Ich werde bis zum Release keinen einzigen Star Wars 7-Trailer mehr gucken: WER MACHT MIT?

Tobias Heidemann 52

Heute nacht kommt ein neuer Trailer zu „Star Wars: Das Erwachen der Macht“. Der erste Große. Lang wird er wohl sein. Voller Details zur Story. Mit neuen Schauplätzen und konkreten Informationen zu den Charakteren. „Star Wars 7“ wird endgültig Form annehmen. Wir werden erahnen können, was uns am 17. Dezember im Kino erwartet. Wenn der Trailer aufschlägt, wird das Internet kurz den Atem anhalten, um dann in einen hysterischen Hustenanfall aus Tweets, Trailer-Analysen, Memes und Micro-Orgasmen zu zerfallen. Breakdowns überall. Was war das bei Minute 1:32? Kylo Ren ist ja wohl der Hammer! Tolles Zitat aus „Empire“ übrigens! The whole fucking shebang. Und ich werde dieses Mal nicht dabei sein.

Ich werde bis zum Release keinen einzigen Star Wars 7-Trailer mehr gucken: WER MACHT MIT?

Schön für dich, Tobias. Wen interessiert’s? Eher niemanden, ich weiß. Immerhin hat so ziemlich jeder Mensch auf diesem Planeten den ersten „Star Wars 7“-Trailer gesehen und wahrscheinlich auch eine differenzierte Meinung dazu kundgetan. Da muss man einfach dabei sein. Es gibt Gruppendruck und es gibt „Star Wars“.

Star Wars 7 - Trailer #2 deutsch.

Warum also? Warum sollte man freiwillig auf etwas verzichten, das offenkundig allen sehr viel Spaß macht und niemandem wehtut? Warum sich der allgemeinen Euphorie entziehen und die Schmach des Außenseiters über sich ergehen lassen? Warum „Star Wars 7“ so lange den Rücken zukehren, bis im Kino das Licht ausgeht?

Die Antwort lautet: Weil ich mir absolut sicher bin, dass mein Kinoerlebnis ein kleines bisschen besser sein wird, als das vom Rest der Welt. Seid ehrlich! Wir haben es doch alle schon mehrfach erlebt. Blockbuster, auf die man sich eigentlich gefreut hatte, die dann aber durch einen bizarren Tsunami aus Trailern, Promos, TV-Spots, Clips, Featurettes, Interviews, Postern, Virals, Leaks und Vorab-Soundtracks vor unseren Augen akribisch in ihre Bestandteile zerbröselt wurden. „Avengers: Age of Ultron“ kam am Ende zum Beispiel auf 4 Trailer, 16 Clips und 42 TV-Spots. Zur Erinnerung: „Star Wars 7“ hat den gleichen Verleiher wie „Age of Ultron“. Die Welle wird kommen. Und die meisten von euch werden das alles sehen wollen.

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Star Wars 7 Vermarktung: Die Welle wird kommen

Aber warum wird das Filmerlebnis durch diese Informationsflut nun eigentlich schlechter? Weil nicht nur die schiere Masse an visuellen und inhaltlichen Informationen, die man lange vor dem eigentlichen Filmstart über uns hereinbrechen lässt, im Kinosaal zu einem echten Ermüdungsproblem werden kann, sondern weil dieser Tage auch die Art der Informationen das Ersterlebnis massiv schmälert.

In Hollywood versteht man unter Marketing aktuell nicht das behutsame Anreizen von Fragen, die erst während des Films beantwortet werden, sondern die massenhafte Verbreitung seiner konkreten Inhalte. Das Setup, die Konfrontation, der Höhepunkt – in Trailern erfahren wir das mittlerweile alles. Bei „Star War 7“ wird es nicht anders sein. Ihr werdet am Montag eine ziemlich genaue Vorstellung vom Verlauf des Streifens haben.

