Star Wars wird voll schwul: Wie sich anti-homosexuelle Hater der Lächerlichkeit preisgeben - Ein Kommentar

Tobias Heidemann 14

Es sind schon verdammt harte Zeiten für aufrechte, weiße Männer. Erst stößt eine kahlrasierte Emanze eine der letzten Machismo-Instanzen vom post-apokalyptischen Thron, dann brechen ein Mädchen und ein schwarzer Stormtrooper alle Rekorde und schließlich wird auch noch ein pansexueller Söldner zur neuen Supermacht. Die Nachricht hinter den Erfolgen von „Mad Max“, „Star Wars“ und „Deadpool“ ist glasklar: Die Toleranz ist auf dem Vormarsch. Wo soll das bloß alles noch enden? Nun, für gewöhnlich in einem Shitstorm, für den sich niemand interessiert. 

Star Wars wird voll schwul: Wie sich anti-homosexuelle Hater der Lächerlichkeit preisgeben - Ein Kommentar

Star Wars wird schwul. Naja, schwuler oder vielleicht „offen schwul“,  denn die besser informierten Star Wars-Fans unter uns wissen schon seit langem, dass der allseits beliebter Droide C-3PO auf George Lucas´ schwulem Freund Josh Templar basiert. Doch das nur am Rande. Zurück in die Gegenwart.

Das US-amerikanische Online-Portal „The Daily Beast“ berichtet an diesem Wochenende, dass sich J.J. Abrams bei der Verleihung der „Oscar Wilde Awards“ zur Möglichkeit eines schwulen Star-Wars-Helden geäußert hat. Auf die Frage, ob es in naher Zukunft in der weit, weit entfernten Galaxis einen homosexuellen Charakter geben werde, antwortete Abrams demnach: „Wenn ich über Inklusion rede, dann schließe ich schwule Charaktere dabei nicht aus. Es geht um Inklusion. Also: klar!“

Offen blieb während der Diskussion, ob es sich bei den schwulen Charakteren, die uns in Zukunft in „Star Wars“ begegnen werden, um Figuren handelt, die erst in der kommenden „Episode VIII“ eingeführt werden, oder ob wir sie bereits aus „Das Erwachen der Macht“ kennen. Mit anderen Worten: Werden Finn und Poe in „Episode VIII“ endlich knutschen oder bleibt es bei ambivalenten Andeutungen?

Ohne mich hier allzu tief in die lächerlichen Abgründe der Internet-Ignoranz zu begeben, sei kurz daran erinnert, dass derartige Aussagen in der Regel eine Welle von rituellen Empörungen hervorrufen.

Zuletzt hatte Rian Johnson, der Regisseur des neuen „Star Wars“-Films, Bekanntschaft mit dem Mittelalter-Mob gemacht. Mit dem Retweeten eines Fanart-Postings, welches Finn und Poe beim Knutschen zeigt, hatte er sich in den digitalen Niederungen der Spezies Mensch quasi verunmöglicht und wurde beschimpft.

Bild 1

Bilderstrecke starten
33 Bilder
Ein Muss für Fans: Die 32 besten Star-Wars-Merchandise-Artikel.

Star Wars 8: Soll er halt kommen, der Shitstorm

Rian Johnson nahm es gelassen. Soll er halt kommen, der Shitstorm. In zwei Tagen interessiert das außerhalb der quengelnden Primaten ohnehin niemanden mehr. Überhaupt scheint das eine Haltung zu sein, die sich in Hollywood mittlerweile sehr viele Menschen zugelegt haben.

Immer häufiger werden die erwartungsgemäßen Wutwellen bewusst der Lächerlich preisgegeben. Wer genau hinsieht, darf sogar mitlachen. Zum Beispiel wenn John Boyega ein Workout-Video postet, in welchem er von Oscar Isaac mit „Yeah baby go on“ angefeuert wird. John Boyega hatte in der Vergangenheit bereits mehrmals verkündet, dass er die Idee eines schwulen Finn durchaus begrüßen würde.

Dass sich Hollywood-Stars insgeheim über die Engstirnigkeit mancher Fans lustig machen, ist natürlich nichts neues, doch in letzter Zeit wird das Lachen über die verklemmten Kommentare immer lauter. Oder anders: Die peinlichen Entrüstungen der ewig Gestrigen werden zum eigentlichen Nachrichtenwert. Nicht die Meldung ist das spannende, sondern die blödsinnigen Kommentare darunter.

Ob Finn und Poe nun schwul sind oder nicht, was Deadpool sich nach getaner Arbeit alles in den Po schiebt und ob Mad Max jetzt eine Frau ist, das spielt für die meisten Menschen auf diesem Planeten einfach keine Rolle mehr. Warum sollte es auch. Dass es ein paar Irre gibt, die sich an solchen Dingen immer noch hochziehen, ist dagegen überaus interessant.

Die Reaktionen der rückwärtsgewandten Vollpfosten haben in all ihrer Schauerlichkeit und Idiotie einen ganz eigenen kulturellen Unterhaltungswert entwickelt. Insbesondere dann wenn sie sich zum Sprachrohr einer bedrohten heteronormativen Spezies ernennen und das Abendland in einem digitalen Alleingang vor dem Untergang bewahren wollen. Ein Riesenspaß!

Lachen über verklemmte Vollpfosten

Ärgern konnte man sich im Zuge der Meldung um das schwuler werdende „Star Wars“-Universum allerdings auch. Und zwar eigentlich immer dann, wenn sich übereifrige Kommentatoren auf das Niveau der „Kritiker“ herablassen und sich in deren ausgemachten Schwachsinn verstrickten. So muss etwa jeder Versuch, Homosexualität in „Star Wars“ mit der Größe des fiktiven Universums zu rechtfertigen, als furchtbar fehlgeleitet verstanden werden. Wer Homosexualität überhaupt erst rechtfertigen muss, hat schon mal gar nichts verstanden.

Aber egal. Der Rest war spaßig. Dass dieser Spaß allerdings auch ganz schnell aufhört, wenn sich die Dummheit in Hass verwandelt, versteht sich von selbst. Hier sollte sich unsere gemeinsam demonstrierte Gelassenheit gegenüber den „Homo-Hatern“ sofort in Solidarität verwandeln, denn mit Hass will niemand allein klarkommen müssen.

wvibyiib0f59a6wdnwmj

Star Wars Macht-Quiz: Würdest DU der dunklen Seite widerstehen?

Zu den Kommentaren

Kommentare zu diesem Artikel

Weitere Themen

Neue Artikel von GIGA FILM

* Werbung