wollenden Karriere des nimmermüden Komponisten.

„Leichen pflastern seinen Weg“ (1968, Regie: Sergio Corbucci) – Platz 6

Auf dem Höhepunkt des kurzlebigen Italowestern-Genres entstand dieser abgrundtief pessimistische und düstere Schneewestern von „Django“-Regisseur Sergio Corbucci und bildete nicht nur den Glanzpunkt dessen Karriere, sondern auch einen Meilenstein des Westerns an sich. Der französische Schauspieler Jean-Louis Trintignant spielt einen stummen Revolverhelden, der  in „Leichen pflastern seinen Weg“  den leidenden Bewohnern einer kargen Bergregion zur Hilfe eilt, die aus Not zu Dieben wurden und nun schutzlos der Brutalität skrupelloser Kopfgeldjäger ausgesetzt sind.

Klaus Kinski liefert als vom Wahnsinn befallender Sadist Loco eine beängstigend intensive Vorstellung ab und Ennio Morricone versieht die Schauermär mit einer fein gezupften Melodie, die an eine der allgegenwärtigen Schneeflocken erinnert und damit einen kongenialen Kontrast zur immensen Härte des sehenswerten Films bildet.

 „Mein Name ist Nobody“ (1973, Regie: Tonino Valerii) – Platz 5

Als der Italowestern seinen Zenit überschritten hatte, wurden die europäischen Kinos von einer nicht enden wollenden Reihe an Komödien überschüttet. Der Speerspitze der Genreparodien bildete das Prügel-Duo Terence Hill und Bud Spencer, die mit Filmen wie „Vier Fäuste für ein Halleluja“ enorme Erfolge an den Kinokassen feiern konnten. 1973 entstand mit „Mein Name ist Nobody“ nach einer Idee von Genrepapst Sergio Leone eine weitaus subtilere und anspruchsvollere Westernkomödie, die neben einigen gelungenen Gags nicht nur als Parodie, sondern auch als wehmütiger Abgesang auf das Genre funktioniert.

Ennio Morricone greift den moderat leisen Humor des Films in seinem Soundtrack gekonnt auf und liefert unter anderem eine beschwingte Titelmelodie ab, die zu Terence Hill alias Nobody perfekt passt und die die Stimmung des gesamten Films wunderbar einfängt. Erzählt wird die Geschichte des jungen Revolverhelden Nobody, der sich mit seinem alternden Vorbild  Jack Beauregard (Henry Fonda) duellieren möchte, um diesem einen würdigen Abgang zu verschaffen. Einen Abgang machte in den Folgejahren dann das gesamte Genre des Italowestern, so dass sich Ennio Morricone mehr und mehr anderen Genres zuwenden musste.

„Der Profi“ (1981, Regie: Georges Lautner) – Platz 4

Lange nachdem Jean Paul Belmondo als Star der französischen Nouvelle Vague abgedankt hatte, machte er sich einen Namen als Held zahlreicher Actionfilme und Komödien, die meist auf den Geschmack eines Massenpublikums zugeschnitten waren. 1981 entstand mit dem Actionthriller „Der Profi“ ein Paradebeispiel für Belmondos lakonisch-draufgängerische Leinwandauftritte dieser Zeit und Ennio Morricone lieferte einen ikonischen Soundtrack, zu dem sich Bébel seinen Weg als Rächer durch Paris schoss. Das Titellied „Chi Mai“ wurde ein Charterfolg und wird bis heute von zahlreichen Künstlern unterschiedlichster Musikrichtungen gecovert.

Nachdem der französische Geheimagent Josselin Beaumont (Belmondo) von seiner eigenen Regierung fallen gelassen wurde, landet er in einem Arbeitslager und kehrt nach seinem Ausbruch in seine Heimat zurück, um seine alten Auftraggeber zur Rechenschaft zu ziehen. Was nach einer recht plumpem Geschichte klingt, inszenierte Regisseur Georges Lautner als melancholische Action-Ballade, zu deren Erfolg die musikalische Untermalung Morricones maßgeblich beitrug.

