Tatort Kritik: Die so spannende wie abstruse Wiederkehr nach Bremen

Marek Bang

Inga Lürsen wird im „Tatort: Die Wiederkehr“ mit einem Fall aus der Vergangenheit konfrontiert und muss sich fragen, ob sie für das Unglück einer gesamten Familie verantwortlich ist. Hier kommt die aktuelle „Tatort“-Kritik von GIGA FILM zur Episode „Die Wiederkehr„.

„Tatort“-Kritik: Die Wiederkehr

Story vom „Tatort: Die Wiederkehr“

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Alle aktuellen Tatort-Kommissare im Überblick

 Vor zehn Jahren verschwand die kleine Fiona Althoff und die Bremer  „Tatort“-Kommissare Inga Lürsen (Sabine Postel) und Nils Stedefreund (Oliver Mommsen) ermittelten drei Monate lang vergeblich, bis sie ihre Bemühungen einstellen mussten. Der Hauptverdächtige war Fionas Vater, der bereits zuvor öfters durch Alkoholexzesse und Verletzungen der Sorgepflicht aufgefallen ist. Inga Lürsen nahm ihn im Verhör hart ran und einige Zeit später beging der verzweifelte Familienvater Selbstmord. Dementsprechend ungern ist die Polizistin im Hause Althoff gesehen, auch als plötzlich im „Tatort: Die Wiederkehr eine junge Frau (Gro Swantje Kohlhof) auftaucht, die behauptet, Fiona zu sein.

Die sichtlich verstörte junge Frau spielt ihre Rolle nahezu perfekt und besonders ihr vermeintlicher Bruder (Levin Liam) ist überglücklich, seine Schwester wieder zu haben. Doch Inga Lürsen bleibt skeptisch und verlangt nach einem DNA-Test. Dieser beweist zu ihrer Verwunderung, dass es sich bei dem Teenager wirklich um die vermisste Fiona handelt. Hat sich die Kommissarin etwa vor zehn Jahren völlig verrannt und eine ganze Familie ins Unglück gestürzt? Inga leidet und muss sich auch noch einer internen Untersuchung stellen. Derweil macht sich ihr Kollege Stedefreund auf die Suche nach Spuren aus Fionas Vergangenheit und versucht herauszufinden, was mit dem Mädchen passiert ist. Während er eine grausame Entdeckung macht, kommen Fionas Schwester (Amelie Kiefer) Zweifel an Fionas Identität, zumal sich die junge Frau nicht an ein elementares Ereignis ihrer scheinbar gemeinsamen Kindheit erinnern kann.

Ermittler im „Tatort: Die Wiederkehr“: Inga Lürsen und Nils Stedefreund

Die Bremer Hauptkommissarin Inga Lürsen ist durch und durch Polizistin und investiert viel Leidenschaft in ihren Beruf. Sie trägt das Herz auf dem rechten Fleck und manchmal auch auf der Zunge, womit sie sich auch das ein oder andere Mal gehörig Ärger mit ihren Vorgesetzten einhandelt. Auch nicht immer leicht ist ihr Verhältnis zur erwachsenen Tochter Helen (Camilla Renschke), die ebenfalls Polizistin ist. An der Seite von Inga Lürsen ermittelt Nils Stedefreund, der kurzfristig mit Helen eine Affäre hatte, was für einige Spannungen sorgte. Mittlerweile hat sich das Team aber wieder beruhigt und trotz manchmal gegensätzlicher Ansichten verläuft die Ermittlungsarbeit kollegial und freundschaftlich.

In Bremen wird nicht mit spektakulären Fällen gegeizt und die 2004 entstandene Episode „Abschaum“ stellte mit 14 Toten einen Leichenrekord auf, der einige Jahre bestand hatte. Auch aktuelle gesellschaftliche Probleme finden öfter ihren Weg in den „Tatort“ an der Weser, etwa in der Folge, „Der illegale Tod“, die sich 2011 mit der Situation afrikanischer Flüchtlinge auf ihrem gefährlichen Weg nach Europa beschäftigte.

