Tatort Kritik: Blutschuld verwandelt Sonntags-Krimi in fiesen Thriller

Marek Bang

In ihrem vorletzten Einsatz wird es brutal: Ein Killer löscht im Leipziger „Tatort: Blutschuld“ die Familie eines zwielichtigen Unternehmers aus und Simone Thomalla und Martin Wuttke müssen alle privaten Befindlichkeiten zu Hause lassen. Hier kommt die aktuelle „Tatort“-Kritik von GIGA FILM zur Episode „Blutschuld„.

„Tatort“-Kritik: Blutschuld

Story vom „Tatort: Blutschuld“

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Alle aktuellen Tatort-Kommissare im Überblick

Ein junger Mann taumelt mit einem Messer im Hals durch die Straßen von Leipzig und landet schließlich im Haus des windigen Abfallunternehmers Harald Kosen (Bernhard Schütz). Sein weiteres Schicksal bleibt zunächst ungeklärt, denn der „Tatort“ macht einen Sprung in die Zukunft. Vier Jahre nach den blutigen Ereignissen treffen die Kommissare Eva Saalfeld (Simone Thomalla) und Andreas Keppler (Martin Wuttke) im „Tatort: Blutschuld“ erneut in dem Haus des Recycling-Moguls ein, doch diesmal liegt der Hausherr selbst blutüberströmt in seinem Schlafzimmer. Während Eva Saalfeld von einer brutalen Form eines Raubmordes ausgeht, da Geld auf dem Safe genommen wurde, glaubt ihr Ex-Mann und Kollege Keppler an ein persönliches Motiv und sieht den äußerst brutalen Mord als Abschlachtung aus purem Hass an.

Es gibt genügend Verdächtige aus dem persönlichen Umfeld des verhassten Unternehmers, denn der Patriarch war ein Despot, der nicht nur in dubiose Geschäfte verstrickt war, sondern auch seine Familie, gelinde gesagt, nicht gerade gut behandelt hat. Er hinterlässt eine verstörte und apathische Ehefrau (Lina Wendel), eine Tochter mit düsterem Geheimnis (Natalia Rudziewicz) und einen kriminellen Sohn (Tino Hillebrand), der vor vier Jahren mit einem Messer schwer am Hals verletzt wurde. Damit aber nicht genug, denn der ehemalige Geschäftspartner Christian Scheid (Uwe Bohm) ist ebenfalls höchst verdächtig, starb seine Tochter doch vor einigen Jahren bei einem Autounfall. Todesfahrer: Harald Kosen. Bevor sich die Leipziger Mordkommission auf eine einheitliche Motiv-Theorie einigen kann und die Ermittlungen richtig in Gang kommen, findet ein nächster, ebenfalls bestialischer Mord in der Unglücksfamilie statt, der viele weitere Fragen aufwirft…


Ermittler im 
„Tatort: Blutschuld“ : Saalfeld & Keppler

Einst war Hauptkommissarin Eva Saalfeld glücklich mit ihrem Kollegen Andreas Keppler verheiratet, doch der Tod ihres gemeinsamen Kindes zerstörte die Beziehung des Ermittler-Paares jäh. Keppler griff zur Flasche und wurde zum griesgrämigen Einsiedler, seiner Frau blieb nur die Trennung als einzige Option zum Weiterleben. Jahre später ermitteln die beiden gemeinsam in Leipzig, der Heimatstadt von Eva Saalfeld, und nähern sich in kleinen Schritten wieder einander an.

Kaum ein anderer „Tatort“ rückt die privaten Befindlichkeiten seiner Kommissare derartig in den Vordergrund wie die seit 2008 ausgestrahlten Episoden aus Leipzig. Vielen Fans ist das zuviel des Guten und so spaltet der Beitrag des MDR zum „Tatort“-Universum in schöner Regelmäßigkeit die Krimi-Nation. Vielleicht ist auch dies einer der Gründe, warum die Verantwortlichen des Senders Ende vergangenen Jahres verkündeten, das Ermittler-Duo Saalfeld und Keppler noch 2015 in Rente zu schicken.

Besondere Vorkommnisse im „Tatort: Blutschuld“

Allein das Intro ist ein besonderes Vorkommnis an sich, denn es zeigt in fast schon surreal anmutenden Bildern einen jungen Mann mit Messer im Hals blutüberströmt durch die sächsische Metropole wandeln. Niemand der am Rande stehenden Passanten scheint sich für ihn zu interessieren und so sehen wir ihn in der nächsten Szene auch auf dem Boden einer Wohnung liegen, umgeben von Menschen, die dem verstörten Teenager nicht gerade wohlwollend gesonnen sind. Nach diesem fulminanten Intro wird es dann wieder deutlich behäbiger, auch wenn die Brutalität der gezeigten Morde dafür sorgt, dass der geneigte Fan nicht aus Versehen auf der häuslichen Couch wegschlummert.

In der zweiten Hälfte zieht Regisseur und Autor Stefan Kornatz aber wieder deutlich an der Tempo-Schraube und inszeniert die tragischen Umstände des zweiten Mordes in einer am sonntäglichen Krimi-Abend selten gesehenen Intensität. Hier wird der „Tatort: Blutschuld“ zum echten Thriller und zeigt einmal mehr, dass die Leipziger Ermittler die geringe Wertschätzung des Publikums nicht verdient haben. Ihre privaten Probleme spielen zudem im gestrigen „Tatort“ keine Rolle und es geht (fast) ausschließlich um den Fall, was in dieser Konstellation nicht nur dringend erwähnenswert ist, sondern für Saalfeld und Keppler auch als weiteres besonderes Vorkommnis durchgewunken werden kann.

Fazit vom „Tatort: Blutschuld“

Natürlich ist die absurde Familiengeschichte von Eva Saalfeld mehr grotesk als berührend und manchmal ist wirklich ein Kriminalfall unter den Lasten ihrer Beziehung zum Keppler zusammengebrochen, dennoch muss ich an dieser Stelle mal eine Lanze für den Leipziger „Tatort“ brechen: So unfassbar schlecht, wie viele Kollegen Frau Thomallas Schauspielkünste in regelmäßigem Abstand in Grund und Boden schreiben, sind diese gar nicht. Und wenn es doch mal an der ein oder anderen Stelle zwickt, ist mit Martin Wuttke ein Klasse-Mann an Bord, der nicht nur in Quentin Tarantinos „Inglorious Basterds“ seine Qualität als Charakterdarsteller beweisen konnte, sondern auch auf den Bühnen dieser Republik stets einen mehr als überzeugenden Eindruck hinterlässt.

Die gestrige Episode „Blutschuld“ hatte zwar den ein oder anderen Hänger, funktionierte aber als spannungsgeladener Thriller mit schön düsterer Atmosphäre, guten, unabgenutzen Bildern und einem Mord nach Ansage, der den „Tatort“ letztlich maßgeblich über den Durchschnitt gehievt hat. Falls die kommende Abschiedsfolge ebenso fulminant gelingt, werden viele dem Leipziger „Tatort“ noch nachtrauern, ich vermisse ihn jedenfalls jetzt schon.

Bis zum 22.02.2015 könnt Ihr euch den „Tatort: Blutschuld“ ab 20 Uhr in der Mediathek der ARD anschauen. Hier ist eine Übersicht über alle aktuellen „Tatort-„Kommissare, ein „Tatort-Quiz“ haben wir auch für euch.

Tatort: Blutschuld - Trailer deutsch.

 

 

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