Kritik zu „Star Wars Episode 8 – Die letzten Jedi“: Deinen Augen nicht trauen du darfst

Stefan Bubeck 4

Wir haben uns „Star Wars: Die letzten Jedi“ angeschaut und möchten euch davon berichten. Selbstverständlich ohne Spoiler der Handlung.

Irgendwer hat einmal behauptet, dass die Star-Wars-Filme eigentlich Western seien. Gemeint ist bei dieser These der simple Aufbau der Geschichten. Es gibt die Guten und es gibt die Bösen – eine ganz klare Sache, da gibt’s nichts dran zu rütteln. Wir schauen also zu, wie die Rechtschaffenen zielstrebig und mutig die düstere Übermacht bekämpfen und letzten Endes besiegen.

In der Tat: Nach diesem Muster waren alle Filme der Reihe aufgebaut – mal mehr, mal weniger. Vor allem Episode IV-VI halten sich recht zuverlässig an das Schema „Cowboys gegen Indianer“. Wer als Kind oder Jugendlicher in dieses kulturhistorisch bedeutende Franchise eingeweiht wurde, erinnert sich an die leichte Verdaulichkeit dieser schwarz-weißen Botschaft. Die helle gegen die dunkle Seite der Macht, eingepackt in wegweisende Spezialeffekte und einer Menge Action. Das Geheimnis des Erfolgs war eben auch ein Weglassen der Komplexität.

Ein Spiel mit Ungewissheiten, das den Zuschauer fordert

„Star Wars: Die letzten Jedi“ macht damit endgültig Schluss. Wir sind nach der Pressevorführung mit rauchenden Köpfen aus dem Kino getaumelt. Dieser neue Film ist anstrengender als alle seine Vorgänger. Er hält den Zuschauer auf Trab, indem er die Gehirnwindungen verknotet: Wer hat welches Motiv? Wem kann man trauen? Ist das, was ich sehe, überhaupt echt? Ein Spiel mit Ungewissheiten, ein Rätsel rund um Begriffe wie Motivation und Loyalität. Die Charaktere sind hier nicht vorgefertigt, sondern wir schauen ihnen bei ihrer Entwicklung zu – und das ist gut so.

Der Western ist erwachsen geworden und wir mit ihm. So ist die erfrischend andere Star-Wars-Reinkarnation von Regisseur und Drehbuchautor Rian Johnson (Breaking Bad, Looper) nur konsequent: Die Welt ist kompliziert, die Menschen sind undurchschaubar. Das war auch vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten Galaxis schon so. Traue niemanden – und schon gar nicht deinen eigenen Augen.

Der originalgetreue Look der alten Star-Wars-Filme, den Episode VII wieder aufgenommen hat, wird auch in „Die letzten Jedi“ beibehalten: Ein verbrauchtes und staubiges Universum, weit weg vom Hochglanz anderer Science-Fiction-Streifen. Tricktechnisch sehen wir das Beste vom Besten und bekommen so unsere Erwartungen an den ultimativen Blockbuster erfüllt. Fantastische Riesen-Explosionen, schwindelerregende Kamerafahrten über und unter gigantische Raumkreuzer hinweg, eine wunderschön in Szene gesetzte Insel und das alles untermalt von vertrauten Star-Wars-Klängen – das ist Kino für die Sinne.

Insgesamt wirkt Episode VII recht düster, die Leinwand wird von dunklen Tönen dominiert, helles Tageslicht ist selten zu sehen. Ein sehr ernster Film, der es aber trotzdem schafft, humorvolle, ja geradezu alberne Szenen zu integrieren, die lautes Lachen provozieren. Die eingestreuten Gags sind maßvoll portioniert, sie brechen so schnell ab, wie sie auftauchen. Wer gefühlt endlose und groteske Szenen à la Jar Jar Binks befürchtet, muss sich keine Sorgen machen – auch damit ist bei Johnson Schluß.

Fazit: Der Krieg hat erst begonnen

Eigentlich ist eine Filmkritik zu einem neuen Star-Wars-Film nur begrenzt sinnvoll – die meisten Menschen, die sich für diese Reihe interessieren, holen sich sowieso ein Kinoticket. So bleibt uns der Appell an die wenigen Unschlüssigen, sich diesen mit 152 Minuten recht langen Film der Reihe unbedingt anzuschauen. Enttäuscht werden kann hier nur derjenige, der einen simplen Kampf von guten Jungs gegen böse Jungs erwartet. Alle anderen ahnen es bereits: Solche Bezeichnungen sind nur ausgedachte Begriffe.

„Star Wars: Die letzten Jedi“ ist der Ende 2016 überraschend gestorbenen Carrie Fisher gewidmet. Die Schauspielerin wird von ehemaligen Wegbegleitern rückblickend als menschliche Ausnahmeerscheinung beschrieben. Das trifft gewissermaßen auch auf ihre Rolle zu. Wenigstens auf Leia konnten wir uns in all den Windungen der Geschichte von Episode VIII verlassen – es gibt keine Zweifel, auf welcher Seite sie steht.

Wir nehmen Abschied von dieser Konstanten und blicken auf eine ungewisse Zukunft. Der Krieg der Sterne hat gerade erst begonnen.

Das ultimative Star Wars Quiz

„Star Wars: Die letzten Jedi“ startet am Donnerstag, 14. Dezember 2017, im Verleih von Walt Disney Studios Motion Pictures Germany in den deutschen Kinos.

Waschechte Star-Wars-Fan haben ein ganz besonderes Spielzeug im Blick. Mit Lenovo Jedi Challenges kann man in der Augmented Reality gegen Kylo Ren und Darth Vader antreten. Wir haben das ausprobiert und waren begeistert:

STAR WARS: Jedi Challenges.
Star Wars:
Die letzten Jedi

12. Dezember 2017

80/100 Punkte

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