Star Wars 7-Hype: 6 Dinge, die uns den Film doch noch ruinieren könnten

Tobias Heidemann 3

Vor über zwei Jahren, kurz nachdem bekannt wurde, dass J.J. Abrams das wohl größte Filmprojekt unserer Zeit übernehmen würde, schrieb ich einen offenen Brief an den frisch gebackenen Regisseur: „Lieber Herr Abrams: So wird Star Wars 7 nicht scheiße“. Ein harmloser Fanboy-Text, der sowohl meiner aufkeimenden Vorfreude genügte, gleichzeitig aber auch meine Angst zum Ausdruck brachte, dass Abrams das Ding episch an die Wand fahren könnte. Heute, weniger als einen Monat vor dem Start von „Star Wars 7“, haben sich viele meiner damaligen Befürchtungen in Wohlgefallen aufgelöst. Abrams hat mich positiv überrascht. Sorgenfrei bin ich dennoch nicht. Im Gegenteil. Seit meinem Brief sind ganz neue Ängste entstanden. Zeit, sich ihnen zu stellen. Hier sind die sechs größten Gefahren, die mir den Film noch ruinieren könnten. 

Star Wars 7-Hype: 6 Dinge, die uns den Film doch noch ruinieren könnten

 

Gefahr Nummer 1:

Das Internet

Das Internet hat ein akutes Problem: Es sind einfach zu viele Menschen darin unterwegs. Bei „Star Wars 7“ wird dieser Sachverhalt derzeit nur allzu deutlich. Der nimmersatte Schwarm hat sich erbarmungslos über alle bekannten Informationen hergemacht und daraus unzählige Fan-Theorien und mögliche Handlungsstränge gestrickt. Diese gefräßige Produktivität des Netzes birgt eine große Gefahr. Am Ende könnte das Internet besser sein als J.J. Abrams und sein Team.

Unwahrscheinlich ist das nicht. Einige der kursierenden Theorien zum Verbleib von Luke Skywalker haben mittlerweile eine derartig komplexe und elegante Überzeugungskraft erreicht, dass ihre Missachtung in „Star Wars 7“ dem Film erheblichen Schaden zufügen könnte. Was, wenn das Internet tatsächlich die besseren Ideen hatte? Was, wenn Abrams Autoren sich bei der Entwicklung der neuen Story für eine Option entschieden haben, die das Internet längst als die schlechteste abgetan hat?

 

 

Gefahr Nummer 2:

Der Fanservice

Die Geschichte sollte immer vorgehen, schrieb ich vor zwei Jahren in meinem Brief. Fanservice ist zwar immer gut gemeint, aber selten kommt dabei auch gut gemachtes Kino heraus. Das anbiedernde Durchbeten der charakteristischen Alleinstellungsmerkmale des Franchise wird uns im Kino nur kurzfristig befriedigen können. Was am Ende wirklich zählt, ist eine packende Geschichte, die im „Star Wars“-Universums und im Genre des Abenteuerfilms für sich steht und auch entsprechend eigenständig erzählt wird. Fanservice ist unterhaltsam, bedeutet erzählerisch aber nur Rückwärtsgewandtheit. Ich persönlich würde aber gerne etwas Neues erleben.

Die Chancen, dass Abrams dieser – zugegeben erheblichen – Versuchung des Fanservice doch irgendwie erlegen ist und uns letztlich lediglich eine Nummernrevue aus clever gemachten „Star Wars“-Zitaten präsentieren wird, stehen meiner Meinung nach immer noch bedenklich gut. Nicht nur die Trailer sprechen diesbezüglich eine eindeutige Sprache. Auch wer sich Abrams „Star Trek“-Filme ansieht, wird eben dieses Muster von neu aufgelegten, ikonischen Momenten dort finden. Sollte sich „Star Wars 7“ diesbezüglich auf dem Niveau des „Star Trek“-Reboots einpendeln, wäre ich eher enttäuscht.

 

 

Gefahr Nummer 3:

Das Merchandise

Es hat begonnen. Tankstellen, Modeketten, Fast-Food-Ketten, Spielwarengeschäfte – alle haben sich ein Stück der Macht gekauft, um damit Werbung für ihre Kunden machen zu können. Extremes Merchandising ist seit jeher essentiell für „Star Wars“ und tief in die DNA des Franchise eingeschrieben. Kein Wunder, immerhin hat Lucas das popkulturellere Film-Merchandising mehr oder weniger im Alleingang erfunden.