Vielleicht kommt es aber noch schlimmer. Die Trailer-Kampagne von „Terminator: Genisys“ ging nämlich erst kürzlich noch ein Stück weiter, indem selbst der dritte Akt des Film gespoilert wurde. Die Auflösung! Also quasi der letzte, kümmerliche Rest, der uns an Ungewissheit noch geblieben war.

Terminator Genisys - Deutscher Trailer.

Wir sollen ganz genau wissen, was kommt. Wir sollen sehen, wie viel das alles gekostet hat und welche vermeintlich großen Überraschungen uns erwarten. Mit anderen Worten: Die zeitgenössischen Werbekampagnen der Filmindustrie wollen uns die Entscheidung, ob wir nun ins Kino gehen oder nicht, förmlich abnehmen. Wir sollen ins Kino gehen MÜSSEN, weil man dort A, B und – wie krass ist das, bitte – auch C zu sehen bekommt. Ein absurder Zustand, der bei mir immer häufiger das genaue Gegenteil bewirkt. Nicht aufgeregte Vorfreude stellt sich ein, sondern eine fundierte Erwartungshaltung. Ich ahne bereits, was kommt. Und meistens liege ich damit richtig.

Lasst mir meine Vorfreude

Ich will aber gar nicht wissen, was kommt. Ich will überrascht, mitgerissen und zum Staunen gebracht werden. Der komplette Verlauf von „Avengers: Age of Ultron“ ließ sich allein anhand der großen Trailer zu 80% vorhersagen. So etwas zieht einen Film doch runter, oder etwa nicht? Wann kommt die Hulk-Buster-Szene, ah da ist sie ja. Wird es nicht Zeit für das Set-Piece in Südkorea. Und so weiter.

Bevor die Filmindustrie das Internet als ihr primäres Distributionsmittel für Werbung entdeckte, wurde unsere Aufmerksamkeit allein mit Magazinen, Postern, kurzen TV-Spots und Mund-zu-Mund-Propaganda auf kommende Filme gelenkt (dazu dieses interessante Essay zur Geschichte des Trailers). Und das hat verdammt nochmal gereicht! Mehr noch. Es war ein verträgliches und sinnvolles Maß an Vorab-Information. Eine Vorfreude, die auf wenigen festen Säulen stand und nicht aus dem maroden Fundament einer multimedialen Überreizung.

STAR WARS 7: DAS ERWACHEN DER MACHT Making-Of (2015).

Doch anstatt hier besseren Vermarktungszeiten hinterher zu heulen, nehme ich die Dinge jetzt selbst in die Hand. Keine „Star Wars 7“-Bewegbilder mehr! Ich bin raus.

Star Wars 7 Trailer: Ich bin raus!

Ich möchte am 17. Dezember im Kino sitzen und erst DANN über die Dinge staunen, die der Rest der Welt in den kommenden drei Monaten allumfassend zerlegen, zerreden und auseinanderbrechen wird. Der zweite Trailer und das tolle Behind-The Scenes haben mich perfekt eingestimmt. Meine Vorfreunde ist auf Max. Mehr brauche ich einfach nicht.

Nennen wir es also ein Experiment. Ich glaube, „Star Wars“ ist mir wichtig genug, um dieses Experiment auch wirklich durchzuziehen. Mit Rauchen aufzuhören, dürfte dagegen zwar vergleichsweise einfach sein, doch der Entschluss steht fest. Allein schon, um den Fan-Burnout, der uns dank der bis 2020 jährlich erscheinenden „Star Wars“-Filme zu vermeiden.

Fragt sich nur, ob hier jemand Mitglied in meiner kleinen Entzugsanstalt werden möchte. Wer macht mit? Wer möchte sein Leid des Nicht-mehr-Dazugehörens mit mir teilen? Wer klemmt sich die kommende Trailer-Flut und geht am 17. Dezember „trocken“ mit mir ins Kino? Wer? WER?

 

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