Tatort Kritik: Das Haus am Ende der Straße & der Abschied von Joachim Król

Marek Bang 2

In seinem letzten Einsatz wird es eng: Joachim Król quittiert den Dienst und gerät in die Fänge eines lebensmüden Ex-Polizisten. Hier kommt die aktuelle „Tatort“-Kritik von GIGA FILM zur Episode „Das Haus am Ende der Straße„, einem Highlight zum Abschied des sperrigen Kommissars Steier.

„Tatort“-Kritik: Das Haus am Ende der Straße

Story vom „Tatort: Das Haus am Ende der Straße“

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Alle aktuellen Tatort-Kommissare im Überblick

Nach durchzechter Nacht ist der mürrische Kommissar Steier (Joachim Król) in seinem letzten „Tatort“-Einsatz wie eh und je im Dienst und stattet einem Mordverdächtigen (Maik Rogge) einen Besuch ab. Doch aus der Routinebefragung wird eine Katastrophe, die alle Beteiligten nachhaltig verändern wird. Der Verdächtige namens Nico kann den derangierten Ermittler überwältigen und feuert schließlich Schüsse auf den Polizisten ab. Die Kugeln treffen Kommissar Steier zwar nicht, dafür durchdringen sie die Wand der Wohnung und töten ein kleines Mädchen. Der Täter wird allerdings bald frei gesprochen, denn der alkoholisierte Zustand Steiers raubt dem Kommissar vor dem Richter jegliche Glaubwürdigkeit. Verzweifelt und desillusioniert reicht Steier im „Tatort: Das Haus am Ende der Straße seine Kündigung ein.

Geplagt von Schuldgefühlen und aufgeputscht vom nächsten Rausch steht Steier bald mit geladener Pistole vor Nico, weicht aber im letzten Moment von seinen fatalen Plänen ab. Doch er ist zu diesem Zeitpunkt bereits der falsche Mann am falschen Ort und bekommt heraus, dass Nico mit seinem Bruder und dessen drogenabhängiger Freundin einen Raubüberfall plant. Der geht naturgemäß gewaltig schief und plötzlich befinden sich die drei Täter und der Kommissar in der Gewalt des Ex-Polizisten Rolf Poller (Armin Rohde), der schwer traumatisiert einen undurchsichtigen Rachefeldzug startet und zu allem entschlossen scheint.

Ermittler im „Tatort: Das Haus am Ende der Straße“ : Joachim Król als Kommissar Steier

Kommissar Steier ist  - gelinde gesagt - ein Kotzbrocken, den niemand im Frankfurter Polizeipräsidium mag. Nur seine hervorragende Arbeit verschafft dem Einzelgänger etwas Respekt unter seinen Kollegen, von denen nur der loyale Seidel (Peter Kurth) zu dem mürrischen Ermittler so eine Art freundschaftliche Beziehung führt. Früher ermittelte Steier noch an der Seite der aufgeweckten Kommissarin Mey (Nina Kunzendorf), doch die quirlige Polizistin zog es vor drei Episoden auf die Polizeischule als Ausbilderin. In der Realität wollte Nina Kunzendorf nicht auf die „Tatort“-Schublade festgelegt werden und stieg überraschend nach nur fünf gemeinsamen Folgen an der Seite von Joachim Król 2013 aus der Krimi-Reihe aus. Eigentlich sollte der beliebte Schauspieler daraufhin mit einer neuen Partnerin ermitteln, doch darauf hatte Herr Król keine Lust und kündigte ebenfalls seinen Abschied an, der im „Tatort: Das Haus am Ende der Straße“ nun vollzogen wurde.

Schon immer hatte Kommissar Steier ein Alkoholproblem und es gab häufiger Szenen, die ihn betrunken auf einer Parkbank sitzend zeigten oder mit einer Flasche Wodka im Büro porträtierten. Doch niemals stand es so schlimm um den unnahbaren Grantler wie gestern Abend und so war es letztendlich auch der Alkohol, der die Gewaltspirale in „Tatort: Das Haus am Ende der Straße“ auslöste.

Besondere Vorkommnisse im „Tatort: Das Haus am Ende der Straße“

Wenig erinnerte in der Episode „Das Haus am Ende der Straße“ an eine „Tatort“-Episode, vielmehr servierte uns Regisseur Sebastian Marka einen exquisiten und vor allem hochspannenden Psycho-Thriller, der nicht nach den gängigen Mustern der sonntäglichen Krimi-Unterhaltung funktionierte. Kommissar Steiers dunkle Seite rückte in den Vordergrund und dank seiner Kündigung war auch kein richtiger Polizist mehr in Aktion. Vielmehr dominierte ab der zweiten Hälfte Armin Rohde in seinem ersten „Tatort“-Auftritt nach 24 langen Jahren das Geschehen und spielte einen verkrachten Ex-Polizisten, der sich noch einmal zu einer Art moralischen Distanz aufzuspielen versucht. Fast schon kammerspielartig spielte er jede Partei gegeneinander aus und trieb nicht nur den leidenden Kommissar an seine Grenzen.

Trotz der düsteren Atmosphäre und der ausweglosen , fatalistischen Situation, in die sich der Kommissar Steier gestern begeben hat, wurde dennoch Abschied von Joachim Król genommen, und das in einer überraschend versöhnlichen und beinahe schon komödiantischen Szene, auf die an dieser Stelle natürlich nicht näher eingegangen werden kann, schließlich könnte es ja sein, dass der ein oder andere das sehenswerte Psycho-Drama gestern verpasst hat.

Fazit vom „Tatort: Das Haus am Ende der Straße“

Der „Tatort: Das Haus am Ende der Straße“ war ein würdiger Abschied für  Joachim Króls vergleichsweise kurzes Gastspiel im „Tatort“-Universum und betrat filmisch gesehen viel Neuland, das bislang nur selten in diesem Format zu sehen war. Der Kommissar ist hier keinesfalls der Held, sondern eine tragische Figur und die Story bezieht ihre Spannung nicht aus dem Rätselraten um den Mörder, sondern aus dem Verhalten seiner Protagonisten in Extremsituationen. Kinoreife Bilder, überzeugende Schauspieler und eine clevere Story mit leichten Horror-Elementen und einigen fiesen Wendungen haben dem mürrischen Einzelgänger und Unsympathen Steier ein würdiges, weil spezielles Ende beim Frankfurter „Tatort“ beschert.

Zu guter Letzt bleibt zu hoffen, dass auch in Zukunft wieder hochklassig am Main ermittelt wird und die nächsten Ermittler etwas länger am „Tatort“ verweilen, schließlich haben wir uns gerade erst an Herrn Steier gewöhnt und der spannende, weil ambivalente Charakter hätte sicherlich noch in mehr überzeugenden Geschichten als Cop der Marke einsamer Wolf eine gute Figur abgegeben.

Bis zum 01.03.2015 könnt Ihr euch den „Tatort: Das Haus am Ende der Straße“ ab 20 Uhr in der Mediathek der ARD anschauen. Hier ist eine Übersicht über alle aktuellen „Tatort-„Kommissare, ein „Tatort-Quiz“ haben wir auch für euch vorbereitet.

Tatort: Das Haus am Ende der Straße - Trailer deutsch.

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