Tatort Kritik: Borowski und die Kinder von Gaarden

Marek Bang

Der Kieler Kommissar Klaus Borowski bekommt es mit einem Mord im sozialen Brennpunkt Gaarden zu tun. Ob der „Tatort“ im Gewand eines Sozialdramas auch funktioniert, erfahrt ihr bei uns. Hier kommt die aktuelle „Tatort“-Kritik von GIGA FILM zur Episode „Borowski und die Kinder von Gaarden„.

„Tatort“-Kritik: „Borowski und die Kinder von Gaarden“

Story von „Tatort: Borowski und die Kinder von Gaarden“

Bilderstrecke starten(20 Bilder)
Alle aktuellen Tatort-Kommissare im Überblick

Der Kieler  „Tatort“ - Kommissar Klaus Borowski (Axel Milberg) betritt eine ihm fremde Welt und bekommt es im „Tatort: Borowski und die Kinder von Gaarden“ mit den harten Realitäten eines sogenannten sozialen Brennpunkts zu tun. Im Problembezirk Gaarden liegt der verwahrloste Onno Steinhaus erschlagen in seiner Wohnung. Der arbeitslose Alkoholiker führte nicht nur ein Leben am Rand der Gesellschaft, sondern saß auch wegen Kindesmissbrauchs im Gefängnis.

Auch nach seiner Entlassung suchte der ermordete Onno den Kontakt zu jungen Männern und lockte die ebenfalls in der Armuts-Spirale gefangenen Jugendlichen mit reichlich Schnaps und Bier in seine Wohnung. Einer der ausufernden Abende wurde auf Video festgehalten und da sich Kollegin Sarah Brandt (Sibel Kekilli) ja so gut im Internet auskennt, kommt auch Herr Borowski in den zweifelhaften Genuss der bewegten Bilder. Zu sehen ist der 15-jährige Timo (Bruno Alexander), nackt im Bett mit dem späteren Gewaltopfer. Haben sich die Jugendlichen an dem pädophilen Onno gerächt oder ist der Rausch einfach irgendwann eskaliert?

Kommissar Borowski beginnt, unter den desillusionierten jungen Männern zu ermitteln. Doch die Polizei ist in Gaarden nicht gerade beliebt und der örtliche Streifenbeamte Torsten Rausch (Tom Wlaschiha) ist auch keine Hilfe. Ganz im Gegenteil, denn der machohafte Kiez-Cop wirkt nicht nur abgestumpft, sondern scheint auch selbst ein düsteres Geheimnis mit sich zu tragen, wurde kurz vor der Tat in der ominösen Wohnung gesichtet und behindert die Ermittlungen wo er nur kann. Für Sarah Brand ist der Polizist kein unbeschriebenes Blatt. Sie kennt ihn noch aus der gemeinsamen Ausbildung und bald kommen sich die beiden näher…

Ermittler im „Tatort: Borowski und die Kinder von Gaarden“: Axel Milberg und Sibel Kekilli als Klaus Borowski und Sarah Brandt

Ich höre! Wenn der spröde Herr Borowski sich mit diesen mittlerweile wohl schon legendären Worten meldet, ist jedem „Tatort“-Fan klar, dass wir uns in Schleswig Holstein befinden und damit im Kieler Tatort“-Universum gelandet sind. Der klassische Einzelgänger pflegt zu den meisten seiner Mitmenschen ein eher distanziertes und kühles Verhältnis. Eine Ausnahme macht er nur bei seinem Chef, Kriminalrat Schladitz (Thomas Kügel), dem  er auch schon mal etwas Leckeres auftischt, wenn bei diesem der Haussegen schief hängt. Eine weitere Kuriosität des norddeutschen Ermittlers war lange Zeit die Liebe zu seinem museumsreifen VW Passat Kombi, dem er allerdings bereits vor einigen Folgen per Dienstwaffe den Gnadenschuss gab. Seitdem fährt er einen roten Volvo, natürlich ebenfalls älteren Baujahres, den er auch in der gestrigen Episode vehement gegen die Gaardener Jugend zu schützen versuchte.

