Tatort Kritik: Die Sonne stirbt wie ein Tier & Lena muss wieder leiden

Marek Bang

Lena Odenthal bricht ihre Therapie ab und ermittelt gegen einen unheimlichen Pferderipper. Ob sich ihr mittlerweile 61. „Tatort“-Einsatz gelohnt hat, erfahrt ihr bei uns. Hier kommt die aktuelle „Tatort“-Kritik von GIGA FILM zur Episode „Die Sonne stirbt wie ein Tier„.

„Tatort“-Kritik: Die Sonne stirbt wie ein Tier

Story

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Alle aktuellen Tatort-Kommissare im Überblick

Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) erholt sich nach ihrem Burnout auf dem Land außerhalb von Ludwigshafen. Es sind erst drei Wochen vergangen, seit sie ihre Reha angetreten hat, dennoch geht es langsam bergauf, was auch am einfühlsamen Therapeuten Tim (Peter Benedict) und den langen Jogging-Ausflügen durch die umliegenden Wälder liegt. Doch weil wir uns immer noch im sonntäglichen „Tatort“ - Universum bewegen, dauert es nicht lange, bis die erste Leiche die ländliche Idylle vergessen macht. Bei dem Toten handelt es sich um einen Tierpfleger, der auf einem Pferdehof in der Nähe erstochen wurde. Ein Streifenpolizist bittet Lena um ihre Mithilfe, obwohl ihr Kollege Mario Kopper (Andreas Hoppe) und ihre Vertretung Johanna Stern (Lisa Bitter) ebenfalls vor Ort ermitteln.

Der Tote ist nicht das einzige Verbrechensopfer an diesem Morgen, wie die sichtlich betroffene Lena bald feststellen muss. Ein Pferd wurde misshandelt und kann nur noch durch einen Gnadenschuss von seinen Qualen erlöst werden. Niemand von der örtlichen Polizei fühlt sich verantwortlich und so übernimmt die eigentlich krank geschriebene Kommissarin die Aufgabe und gibt somit den Startschuss für ihr berufliches Comeback ab. Ihre Rückkehr hängt maßgeblich mit dem Besuch von Gutsbesitzerin Silvia Magin (Alma Leiberg) zusammen, die Lena durch ihre Panik-Attacken an ihre eigenen Probleme erinnert, was bei der Kommissarin naturgemäß dazu führt, dass sie der verunsicherten Frau gern helfen würde. Hilfe braucht auch der seltsame Gerd Holler (Ben Münchow), der bereits seit längerem unter Verdacht steht, als Pferderipper sein Unwesen zu treiben und unschuldige Tiere zu quälen. Hat der junge Mann auch den Tierpfleger erstochen oder muss Lena gleich zwei Täter dingfest machen?

Ermittler

Kriminalhauptkommissarin Lena Odenthal ist die dienstälteste Ermittlerin im Tatort-Universum und feierte vor drei Monaten in der überraschend herben Folge „Tatort: Blackout“ ihr 25-jähriges Dienstjubiläum, das in einem Burnout der emotional stark engagierten Ermittlerin endete. Die gestrige Episode „Tatort: Die Sonne stirbt wie ein Tier“ ist der bereits 61. „Tatort“-Einsatz der taffen Kommissarin, die sich regelmäßig tief in ihre Fälle hineinkniet und nun die Quittung für ihr arbeitsreiches Leben ins Drehbuch geschrieben bekommen hat.

An Lenas  Seite ermittelt der Deutsch-Italiener Mario Kopper, ein Gemüts- und Genussmensch, dessen größter Stolz sein fast vierzig Jahre alter Fiat 130 ist. So unterschiedlich die beiden Kommissare auch sind, sie mögen sich gern und teilen sich sogar eine gemeinsame Wohnung. Das führt natürlich regelmäßig  dazu, dass die beiden auch nach Feierabend weiter ermitteln, oft bei einem von Kopper zubereiteten Abendessen und einer guten Flasche Wein aus Italien.

Besondere Vorkommnisse

Lena Odenthals Dienstjubiläum überraschte im vergangenen Oktober mit dem ausgewachsenen Burnout der Kommissarin und auch in der gestrigen Episode „Tatort: Die Sonne stirbt wie ein Tier“ ist Lena noch nicht wieder ganz die alte. Erfreulicherweise geht Drehbuchautor Harald Göckeritz auf die Ereignisse aus „Blackout“ ein, so dass auf den ersten Blick eine gewisse Glaubwürdigkeit aufrecht gehalten werden kann. Die Art und Weise, wie die Ermittlerin aber aus ihrer Reha-Maßnahme von einem Dorfpolizisten abgeholt wird, obwohl ihr Kollege Kopper eigentlich alles im Griff hat, macht in Punkto Logik leider rasch wieder alles zu Nichte.

Dennoch bleibt die Ermittlerin auch in ihrem neuen Fall mit sich selbst beschäftigt und eröffnet ihrem Freund und Kollegen, dass sie aus der gemeinsamen Wohnung ausziehen möchte. Das ist natürlich das größte besondere Vorkommnis des gestrigen Abends, zumal Lena ihren Mitbewohner ausnahmsweise nicht Kopper nennt, sondern wiederholt mit dem Vornamen anspricht, was sie ansonsten so gut wie niemals tut. Ob in dieser Angelegenheit allerdings schon das letzte Wort gesprochen wurde, bleibt offen, da ein späteres Gespräch noch ein Hintertürchen für eine gemeinsame Zukunft - auch abseits des Ludwigshafener Polizeireviers - offen hält.

Fazit

Das Krimi-Jahr 2015 startete mit der Comedy-Variante „Der Irre Iwan“ mit Nora Tschirner und Christian Ulmen furios. Leider konnten die regulären „Tatort“-Ausgaben bislang noch nicht vom Weimarer Schwung profitieren und bewegten sich im Niemandsland irgendwo zwischen solide und annehmbar. Der gestrige Fall machte leider keine Ausnahme, auch wenn er über einige starke Momente verfügte und mit durchaus interessanten Figuren aufwarten konnte. Allen voran lieferte Ben Münchow als gepeinigte Seele eine furiose Leistung ab, die definitiv Lust auf mehr vom Newcomer macht und auch Lisa Charlotte Friederich vermochte als dessen Objekt der Begierde zu überzeugen.

Einen Strich durch die Rechnung machte jedoch der etwas holprige Anfang, der leider nicht plausibel erklären konnte, warum Lena Odenthal nun unbedingt wieder ermitteln muss, anstatt sich in der ländlichen Idylle von ihrem Berufsalltag zu erholen. Auch das Tempo ließ an der ein oder anderen Stelle zu wünschen übrig und warum Lena und Kopper zum Finale trotz Vorahnung ohne Blaulicht im eher gemütlichen Modus mehr cruisen als rasen, bleibt ein Geheimnis der Autoren. „Die Sonne stirbt wie ein Tier“ hat nicht wirklich enttäuscht und war auch beileibe kein Fiasko, von einem wirklichen Highlight war der Fall jedoch so weit weg wie Mario Kopper von seiner italienischen Heimat.

Bis zum 25.01.2015 könnt Ihre Euch den „Tatort: Die Sonne stirbt wie ein Tier“ ab 20 Uhr in der Mediathek der ARD anschauen. Hier ist  eine Übersicht über alle aktuellen „Tatort-„Kommissare.

Tatort: Die Sonne stirbt wie ein Tier - Trailer deutsch.

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