Tatort Kritik: Das verkaufte Lächeln sorgt für Brisanz in München

Marek Bang

Zum Jahresabschluss wird es beim „Tatort“ brisant und es herrscht dicke Luft in München. Ob der gestrige „Tatort“ dennoch überzeugen konnte, erfahrt ihr bei uns. Hier kommt die aktuelle „Tatort“-Kritik von GIGA FILM zur Episode „Das verkaufte Lächeln“.

„Tatort“-Kritik: Das verkaufte Lächeln

Story

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Alle aktuellen Tatort-Kommissare im Überblick

In ihrem mittlerweile 69. (!) Fall bekommen es die altgedienten Münchner „Tatort“-Kommissare Ivo Batic (Miroslav Nemec) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) mit dem Mord an einem Teenager zu tun. Der erst vierzehn jährige Tim Kiener (Justus Schlingensiepen) wurde aus nächster Nähe mit einer Gaspistole erschossen, seine Leiche findet die Polizei am Ufer der Isar. Auf den ersten Blick scheint der junge Mann ein unauffälliges Leben geführt zu haben und war sogar als Entwickler von Apps neben der Schule ein smartes Computergenie, das keine Feinde gehabt zu haben schien.

Doch bei einem zweiten Blick hinter die scheinbar einwandfreie Kulisse kommt im „Tatort: Das verkaufte Lächeln“ ein völlig anderes Bild des jungen Mannes zum Vorschein und den schockierten Kommissaren entblättert sich eine abgründige virtuelle Welt, in die Tim Kiener tief eingetaucht war. Von seinen Eltern unbemerkt besserte sich der Teenager sein Taschengeld nämlich keinesfalls mit dem Programmieren irgendwelcher Apps auf, sondern bot sich und seinen Körper einem wachsenden Kundenkreis erwachsener Männer mit pädophilen Neigungen an. Er war auf einer kostenpflichtigen einschlägigen Webseite registriert und erfüllte per Webcam die Wünsche seiner Kunden, als Gegenleistung kauften diese ihm dann teure Geschenke. Batic und Leitmeyer und ihre Assistenten Kalli Hammermann (Ferdinand Hofer) und Christine Lerch (Lisa Wagner) konzentrieren ihre Ermittlungen sofort auf die zahlreichen Männer, deren Phantasien der junge Tim im Internet befriedigte und die ihm nun wohl zum Verhängnis wurden. Eine erste Spur führt zu dem Familienvater und Fußballtrainer Guido Buchholtz (Maxim Mehmet)…

Ermittler

Die beiden Junggesellen Ivo Batic und Franz Leitmeyer sind die alten Hasen im „Tatort“-Universum und ermitteln bereits seit dem Jahr 1991 und der ersten gemeinsamen Episode „Animals“ an der Isar. Ivo Batic hat kroatische Wurzeln und wurde in Zagreb geboren, sein Kollege und Freund hingegen ist ein waschechter Münchner. Dank zahlreicher herausragender Folgen wie etwa der mit dem Grimme Preis ausgezeichneten Episoden „Im freien Fall“ (2001) und  „Nie wieder frei sein“ (2011) bilden sie nicht nur die qualitative Speerspitze des „Tatorts“, sondern erfreuen sich auch beim Publikum hoher Beliebtheit. Die meisten Münchner „Tatorte“ sind ernsthafte Kriminalfilme und haben mit ihren mitunter arg komödiantischen Pendants wie etwa dem letzten Saarländer Weihnachts-„Tatort“ wenig gemein.

Dennoch weht auch in der Bayerischen Hauptstadt oft ein leiser Humor, was natürlich besonders an der guten Chemie zwischen den beiden Kommissaren liegt. Genau die scheint aber im Moment kräftig gestört zu sein, jedenfalls überraschte der gestrige Krimi-Abend mit einer deutlichen Entfremdung der beiden Ermittler, die sich sonst eigentlich gern mögen.

 Besondere Vorkommnisse

Die Affäre um den SPD-Politiker Sebastian Edathy, gegen den im Moment wegen Verdachts auf Besitz von kinderpornografischen Fotos und Videos ermittelt wird, hält Einzug im Münchener „Tatort“ und auch die Kommissare Batic und Leitmeyer stehen vor der schwierigen Frage, welche virtuellen Interaktionen nun am Rande der Illegalität stehen und welche diese Grenze bereits überschritten haben.

Neben der Brisanz des Falles gibt es aber noch weitere besondere Vorkommnisse, die nicht unerwähnt bleiben sollen. So scheint das Verhältnis zwischen den Ermittlern nachhaltig gestört zu sein und Franz Leitmeyer spricht sogar den irritierenden Satz Wir sind keine Freunde aus. Auch sonst ermittelte gestern jeder auf eigene Faust und wo zuvor meist Harmonie oder zumindest robust aber freundschaftlich ausgetragene Meinungsverschiedenheiten vorherrschten, regiert nun eine völlig unerwartete Eiszeit zwischen den Kommissaren, die den beiden Herren wenig gut zu Gesicht steht und für die es auch keinen fundierten Grund zu geben scheint.

Ebenfalls ungewöhnlich ist die Besetzung des Mordverdächtigen und pädophil veranlagten Guido Buchholtz mit Schauspieler Maxim Mehmet, den der geneigte „Tatort“-Fan sonst als fleißigen Kriminaltechniker Menzel aus dem Leipziger „Tatort“ mit Martin Wuttke und Simone Thomalla kennt.

Fazit

Nachdem Devid Striesow in seinem Weihnachtsspecial vor drei Tagen überraschender Weise deutlich über den zugegeben niedrigen Erwartungen ermittelte und seine bislang beste Vorstellung abliefern konnte, beweist der gestrige Münchner „Tatort“ ebenfalls, dass sich Erwartungshaltungen oft nicht bestätigen müssen. Doch diesmal liegt der Fall genau anders herum. Hauptsächlich dank der irritierenden schlechten Stimmung unter den Kommissaren fiel der „Tatort: Das verkaufte Lächeln“ hinter den früheren Episoden zurück und konnte die hohen Erwartungen nicht erfüllen.

Der gestrige „Tatort“ war aber mitnichten eine Enttäuschung auf ganzer Linie und vielleicht wäre die Kritik auch deutlich positiver ausgefallen, wenn ein anderes Team ermittelt hätte. Alle Schauspieler machten ihre Sache gut und Spannung kam ebenfalls genug auf, nur dieses gewisse Etwas, dass die Münchner Episoden wie etwa die grandiose Folge „Wir sind die Guten“ eigentlich ausmacht, fehlte diesmal, weil leider auf die einzigartige Chemie zwischen Udo Wachtveitel und Miroslav Nemec verzichtet wurde. Alles in allem also ein mehr als ordentlicher Jahresabschluss des „Tatort“, der für das kommende Jahr aber einen Wunsch offen lässt: Bitte, liebe Autoren, lasst Leiti und Ivo wieder Freunde sein!

 

Bis zum 04.01.2015 könnt Ihre Euch den „Tatort: Das verkaufte Lächeln“ ab 20 Uhr in der Mediathek der ARD anschauen. Hier ist  eine Übersicht über alle aktuellen „Tatort-„Kommissare.

Tatort: Das verkaufte Lächeln -Trailer deutsch.

 

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