Besondere Vorkommnisse im „Tatort: Die Wiederkehr“

Die Chance, dass ein verschwundenes Kind nach zehn Jahren einfach so wieder auftaucht, ist verschwindend gering, sagt Inga Lürsen gleich zu Beginn des gestrigen „Tatorts “ von der Weser. Daher sind auch nach dem DNA-Test nicht alle Zweifel beseitigt und die Kommissarin fragt sich, warum die Familie die Polizei derart raffiniert täuschen sollte. Hier rückt besonders die Mutter (Gabriela Maria Schmeide) in den Vordergrund und der „Tatort: Die Wiederkehr“ entwickelt sich stellenweise zu einem packenden Psycho-Duell zwischen den beiden Frauen.

Weitere besondere Vorkommnisse sind natürlich die dem Fall geschuldeten Selbstzweifel der Ermittler, die jedoch schnell der aktuellen Ermittlungsarbeit weichen müssen. Diese schlagen einen weiten Bogen vom Familien-zum Missbrauchs-Drama und Regisseur Florian Baxmeyer spart nicht mit kurzen Schockmomenten, die sich wie Nadelstiche über die wendungsreiche Geschichte verteilen. Garniert wird der zunehmend überladene Thriller dann noch mit einer kleinen Referenz an „Breaking Bad“. Der ausgebrannte Campingwagen, in dem Fiona vermeintlich Jahre lang missbraucht wurde, sieht Walter Whites erster fahrbarer Methküche schon verdammt ähnlich.

Fazit vom „Tatort: Die Wiederkehr“

Im „Tatort“ aus Bremen geht es oft recht grell und bisweilen schrill zur Sache, beispielsweise in der grandiosen, an einen Science-Fiction-Thriller erinnernden Episode „Requiem“ aus dem Jahr 2005. Dort glaubte der Zuschauer für einen langen Augenblick, Inga Lürsen sei bei einer Explosion ums Leben gekommen. Auch im gestrigen „Tatort“ ist lange nicht klar, ob die vermisste Fiona nun tot ist oder tatsächlich als Teenager nach einem jahrelangen Martyrium wieder lebendig bei ihrer Familie aufgetaucht ist. Doch während „Requiem“ zwar unrealistisch war, vermochte der damalige „Tatort“ bis zur letzten Sekunde zu fesseln, was gestern leider nicht immer der Fall war. Dafür rissen die Drehbuchautoren Matthias Tuchmann und Stefanie Veith einfach zu viele Baustellen auf und überfrachteten den „Tatort: Die Wiederkehr“ mit zu vielen, letztlich nicht zu Ende erzählten Handlungssträngen.

Mystery-Thriller, Schuld und Sühne-Tragödie und Missbrauchs-Drama sind selbst für den Bremer „Tatort“ zu viel des Guten. So war der „Tatort: Die Wiederkehr“ zwar über weite Strecken spannend, mit zunehmender Spieldauer aber gleichzeitig immer abstruser und hanebüchener. Bei Ingas nächstem Einsatz an der Weser darf es daher gern etwas plausibler zugehen, denn nur rasantes Tempo und schöne Bilder machen leider noch keinen gelungenen Sonntag-Abend-Krimi aus. Ein bisschen nachvollziehbar sollten die Handlungen der ganzen schillernden Figuren dann doch sein.

Bis zum 22.03.2015 könnt ihr euch den „Tatort: Die Wiederkehr“ ab 20 Uhr in der Mediathek der ARD anschauen. Hier ist eine Übersicht über alle aktuellen „Tatort-„Kommissare, ein „Tatort-Quiz“ haben wir auch für euch vorbereitet.

Tatort: Die Wiederkehr - Trailer deutsch.

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