Tatort Kritik: Der fränkische Himmel ist (k)ein Platz auf Erden

Marek Bang

Nach Jahren des Wartens haben die Franken endlich ihren ersten „Tatort“ bekommen. Fabian Hinrichs ermittelt seit gestern an der Seite von Dagmar Manzel. Ob das neue Team überzeugen konnte, erfahrt ihr wie immer bei uns. Hier kommt die aktuelle „Tatort“-Kritik von GIGA FILM zur Episode „Der Himmel ist ein Platz auf Erden„

„Tatort“-Kritik: „Der Himmel ist ein Platz auf Erden

Story von „Tatort: Der Himmel ist ein Platz auf Erden“

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Alle aktuellen Tatort-Kommissare im Überblick

Kriminalhauptkommissar Felix Voss (Fabian Hinrichs) beginnt seinen Dienst als Nürnberger  „Tatort“ - Kommissar und wird direkt ins kalte Wasser geworfen. Noch nicht mal seine Möbel kann er von der Speditionsfirma abholen, denn Mörder kennen keine Eingewöhnungsphase und so trifft der Ermittler seine neuen Kollegen nicht bei Kaffee und Kuchen, sondern in einem Waldstück am Rande der fränkischen Metropole. Dort liegt die Leiche vom Erlanger Professor Christian Ranstedt, seines Zeichens verheirateter Familienvater und höchst angesehenes Mitglied der Gesellschaft. Doch die beiden Kopfschüsse, mit denen der Tote in seinem Wagen regelrecht hingerichtet wurde, fielen zu einem Zeitpunkt, in dem sich der feine Herr im Liebesspiel mit einer Unbekannten befand.

Felix Voss und seine neue Kollegin Paula Ringelhahn (Dagmar Manzel) haben im „Tatort: Der Himmel ist ein Platz auf Erden“ kaum Zeit, sich näher kennen zu lernen und müssen zunächst der schockierten Witwe Julia Ranstedt (Jenny Schily) die traurige Nachricht vom Ableben ihres Mannes mitteilen. Besonders hart trifft die verstörte Frau und ihre Kinder natürlich die amouröse Vergangenheit von Christian Ranstedt, in die auch Nachbarin Charlotte Pahl (Ulrike C. Tscharre) verstrickt zu sein scheint. Ein Mord aus Eifersucht ist also durchaus denkbar, doch Polizeipräsident Dr. Kaiser (Stefan Merki) schließt auch eine politisch motivierte Tat nicht aus, da es bei der Forschung des toten Professors um brisante militärisch relevante Themen ging. Der unter Strom stehende Chefermittler befürchtet einen Skandal und bittet seinen neuen Angestellten Voss um Zurückhaltung, doch der hat schnell von seiner forschen und impulsiven Kollegin Paula gelernt, sich nichts sagen zu lassen.

Ermittler im „Tatort: Der Himmel ist ein Platz auf Erden“: Fabian Hinrichs und Dagmar Manzel

Im Münchner „Tatort“  glänzte Fabian Hinrichs bereits als weltfremder Sonderling Gisbert Engelhardt und ging seinen kurzzeitigen Kollegen Batic und Leitmayr gehörig auf den bajuwarischen Nerv. Die Zuschauer fanden Hinrichs jedoch weitestgehend großartig und so durfte der Schauspieler gestern als Kriminalhauptkommissar Felix Voss in seinem ersten eigenen „Tatort“ auf den Bildschirm zurückkehren. Ähnlich wie  Gisbert Engelhardt ist Felix Voss ein etwas kauziger Charakter, der mit einer unerschrockenen und direkten Art ausgestattet ist, die ihm schnell die Sympathie seiner Kollegin Paula Ringelhahn sichert. Die Kommissarin selbst ist eine Querulantin und wurde schon mehrfach abgemahnt, außerdem hat sie ein Problem an der Schusswaffe, was wohl noch in späteren Folgen des neuen fränkischen Ermittler-Teams zur Geltung kommen wird. 

Genauso wie Felix Voss, der von irgendwo an der Küste stammt, ist auch Paula Ringelhahn keine gebürtige Fränkin, sondern aus den neuen Bundesländern zugezogen. Für die regionale Erdung sorgen daher die Kollegen Wanda Goldwasser (Eli Wasserscheid) und Sebastian Fleischer (Andreas Leopold Schadt). Als Kommissare sind sie den ranghöheren Hauptkommissaren Voss und Ringelhahn unterstellt und vervollständigen daher als Assistenten das neu geschaffene fränkische Quartett aus dem Großraum Nürnberg.

Besondere Vorkommnisse im „Tatort: Der Himmel ist ein Platz auf Erden“

Bei einem „Tatort“- Einstand ist ein besonderes Vorkommnis natürlich schwerer auszumachen als bei bereits etablierten Ermittlern und so bleibt diese Sparte heute ein wenig spekulativ. Auffallend ist jedenfalls die ausgesprochen schnell gefundene und stimmige Chemie zwischen den beiden Hauptkommissaren, die sich auf Anhieb zu mögen scheinen. Hier weicht der gestrige „Tatort: Der Himmel ist ein Platz auf Erden“ deutlich von seinen Pendants wie etwa dem ersten Einsatz der neuen Berliner „Tatort“-Ermittler ab. Bei dem Choleriker von Polizeipräsident ist die rasche Verbrüderung der neuen Kollegen aber auch dringend nötig.

Eine weitere Besonderheit des gestrigen „Tatorts“ ist seine elegische Bildsprache, die bisweilen recht kinoreif anmutet und dem gesamten Fall eine schöne und eigenständige Atmosphäre sichert und neben den guten schauspielerischen Leistungen ein Highlight von „Der Himmel ist ein Platz auf Erden“ darstellt.

Fazit vom „Tatort: Der Himmel ist ein Platz auf Erden“

Es gibt eine gute und eine schlechte Nachricht bezüglich des gestrigen „Tatorts“ zu vermelden. Zunächst die schlechte: Die Story ist so derb hanebüchen geraten, dass es einem beim Zuschauen glatt die Fußnägel hochklappt. Verdächtige tauchen aus dem Nichts auf und verschwinden wieder, Theorien werden lautstark in die Kamera gebrüllt und gleich verworfen und der rote Faden verliert sich irgendwo im Niemandsland zwischen Erlangen und Nürnberg.

Nun die gute Nachricht: Fabian Hinrichs knüpft mit seiner Performance genau dort an, wo er in München aufgehört hat und überzeugt auf ganzer Linie, was übrigens in gleichem Maße für seine Kollegin Dagmar Manzel gilt. Das neue Ermittler-Team ist neben der gelungenen atmosphärischen Umsetzung des „Tatorts“ unbestritten das Highlight und macht definitiv Lust auf mehr. Von daher bleibt zum Schluss nur ein Wunsch übrig: Bitte den Kommissaren beim nächsten Mal eine vernünftige Geschichte zukommen lassen, dann könnte sich der fränkische Beitrag zu einem Höhepunkt der „Tatort“-Reihe entwickeln.

Bis zum 19.04.2015 könnt ihr euch den „Tatort: Der Himmel ist ein Platz auf Erden“ ab 20 Uhr in der Mediathek der ARD anschauen. Hier ist eine Übersicht über alle aktuellen „Tatort-„Kommissare, ein „Tatort-Quiz“ haben wir auch für euch vorbereitet.

 

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