Dass Disney bei der inhaltlichen Konzeption des Films also maßgeblich beteiligt war, dürfte niemanden mehr überraschen. Was das genau bedeutet, wissen wir noch nicht. Und das macht mir ein bisschen Angst. Denkbar wäre zum Beispiel gleich eine ganze Reihe von schmerzhaft überflüssigen Szenen, deren Existenzgrund rein kommerzieller Natur ist. Ob Disney sich der kreativen Schlüssigkeit des Universums gefügt hat oder Abrams in paar Mal zu oft in die Suppe gespukt hat, wissen wir einfach noch nicht. Fingers crossed!

 

Gefahr Nummer 4:

Das Publikum

Der Grund dafür, dass wir aktuell so viele Reboots und Remakes im Kino zu sehen bekommen, ist so einfach wie ernüchternd. Wer mit einer Marke gleich zwei Generationen auf einmal ansprechen kann, der erweitert seinen Markt um ein Vielfaches. Exemplarisch für diese derzeit dominante Produktionslogik ist der bahnbrechende Erfolg von „Jurassic World“. Wenn Kinder und Eltern sich gleichzeitig im Kino einfinden, klingeln die Kassen am lautesten. Doch was aus marktwirtschaftlicher Sicht durchaus sinnvoll erscheint, kann auf der anderen Seite den kreativen Super Gau bedeuten. Denn: Wie spricht man 12-Jährige und 40-Jährige „Star Wars“-Fans gleichzeitig an?

Für den zugrunde liegenden Ton des Films kann ein solcher Spagat ganz schnell zur Zerreißprobe werden. So könnte etwa das nostalgische Klima, das Abrams ganz bewusst um Ford, Fisher und Hamill aufgebaut hat, für die neue Generation von „Star Wars“-Fans, die die Prequels bevorzugen, etwas befremdlich und altbacken wirken. Auf der anderen Seite ist der selbstironische und hyper-referenzielle Ton, der etwa die erfolgreichen Marvel-Filme beseelt, etwas, das absolut nicht zur klassischen „Star Wars“-Trilogie passt. Und damit auch nicht zu den „Star War“-Fans der alten Schule. Wenn „Star Wars 7“ es allen Zuschauern Recht machen will, könnte am Ende jeder etwas enttäuscht werden.

 

Gefahr Nummer 5: 

Die Spoiler

Der wohl offensichtlichste Gegner einer gelungenen „Star Wars 7“-Erfahrung. Die beiden Menschen, die ohne jedwede Vorabinformationen in „Das Erwachen der Macht“ gehen, leben derzeit in einem Camp für Natur-Aussteiger auf Bali. Der Rest weiß bereits mehr, als ihm oder ihr recht sein dürfte. Nur wer (wie der Autor dieses Textes) auf extreme Maßnahmen zurückgreift, kann sich aktuell noch vor den überall sichtbaren Spielverderbern schützen.

Doch selbst dann ist die Gefahr, einen wesentlichen Aspekt der Geschichte oder gar einen Story-Twist lange vor Erscheinen des Films zu erfahren, allgegenwärtig. Am Wochenende verbreitete sich zum Beispiel die Nachricht von einem Kinderbuch, das große Teile der Handlung von „Star Wars 7“ verrate. Einschließlich einiger Elemente des letzten Aktes. Ob es uns gelingen wird, diese Informationen bis zum 17. Dezember zu meiden, ist längst reine Glückssache geworden.

 

Gefahr Nummer 6: 

Der Hype

Die Absurdität der Hypekultur erreicht mit „Star Wars 7“ einen neuen Höchststand. Der allgegenwärtige Überfluss an positiver Berichterstattung hat den Film längst über ein erträgliches Maß hinaus idealisiert. Anstatt sich angesichts des Track-Records von J.J. Abrams und der Qualität zeitgenössischer Reboots auf eine realistische Version des Films einzustellen, erwarten viele nicht weniger als den bisher besten „Star Wars“-Film aller Zeiten – denn genauso wird der Film ja auch von vielen Medienvertretern dargestellt.

Wenn etwas einen Film ruinieren kann, dann ist es eine falsche, weil unangemessene Erwartungshaltung. „Star Wars 7“ ist nur ein Film. Ein Film, der, wie jeder andere Blockbuster auch, der in diesem Jahr herauskam, mit den Missständen und der Unwegsamkeit der aktuellen Produktionslandschaft in Hollywood umgehen muss. Sollte „Star Wars 7“ wider dieser erschwerenden Bedingungen ein durch und durch gelungener Abenteuerstreifen werden, dann ist das ein kleines Wunder. Dieses Wunder schon jetzt als die wahrscheinlichste Version des Films zu feiern, scheint vollkommen absurd und ultimativ enttäuschend.

St

 

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