Tatort Kritik: Blackout - Herbes Jubiläum in Ludwigshafen

Marek Bang

Ulrike Folkerts alias Lena Odenthal feiert ihr 25. Dienstjubiläum und gerät in eine tiefe persönliche Krise. Ausgerechnet jetzt urlaubt ihr Kollege Kopper bei seiner Cousine in Italien. Hier kommt die aktuelle „Tatort“-Kritik von GIGA FILM zur überraschend herben Episode „Blackout“.

„Tatort“-Kritik: Blackout

Story

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Alle aktuellen Tatort-Kommissare im Überblick

In ihrem 60. „Tatort“-Einsatz bekommt es Kriminalhauptkommissarin Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) mit einem toten Mann zu tun, der zunächst mit K.-o.-Tropfen betäubt und anschließend scheinbar sexuell missbraucht wurde. Die Ermittlerin ist zudem immer noch traumatisiert, da sie einen Selbstmörder kurz zuvor nicht von seiner Tat abhalten konnte. Ausgerechnet jetzt heiratet in „Tatort: Blackout“ die Cousine ihres Kollegen Kopper (Andreas Hoppe) in Italien und Lena Odenthal ist bei den Ermittlungen auf sich allein gestellt. Die Kommissarin konzentriert sich auf das Umfeld des Toten und findet schnell heraus, dass dieser ein reges Liebesleben mit allerhand flüchtigen Bekanntschaften pflegte, von dem seine Ehefrau wusste. Auch das Verhältnis zu seinem Bruder (Stefan Murr) war von Streit geprägt, da es unterschiedliche Vorstellungen über die Ausrichtung der gemeinsamen Firma gab. Emotional angeschlagen beginnt Lena zu ermitteln und bekommt mit der wenig sympathischen LKA-Ermittlerin Johanna Stern (Lisa Bitter) eine Urlaubsvertretung zur Seite gestellt, mit der sie nur mühsam zurechtkommt.

 Ermittler

Kriminalhauptkommissarin Lena Odenthal ist die dienstälteste Ermittlerin im Tatort-Universum und bereits seit 1989 auf Mörderjagd in Ludwigshafen. Mit der Episode „Tatort: Blackout“ feiert sie nicht nur ihr 25. Dienstjubiläum, sondern ist bereits zum 60. Mal auf Sendung. Lena Odenthal ist eine taffe Frau, die sich aber auch emotional tief in ihre Fälle hineinkniet. An ihrer Seite ermittelt mit dem Deutsch-Italiener Mario Kopper ein Gemüts- und Genussmensch, dessen größter Stolz sein fast vierzig Jahre alter Fiat 130 ist. Die beiden Kommissare verbindet nicht nur eine tiefe, platonische Freundschaft, sie teilen sich auch eine gemeinsame Wohnung. Das führt natürlich zwangsläufig dazu, dass beim gemeinsamen, stets von Kopper zubereiteten Abendessen die Arbeit weiterhin eine Rolle spielt und die Ermittlungen somit auch im privaten Rahmen fortgesetzt werden. Dementsprechend ungewohnt ist die Situation für Lena Odenthal in ihrem aktuellen Fall, da ihr Wegbegleiter ausgerechnet zum Jubiläum mit seiner Band in Italien im Urlaub weilt.

Besondere Vorkommnisse

Nach dem extrem schrägen Ausreißer „Tatort: Im Schmerz geboren“ wurde gestern wieder solide ermittelt. Referenzen an Tarantino & Co. spielten in Ludwigshafen keine Rolle mehr und so ist das größte besondere Vorkommnis die Abwesenheit von Kommissar Kopper und das Dienstjubiläum von Lena Odenthal. Gefeiert wird im „Tatort: Blackout“ aber nicht, dazu ist die Kommissarin viel zu ausgebrannt. In der Schlüsselszene der gestrigen Episode bricht Lena Odenthal auf dem Bahnhof zusammen und muss ärztlich versorgt werden. Nicht nur der aktuelle Fall geht ihr an die Nieren, sondern auch besagter Selbstmord, den sie nicht verhindern konnte, macht der Ermittlerin zu schaffen. Lena Odenthal schlittert in eine persönliche Krise und steht kurz vor einem Burnout. Da kommt die forsche LKA-Ermittlerin Johanna Stern, die Koppers Urlaubsvertretung gibt, natürlich mehr als ungelegen. Doch Kopper lässt seine Freundin und Kollegin nicht im Stich und kehrt früher als geplant Heim. Lenas Zustand gibt jedoch weiterhin großen Anlass zur Sorge.

Fazit

Der gestrige „Tatort“ war nach den extravaganten Thrillern der beiden letzten Wochen eine wohltuend solide Veranstaltung, die sich nahtlos in die Krimi-Reihe einfügt. Der Fall war spannend und die Tätersuche wurde von keinerlei visuellen Mätzchen gestört. Nur das in „Tatort: Blackout“ extrem nach außen gekehrte Innenleben der Kommissarin überraschte und hob die Folge letztlich über den Durchschnitt. So verletzlich und angegriffen haben wir die sonst so taffe Lena Odenthal noch nie auf dem Bildschirm erlebt. Statt Blumen gab es zum Jubiläum eine handfeste Krise, die nicht so schnell behoben sein dürfte. Wir können also gespannt sein, was uns in Zukunft aus Ludwigshafen erwartet. Frischen Wind nach 25 Jahren „Tatort“ brachte nicht die neue Kollegin, sondern Ulrike Folkerts selbst, die Lena Odenthal eine neue Facette hinzufügte, mit der in diesem Ausmaß nicht zu rechnen war. Starkes, überraschend herbes Jubiläum, das sich ganz auf seine Heldin konzentriert und Lust auf mehr macht.

Noch bis zum 04. November 2014 könnt ihr den „Tatort“ bei der ARD in der Mediathek ab 20 Uhr ansehen. Hier ist der Link zu „Tatort:Blackout“ .

Tatort: Blackout -Trailer.

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