Tatort Kritik: Der sanfte Tod in der niedersächsischen Wurstfabrik

Marek Bang

Nach zwei Jahren Pause ist Charlotte Lindholm alias Maria Furtwängler wieder da und es geht gleich um die Wurst. Der niedersächsische „Tatort“ betritt aber nicht nur in dieser Angelegenheit Neuland. Erfahrt mehr in der aktuellen „Tatort“-Kritik von GIGA FILM zur Episode „Der sanfte Tod“.

„Tatort“-Kritik: Der sanfte Tod

Story

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Alle aktuellen Tatort-Kommissare im Überblick

Nach einer fast genau zweijährigen Pause feiert Hauptkommissarin Charlotte Lindholm mit der „Tatort“ -Episode „Der sanfte Tod“ ihr Comeback und bekommt es mit dem mächtigen Fleischfabrikanten Jan-Peter Landmann (Heino Ferch) zu tun. Der joviale Patriarch plant gerade ein neues Wurstprodukt für Kinder, da entgeht er nur durch Zufall einem Mordanschlag. Sein Leben verdankt er scheinbar einem banalen Zufall: Weil ihm sein Chauffeur Carlito zu langsam fuhr, tauschten die beiden die Plätze und so müssen die LKA-Ermittlerin Lindholm und die lokale Kommissarin Bär (Bibiana Beglau) der schockierten Mutter des Chauffeurs die traurige Mitteilung machen, dass ihr Sohn eines gewaltsamen Todes gestorben ist.

Obwohl ihr Sohn bald Geburtstag hat, quartiert sich die Hannoveranerin Lindholm einmal mehr in der ländlichen niedersächsischen Provinz ein und beginnt, sich die Geschäfte des Wurst-Imperiums näher anzuschauen. Schnell wird klar, dass der undurchsichtige Landmann bereits zahlreiche Drohbriefe erhalten hat und in dem Familienunternehmen eine merkwürdige Atmosphäre herrscht. Nachdem der Firmenchef einem weiteren Anschlag nur knapp entgeht, steht plötzlich eine Reihe dubioser Wachmänner von Jan-Peter Landmann vor der Kommissarin, die sich als Personenschützer mit zweifelhaften Methoden entpuppen. Als die Mutter des toten Chauffeurs dann auch noch eine hohe Abfindung erhält, wachsen bei Charlotte Lindholm Zweifel, ob der Anschlag tatsächlich Landmann galt. Doch dieser hat einflussreiche Freunde und die Arbeit der Kommissarin wird an allen Enden von allerhöchster Stelle behindert.

Ermittler

Hauptkommissarin Charlotte Lindholm arbeitet für das Landeskriminalamt und ist seit 2002 in ganz Niedersachsen unterwegs. Sie arbeitet meist allein und wird zur Unterstützung der lokalen Kommissariate entsandt, um die besonders brisanten Fälle in Norddeutschland zu lösen. Dies führt oft dazu, dass sich ihre Kollegen bevormundet fühlen und nur wiederwillig mit der bisweilen kühlen und resoluten Kommissarin zusammenarbeiten.

Charlotte Lindholm ist Mutter eines Sohnes, der einer kuren Urlaubs-Affäre entsprungen ist und lebte in den ersten Episoden mit ihrem Mitbewohner Martin (Ingo Naujoks) in einer WG, die der Romanautor jedoch eines Tages ohne Vorankündigung verlassen hat. Dass die Kommissarin nur vordergründig ein reserviertes Arbeitstier ist, das keinen Menschen an sich heran lässt, sondern sich hinter ihrer herber Fassade auch ein einfühlsamer Mensch verbirgt, wurde auch im gestrigen Fall „Der sanfte Tod“ an vielen Stellen deutlich, etwa als sie ihrer unerfahrenen Kollegin Bär zur Hilfe eilte, als diese von ihren eigenen untergebenen Mitarbeitern verspottet wurde.

Besondere Vorkommnisse

Maria Furtwängler ermittelt nun bereits seit 12 Jahren in Hannover und Umgebung, machte sich in der letzten Zeit jedoch etwas rar und verfolgte andere Projekte. Ganze zwei Jahre mussten „Tatort“-Fans auf die Rückkehr von Charlotte Lindholm warten und wurden gestern Abend mit einer völlig neuen Bandbreite in der ansonsten eher tragischen und spröden „Tatort“- Variante aus dem Norden Deutschlands für die lange Wartezeit entschädigt. Im „Tatort: Der sanfte Tod“ ging es für Charlotte Lindholms Verhältnisse gestern nämlich erstaunlich humorvoll und bissig zur Sache - ansonsten nicht gerade ein charakteristisches Merkmal im Niedersachsen-„Tatort“. Bestes Beispiel war die dank der unbedarften Kommissarin Bär missratene Überbringung der Nachricht vom Tod des Sohnes an dessen Mutter, bei der dem Zuschauer das Lachen im Halse stecken blieb.

Heino Ferch baggerte in seiner Rolle des schmierigen Unternehmers Landmann ordentlich an der kühlen Kommissarin, was für zusätzliche Glanzpunkte im „Tatort: Der sanfte Tod“ sorgte, da man sich nie so recht sicher sein konnte, wie weit sich die Kommissarin auf das Spielchen einlässt und ob sie der Charme-Offensive in einem schwachen Moment nicht doch noch erliegen könnte.

Fazit

Schwarzer Humor und skurrile Figuren sorgten am gestrigen Krimi-Abend für eine erfolgreiche Verjüngungskur des Lindholm-„Tatorts“ und wurden zum Glück von Regisseur und Drehbuchautor Alexander Adolph geschickt dosiert, sodass die Spannung niemals unter der frischen Brise leiden musste. Der Fall an sich lehrt uns, dass Fleisch im Gegensatz zu Champagner demokratisch ist und daher für alle Konsumenten zu billigen Preisen zur Verfügung stehen müsse, egal, was das letztendlich für die Gesundheit von Mensch und Tier bedeutet.

Alle Darsteller waren überzeugend, auch der einst als deutscher Bruce Willis für Arme belächelte Heino Ferch durfte zeigen, dass ein veritabler Schauspieler in ihm steckt und Bibiana Beglau ist eine echte Entdeckung. Insgesamt war „Tatort: Der sanfte Tod“ vielleicht nicht die beste Folge des Jahres, findet sich aber weit über dem Durchschnitt wieder. Im Blick auf die letzten beiden Episoden, die in diesem Jahr noch ausgestrahlt werden, bleibt die Vermutung, das Highlight der Advents-Saison gestern Abend gesehen zu haben, denn die Erfurter Jung-Kommissare und Devid Striesow als skurriler Cop aus dem Saarland konnten bislang nicht überzeugen und bilden etwas überraschend in den nächsten zwei Wochen den Jahresabschluss.

Bis zum 14.12.2014 könnt Ihre Euch den „Tatort: Der sanfte Tod“ ab 20 Uhr in der Mediathek der ARD anschauen. Hier ist  eine Übersicht über alle aktuellen „Tatort-„Kommissare.

Tatort: Der sanfte Tod - Trailer deutsch.

 

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