Tatort Kritik: Borowski, Breaking Bad und der Himmel über Kiel

Marek Bang 1

Der Kieler Eigenbrötler Klaus Borowski bekommt es in seinem neusten Einsatz mit der Modedroge Crystal Meth zu tun, die mittlerweile auch die norddeutsche Provinz erreicht hat. Ob der düstere Krimi im Stile eines Thrillers auch überzeugen konnte, erfahrt ihr bei uns. Hier kommt die aktuelle „Tatort“-Kritik von GIGA FILM zur Episode „Borowski und der Himmel über Kiel“.

„Tatort“-Kritik: Borowski und der Himmel über Kiel

Story

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Alle aktuellen Tatort-Kommissare im Überblick

Ein ebenso grausamer wie bizarrer Fund eröffnet den düsteren Borowski- „Tatort“ aus Kiel. Im Munsforder Wald unweit der Schleswig Holsteinischen Landeshauptstadt liegt der abgetrennte Kopf eines jungen Mannes. Es handelt sich anscheinend um einen Junkie, denn schnell findet die Gerichtsmedizin Hinweise auf einen starken Missbrauch der extrem gefährlichen Modedroge Crystal Meth. Vom Rest der Leiche ist weit und breit keine Spur, doch ein Fahndungsaufruf hat Erfolg und Kommissar Klaus Borowski (Axel Milberg) lernt die junge Rita (Elisa Schlott) kennen, die bis vor einiger Zeit noch selbst auf Droge war und mit ihrem Freund Mike eine wilde, vom Rausch der Droge dominierte Liebesbeziehung führte. In diesem Augenblick beginnt der „Tatort: Borowski und der Himmel über Kiel“ erst richtig, denn in zahlreichen Rückblenden bringt die junge Frau dem knorrigen Kommissar und seiner Kollegin Sarah Brandt (Sibel Kekilli) eine abgründig schillernde Welt näher, aus die sie sich selbst noch lange nicht verabschiedet hat.

Auf der Suche nach Mikes Mörder und seinen sterblichen Überresten tauchen die Ermittler nicht nur in die Kieler Drogenszene ein, sondern treffen auch immer wieder auf die seltsamen Bewohner des beschaulich-schaurigen Dörfchens Munsford. Nachdem eine Observierung möglicher Dealer dank der Forschheit von Sarah Brandt scheitert, platzt dem sonst so besonnenen Borowski der Kragen…

Ermittler

Ich höre! Mit diesen trockenen Worten meldet sich Hauptkommissar Klaus Borowski stets am Telefon und so weiß der Zuschauer gleich, dass er im Kieler „Tatort“-Universum gelandet ist. Der spröde Herr mittleren Alters ist ein klassischer Einzelgänger und pflegt zu den meisten seiner Mitmenschen ein eher distanziertes Verhältnis. Eine Ausnahme macht er bei seinem Chef, Kriminalrat Schladitz (Thomas Kügel), den er auch schon mal bei sich übernachten lässt, wenn bei diesem der Haussegen schief hängt. Außerdem verbindet die beiden Herren die gemeinsame Leidenschaft für gutes Essen, was auch in der gestrigen Episode wieder eine Rolle spielte.

Viel schwieriger ist Borowskis Verhältnis zu seiner Kollegin, Kommissarin Sarah Brandt. Zwar verrät er sie nicht, als ihm bewusst wird, dass sie unter epileptischen Anfällen leidet und somit eigentlich dienstunfähig ist, dennoch begegnet er ihr nicht wie einem Partner auf Augenhöhe. Die beiden Ermittler bleiben beim eher kühlen Sie und Klaus Borowski sieht in seiner Kollegin oft eher eine Assistentin als einen wirklichen Rückhalt im Ernstfall. Eine weitere Kuriosität des norddeutschen Ermittlers war lange Zeit die Liebe zu seinem museumsreifen Fahrzeug, einem alten VW Passat Kombi, dem er allerdings bereits vor einigen Folgen per Dienstwaffe den Gnadenschuss gab. Seitdem fährt er einen roten Volvo, natürlich ebenfalls älteren Baujahres.

Besondere Vorkommnisse

Viele moderne „Tatorte“ konzentrieren sich vornehmlich auf die Kommissare. „Tatort: Borowski und der Himmel über Kiel“ macht einen Unterschied und gewährt den Verdächtigen und Betroffenen viel Raum. Besonders das zweite Drittel gehört den Crystal Meth-Usern, vor allem der partywütigen Rita. In Rückblenden erzählt Regisseur Christian Schwochow von der Lust am Rausch und dem zunehmenden Kontrollverlust der Berauschten. Dabei gelingt eine ziemlich realistische Milieu-Studie, denn der „Tatort“ porträtiert die Drogenabhängigen nicht von Vornherein als Wracks, sondern zeigt auch den unbändigen Energie-Push und die Ausgelassenheit, welche durch den Drogenkonsum ausgelöst wird und welche natürlich den primären Grund darstellt, illegale Substanzen anfänglich zu konsumieren. Erst dann folgt der fatale Kater, der natürlich auch nicht ausgespart wird. Ein weiteres besonderes Vorkommnis ist der abgetrennte Kopf des Toten und die dementsprechende Härte des gestrigen Falls. Die kinoreifen Bilder von Kameramann Frank Lamm tun ihr übriges und sorgen für eine düstere Atmosphäre, die nur durch die comichaft überzeichneten Dorfbewohner gebrochen wird.

Fazit

Außer dem gelungenen „Tatort: Hydra“ mit einem fulminanten Jörg Hartmann schwächelte das Format in den letzten Episoden und altbekannte Größen wie Lena Odenthal zeigten sich nicht in bester Verfassung. Glücklicherweise hat sich Klaus Borowski und der Kieler „Tatort“ von diesem Trend nicht anstecken lassen und wir haben am gestrigen Abend mal wieder einen gelungenen Krimi genießen dürfen.

Natürlich war auch der „Tatort: Borowski und der Himmel über Kiel“ nicht von einigen Längen verschont und die Dorfbewohner wirkten mehr wie Trolle als reale Schleswig-Holsteinische Einheimische, dennoch konnte die Episode in Punkto Atmosphäre und Spannungsaufbau überzeugen. Auch Nachwuchsschauspielerin Elisa Schlott hat einen gewaltigen Anteil an der Qualität des „Tatorts“ und lieferte eine furiose Vorstellung als im Rausch gefangene junge Frau zwischen Entzug und Rückfall. Ebenfalls ein großes Lob verdient die seriöse Auseinandersetzung mit der Droge Crystal Meth, die nicht nur einen Hauch von „Breaking Bad“ durch den Kieler Nebel wehen ließ, sondern den „Tatort“ zu einer überzeugenden und (wohl leider) realitätsnahen Studie einer billigen Über-Droge auf ihrem Siegeszug durch die deutsche Provinz katapultierte. Bis zum 01.02.2015 könnt Ihre euch den „Tatort: Borowski und der Himmel über Kiel“ ab 20 Uhr in der Mediathek der ARD anschauen. Hier ist eine Übersicht über alle aktuellen „Tatort-„Kommissare, ein „Tatort-Quiz“ haben wir auch für euch.

Tatort: Borowski und der Himmel über Kiel - Trailer deutsch.

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