Tatort Kritik: Der Maulwurf verbuddelt die Spannung in Erfurt

Marek Bang

Bei der Erfurter Polizei treibt ein Maulwurf sein Unwesen und die Polizei-Chefin wird Opfer einer Entführung. Ob dieser Plot für einen gelungenen Krimi reicht, erfahrt ihr bei uns. Hier kommt die aktuelle „Tatort“-Kritik von GIGA FILM zur Episode „Der Maulwurf“.

„Tatort“-Kritik: Der Maulwurf

Story

Bilderstrecke starten(20 Bilder)
Alle aktuellen Tatort-Kommissare im Überblick

In ihrem zweiten „Tatort“-Einsatz bekommen es die jungen Erfurter Kommissare Funck (Friedrich Mücke), Schaffert (Benjamin Kramme) und Grewel (Alina Levshin) mit einem Gefängnisausbrecher zu tun. Der heißt Timo Lemke (Werner Daehn) und steht kurz vor seiner Entlassung. Dennoch nutzt er seinen Freigang nicht wie abgesprochen zum Besuch der Beerdigung seines Vaters sondern zu einer brutalen Flucht, bei der ein Polizist ums Leben kommt. Während die Ermittler fieberhaft nach dem flüchtigen ehemaligen Menschenhändler und Rotlichtkönig Lemke fahnden, wird die Kriminaldirektorin Petra Fritzenberger (Kirsten Block) entführt. Sie hat Timo Lemke vor Jahren überführt und hinter Gitter gebracht.

Schnell sind alle Ermittler davon überzeugt, dass nur Lemke für die Entführung verantwortlich sein kann und besonders Kriminaldirektor Volker Römhild (Christian Redl) warnt eindringlich vor der Brutalität des flüchtigen Straftäters, der vor über 10 Jahren einen Maulwurf bei der Polizei installiert hatte, was seine Festnahme einst so schwierig machte. Der ehemalige Polizist Ingo Konzack (Oliver Stokowski) wurde damals als Informant überführt, verlor seinen Job und wurde ebenfalls für einige Jahre inhaftiert. Gerade als Funck und sein Team den mittlerweile als Wachmann arbeitenden Konzack näher ins Visier nehmen, steht Timo Lemke plötzlich mit geladener Pistole in der Wohnung von Kriminaldirektor Römhild…

Ermittler

Erst seit November 2013  und der Episode „Kalter Engel“ ermittelt das junge Trio in Erfurt und die heutige Folge ist der zweite „Tatort“ aus der Thüringer Landeshauptstadt. Auch altersmäßig sind die Kommissare das jüngste Ermittler-Team des „Tatort“-Universums. Chef der jungen Wilden ist Harry Funck, der in seiner lässigen und doch zielstrebigen Art bisweilen an seinen Stuttgarter Kollegen Bootz (Felix Klare) erinnert und ebenso wie der Kommissar aus dem Schwabenländle mit privaten Problemen zu kämpfen hat. Funk ist alleinerziehender Vater einer zehnjährigen Tochter, nachdem ihn seine Frau verlassen hat und findet (noch) nicht die richtigen Worte, um seine attraktive Nachbarin etwas näher kennen zu lernen.

Sein Partner Schaffert ist eher der draufgängerische Typ, der nur dann am Schreibtisch verweilt, wenn es unbedingt nötig ist und ansonsten den Typus des ruppigen Straßen-Cops bedienen soll, der in seiner Freizeit schon mal beim Heimspiel des FC Rot-Weiss-Erfurt am lautesten im Stadion zu hören ist. Dritte im Bunde ist die junge Johanna Grewel, eigentlich Juristin, die in der ersten Episode aus Erfurt noch den Status einer Praktikantin inne hatte und die erst seit gestern als gleichberechtigtes Mitglied des Trios ermitteln darf.

Besondere Vorkommnisse

Personell ist das größte besondere Vorkommnis die Tatsache, dass Johanna Grewel nun nicht mehr Deutschlands einzige „Tatort“-Praktikantin ist, sondern quasi über Nacht in den Status einer waschechten Kommissarin gehievt wurde. Ob auch im wahren Leben ein Jurist einfach so Polizei-Kommissar werden kann, sei an dieser Stelle mal dahingestellt. Besondere Realitätsnähe oder Authentizität waren schon in der ersten Erfurter Episode nicht gerade prominent vertreten und auch der gestrige Fall reiht sich da nahtlos ein.

Das Team ist noch nicht eingespielt und auch die Vorgesetzten, die diesmal in den näheren Fokus rücken, sind nicht in der Form etabliert, als dass der Zuschauer ausschließen könnte, dass einer von ihnen der ominöse Maulwurf sein könnte. Die Möglichkeit eines  (Mit-)Täters in den eigenen Reihen ist dann auch die spannendste Komponente des gestrigen Erfurter „Tatorts“.

Fazit

Die krude Story um Rache, Entführung und Korruption ist an sich gar nicht mal so schlecht gewesen und hätte in einer vernünftigen Bearbeitung durchaus einen knackigen „Tatort“ ergeben können. Doch Erfurt ist leider nicht München oder Köln und so ist der „Tatort: Der Maulwurf“ zwar kein kompletter Reinfall geworden, aber leider doch weit unter dem üblichen Durchschnitt am sonntäglichen Krimi-Abend zurückgeblieben. Das liegt hauptsächlich an der mangelnden Harmonie im Team und Dialogen zum Fremdschämen. Was sich die Kindergarten-Cops so alles zwischendurch erzählen ist nach wie vor leider nur unfreiwillig komisch.

Wirkliche Spannung mag sich in Thüringen auch nur phasenweise einstellen, dazu stolpern die Herren zu sehr von einem Tatort zum nächsten und das Ganze wirkt mehr wie eine Aneinanderreihung von Ereignissen als ein homogener Krimi mit rotem Faden. Bleibt am Ende also nur die Hoffnung auf Besserung, denn Potenzial ist auch in Erfurt grundsätzlich vorhanden und wenn sich die verantwortlichen Autoren einmal entscheiden, in welche Richtung sich der Erfurter „Tatort“ in Zukunft entwickeln soll und die Figuren auch wirkliche Konturen bekommen, kann es vielleicht im dritten Anlauf etwas werden mit vernünftiger Krimi-Kost aus dem schönen Thüringen.

Bis zum 28.12.2014 könnt Ihre Euch den „Tatort: Der Maulwurf“ ab 20 Uhr in der Mediathek der ARD anschauen. Hier ist  eine Übersicht über alle aktuellen „Tatort-„Kommissare.

Tatort: Der Maulwurf - Trailer deutsch.

 

Zu den Kommentaren

Kommentare zu diesem Artikel

* Werbung