„Für eine Handvoll Dollar“ (1964, Regie: Sergio Leone) – Platz 3

Mit diesem Film und seiner gepfiffenen Melodie hat 1964 alles begonnen: Der klassische Hollywood-Western steckte mitten in der Krise und mit der Low-Budget Produktion „Für eine Handvoll Dollar“ entstand in Italien eine dreckige, ureigene Version des Genres, indem es keine Helden gab und die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwommen. Nicht nur Clint Eastwood, damals lediglich als Serien-Cowboy aus „Rawhide“ bekannt, feierte in diesem Remake von Akira Kurosawas „Yojimbo“ seinen Durchbruch, sondern auch Regisseur Sergio Leone und sein Komponist Ennio Morricone, der sich damals noch hinter dem Pseudonym Dan Savio versteckte.

Erzählt wird die Geschichte zweier untereinander verfeindeter Banden, die von einem Fremden gegeneinander ausgespielt werden. Viel stilbildender ist jedoch die Neuerfindung des Western-Helden als einsamer Söldner, der den bisherigen Moral-Kodex des Hollywood-Westerns hinter sich lässt. Auch in Punkto Filmgestaltung unterschied sich „Für eine Handvoll Dollar“ gewaltig von allen anderen bislang bekannten Western, was an den extremen Nahaufnahmen lag, aber auch an einem Soundtrack, der mit Peitschenknallen und E-Gitarren völlig anders klang als die elegischen Scores aus Hollywood.

 

„Zwei glorreiche Halunken“ (1966, Regie: Sergio Leone) – Platz 2

Mit diesem fast dreistündigen Epos beendete  Sergio Leone seine „Dollar-Trilogie“ mit Clint Eastwood und schuf einen Meilenstein des oft als Spaghetti-Western belächelten Genres. Im Mittelpunkt steht der Streit dreier Revolverhelden um einen Goldschatz, doch es ist nicht zwingend die Story von „Zwei glorreiche Halunken“, die den Film bis heute so einzigartig macht. Leones zeitlupenhafte Inszenierung, die nicht enden wollenden Nahaufnahmen von zusammengekniffenen Augen und nicht zuletzt der mitreißende Soundtrack sind die wahren Höhepunkte dieser an Höhepunkten nicht gerade armen Western-Oper.

Quentin Tarantino bezeichnete „Zwei glorreiche Halunken“ oft als einen seiner Lieblingsfilme und zitierte schließlich nicht nur dessen Ästhetik in  „Django Unchained“, sondern verwob auch einige neue und alte Stücke von Ennio Morricone in seinem eigenen, gut vierzig Jahre später entstandenen Genrebeitrag.

„Spiel mir das Lied vom Tod“ (1968, Regie: Sergio Leone) – Platz 1

Die ultimative Western-Oper schlechthin mit dem ultimativsten aller Soundtracks:  „Spiel mir das Lied vom Tod“ ist zugleich Höhe- und Schlusspunkt des Genres und eine Legende besagt, dass zunächst verschiedene Melodien für die Protagonisten wie  Charles Bronson oder Henry Fonda entstanden, bevor Regisseur Sergio Leone dann seine Charaktere um ihre Erkennungsmelodien herum inszenierte. Das sagt schon alles über den Stellenwert von Ennio Morricones Musik in Sergio Leones Filmen und so ist der Soundtrack bis heute in keinster Weise weniger ein Klassiker als der gesamte Film an sich.

Charles Bronson ersetzt Clint Eastwood in der Rolle des schweigsamen Revolverhelden und Claudia Cardinale spielt die Witwe eines Farmers, der samt seinen Kindern einem Mordanschlag zum Opfer fiel und bildet den Kern der Rache-Story, zu der die Breitwandbilder der romantischen Hollywood-Western mit den Extravaganzen des blutigen Italowestern auf einmalige und bislang unerreichte Weise verschmelzen.

 

Das waren sie also, die zehn essentiellen Soundtracks von Ennio Morricone, einem der ganz großen Filmkomponisten unserer Zeit. Dank seines Gesamtwerks von über 500 Werken dürfte es ein Leichtes sein, einen fehlenden Film zu finden. Sollte dies geschehen, bitte in den Kommentaren stellvertretend für diese Huldigung abfeiern. Vielen Dank und viel Freude beim Nachhören zahlreicher Soundtrack-Meilensteine.

 

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