Viel komplizierter  ist Borowskis Verhältnis zu seiner Kollegin Sarah Brandt. Er verrät sie zwar nicht, als er merkt, dass sie unter epileptischen Anfällen leidet und somit den Regeln nach dienstunfähig ist, dennoch begegnet er ihr selten auf Augenhöhe. Die beiden Ermittler sprechen sich folgerichtig mit einem eher kühlen Sie an. Über die Vergangenheit von Sarah Brandet wussten wir bis zur gestrigen Episode  „Tatort: Borowski und die Kinder von Gaarden“ wenig, doch nun wird klar, dass sie nicht gerade aus einem wohlhabenden Elternhaus zu kommen scheint und ihr im Gegensatz zu Herrn Borowski der Bezirk Gaarden nicht völlig fremd ist.

Besondere Vorkommnisse im „Tatort: Borowski und die Kinder von Gaarden“

Vor kurzem erst lief in der ARD der Vorgänger „Borowski und der Himmel über Kiel“ und durch Schleswig Holstein wehte ein Hauch von „Breaking Bad“. Die Episode stürzte sich ganz auf die drogensüchtigen Verdächtigen und die Kommissare traten in den Hintergrund. Auch die gestrige Folge ist eine Milieustudie, nur dass formal deutlich schlichter ermittelt wird und auch die ästhetischen Experimente weitestgehend zurückgeschraubt werden. Dafür rückt Kommissarin Brandt in den Vordergrund und ihre Figur bekommt einige neue Facetten auf den schmalen Leib geschrieben. Ihre Auseinandersetzung mit dem Kollegen aus Gaarden bildet zudem auch eine (weniger gelungene) Brücke zwischen den Kommissaren und ihrer ungewohnten Umgebung.

Der „Tatort: Borowski und die Kinder von Gaarden“ ist darüber hinaus trotz aller eingefügter Elemente des Sozialdramas ein klassischer Whodunit Krimi am Sonntag Abend, was im Kieler „Tatort“-Universum keinesfalls selbstverständlich ist. So konnten wir trotz aller Betroffenheit ob der sozialen Missstände auch auf der heimischen Couch mitraten, wer nun für den Tod von Onno verantwortlich ist.

Fazit vom „Tatort: Borowski und die Kinder von Gaarden“

Gleich zu Beginn wird klar, dass sich Klaus Borowski an die Verhältnisse in Gaarden erst gewöhnen muss und, dass hier zwei Welten aufeinander treffen. Doch der eigenbrötlerische Kommissar bleibt authentisch und so entstehen anrührende und (leider) realistische Szenen, die sich so auch vor meiner Haustür im medial viel stärker beachteten Berliner Problemviertel Neukölln abspielen könnten.

Die chancenlose Jugend aus der vermüllten Sozialwohnung ist hervorragend besetzt, nicht überzeichnet und mit glaubhaften Dialogen ausgestattet, so dass Gaarden eine weitestgehend klischeefreie Zone bleibt und der gestrige „Tatort“ nicht wie ein schablonenhafter Cartoon wirkt. Letzteres trifft dann aber leider  auf den Gaardener Polizisten zu, dessen Geplänkel mit Frau Brandt ein wenig aufgesetzt und unnötig wirkt. Macht aber nichts, denn Axel Milberg wischt diese kleinere Schwäche mit seinem gewohnt souveränen Spiel locker vom Bildschirm und ist neben den guten Nebenfiguren und der schnörkellosen Inszenierung der Hauptgrund, warum der gestrige „Tatort“ bislang zum Besten gehört, was der Krimi am Sonntag Abend auf der ARD im Jahr 2015 zu bieten hatte.

Bis zum 05.04.2015 könnt ihr euch den „Tatort: Borowski und die Kinder von Gaarden“ ab 20 Uhr in der Mediathek der ARD anschauen. Hier ist eine Übersicht über alle aktuellen „Tatort-„Kommissare, ein „Tatort-Quiz“ haben wir auch für euch vorbereitet.

Tatort: Borowski und die Kinder von Gaarden - Trailer deutsch.

Zu den Kommentaren

Kommentare zu diesem Artikel

* Werbung