Tatort Kritik: Der Château Mort schmeckt leider nur nach fader Brause

Marek Bang

In ihrem vorletzten Einsatz bekommt es Kommissarin Klara Blum mit Schwarzgeld und einem edlen Tröpfchen zu tun. Ob ihr das Weinchen auch bekommen ist, erfahrt ihr bei uns. Hier kommt die aktuelle „Tatort“-Kritik von GIGA FILM zur Episode „Château Mort„.

„Tatort“-Kritik: Château Mort

Story

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Alle aktuellen Tatort-Kommissare im Überblick

Bevor im  „Tatort“ am Bodensee mit der allerletzten Folge endgültig die Schlussklappe fällt, bekommt es Kriminalhauptkommissarin Klara Blum (Eva Mattes) in „Tatort: Château Mort“ mit einer neuartigen Form von Geldanlage in der Schweiz zu tun. Um weiterhin fleißig Schwarzgeld am deutschen Finanzamt vorbeizuschmuggeln sind Steuersünder auf eine neue Idee gekommen. Teuerste Weine, die sich die Schriftstellerin Annette von Droste-Hülshoff 1848 eigentlich anlässlich ihrer Hochzeit hinter die Binde kippen wollte, bringen im Schweizer Auktionshaus hunderte Tausend Euro ein und werden praktischer Weise vom Versteigerungshaus selbst fachgerecht gelagert.

Die Echtheit der erlesenen Weinkomposition wird allein von einem gewissen Herrn Lichius (Felix von Manteuffel) begutachtet, der sich auch sonst gern mal einen Schoppen gönnt. Der Thurgauer Polizei, allen voran Kommissar Matteo Lüthi (Roland Koch), kommen die Praktiken des Auktionshauses verdächtig vor und bald kreuzen sich ihre Ermittlungen mit denen von Blum und Perlmann (Sebastian Bezzel), denn auf der deutschen Seite des Bodensees wurde eine Leiche entdeckt. Bei dem Opfer handelt es sich um einen arbeitslosen jungen Mann, der ertränkt wurde. Besonders brisant ist jedoch der Fund in seinem Rucksack, denn der mittellose Einsiedler hatte einige besonders teure Weine im Gepäck…

Ermittler

Seit 2002 ermittelt die besonnene und warmherzige Kriminalhauptkommissarin Klara Blum am Bodensee und fischte gestern zum vorletzten Mal nach Leichen und Mördern im trüben Gewässer zwischen der Bundesrepublik und der Schweiz. An der Seite der früh verwitweten Ermittlerin rackert sich der ehrgeizige Kommissar Kai Perlmann ab, der seine Chefin ehrfürchtig siezt, sich aber von der mütterlichen Klara Blum konsequent duzen lässt. Der junge Mann lebt ein wenig über seine Verhältnisse, ist aber zum Ausgleich ein akribischer Arbeiter. Als Teamassistentin fungiert die von Klaras Blum liebevoll Beckchen genannte Annika Beck (Justine Hauer) und bildet zugleich die gute Seele des „Tatorts“ vom Bodensee.

In letzter Zeit interagiert die Kripo Konstanz immer häufiger mit dem Schweizer Ermittler Matteo Lüthi, einem raubeinigen Einzelgänger, der mit einem Geländewagen ausgestattet den markigen Schimanski-Verschnitt abgibt und somit einen Kontrastpunkt zur sanftmütigen Klara Blum darstellt. Gegensätze ziehen sich aber bekanntlich an und so fühlt sich die einsame Kommissarin zu ihrem Kollegen auch privat hingezogen, was in der gestrigen Episode „Tatort: Château Mort“ so deutlich wie noch nie zuvor herausgearbeitet wurde.

Besondere Vorkommnisse

Klara Blum hat nicht nur Geburtstag, sondern ist auch verliebt und zwar in ihren Kollegen aus der Schweiz. Bei einem nächtlichen Essen am Seeufer lässt sie ihren Gefühlen dann auch verhältnismäßig freien Lauf, was in dieser Form im Konstanzer „Tatort“ bis dato nicht zu vernehmen war. Ob ihre Bemühungen auf Gegenliebe stießen, lassen wir an dieser Stelle für alle Leserinnen und Leser, die am gestrigen Sonntag Abend nicht auf der heimischen Couch zum Mörder-Raten Platz nehmen konnten, unbeantwortet.

Ein weiteres besonderes Vorkommnis  des „Tatort: Château Mort“ ist seine historische Komponente, die sich auf das revolutionäre Jahr 1848 bezieht. Der Ausruf der Badischen Republik wird zwar nicht nachgestellt, dennoch sehen wir in Rückblenden einige Impressionen aus dem 19. Jahrhundert und einen über 150 Jahre zurückliegenden Mord, der bis heute nicht aufgeklärt werden konnte.

 Fazit

Der „Tatort“ vom Bodensee gehörte leider noch nie zur Speerspitze der deutschen Krimi-Unterhaltung am Sonntag Abend und auch die gestrige Episode konnte nicht dazu beitragen, dem Ermittler-Team in Zukunft besonders viele Tränen nachzuweinen. Das liegt ausdrücklich nicht an Eva Mattes, die eine verdiente und fähige Schauspielerin ist und ihren Part wie immer souverän meisterte und der verliebten Klara gar den ein oder anderen niedlich anmutenden Moment bescherte. Viel eher gehört die teils hanebüchene Story an den revolutionären Pranger gestellt sowie der ein oder andere Dialog, der wieder einmal munter zum Fremdschämen einlud. Auch die Idee, die Ereignisse aus dem Jahr 1848 mit einem gängigen „Tatort“-Soundtrack zu untermalen und sie in einer 08/15-Fernsehoptik zur Schau zu stellen, macht den „Tatort: Château Mort“ nicht wirklich zu einem TV-Ereignis.

Der einzige Lichtblick im trüben Dickicht des Konstanzer Tatorts ist dann auch in einer winzigen Nebenrolle zu finden. Moritz Leu begrüßt als Internet-Café Betreiber Ignatz Popp den wie immer hölzernen Kommissar Perlmann mit Dieter Hallervordens Palim Palim und sorgt für ein kleines Schmunzeln. Wenn dieser Gag aber schon der Höhepunkt eines „Tatorts“ ist, dürfte klar sein, dass der teure „Château Mort“ seinen Preis nicht wirklich wert war.

 

Bis zum 15.02.2015 könnt Ihr euch den „Tatort: Château Mort“ ab 20 Uhr in der Mediathek der ARD anschauen. Hier ist eine Übersicht über alle aktuellen „Tatort-„Kommissare, ein „Tatort-Quiz“ haben wir auch für euch.

Tatort: Chateau Mort - Trailer deutsch.

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