Tatort Kritik: Energiewende in hässlich - Wer Wind erntet, sät Sturm

Marek Bang

Energiewende von ihrer hässlichen Seite: Die Bremer „Tatort“-Kommissare bekommen es mit Aktivisten, Kapitalisten und korrupten Umweltschützern zu tun. Wie sie sich zwischen Windrädern und noblen Hinterzimmern geschlagen haben, erfahrt ihr bei uns. Hier kommt die aktuelle „Tatort“-Kritik von GIGA FILM zur Episode „Wer Wind erntet, sät Sturm„.

Story vom „Tatort: Wer Wind erntet, sät Sturm“

Ein Umweltaktivist wurde erschossen, ein weiterer ist seit der blutigen Tat spurlos verschwunden. Zum letzten Mal gesehen wurde der  Videoblogger Henrik Paulsen (Helmut Zierl) auf einer Windradplattform in der Nordsee. Die Bremer „Tatort“-Kommissare Inga Lürsen (Sabine Postel) und Nils Stedefreund (Oliver Mommsen) müssen also zunächst einmal in See stechen, um sich auf Spurensuche zu begeben. Mit dem Windpark-Betreiber  Lars Overbeck (Thomas Heinze) taucht im „Tatort: Wer Wind erntet, sät Sturm“ auch schnell ein erster Verdächtiger auf, denn der vermeintliche Öko-Unternehmer steht finanziell mit dem Rücken zur Wand.

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Alle aktuellen Tatort-Kommissare im Überblick

Doch der nervöse Mann ist nicht der einzige, der an der Energiewende verdienen möchte. Die ehemalige Aktivistin Katrin Lorenz (Annika Blendl) hat die Öko-Jacke gegen ein feines Kostüm eingetauscht und diktiert ihre Aufforderungen zum politischen Handeln mittlerweile in einem mondänen Büro und scheut auch die Zusammenarbeit mit dem ehemaligen Klassenfeind nicht mehr, sehr zum Ärger ihres alten Weggefährten Kilian (Lucas Prisor)…

Ermittler im „Tatort: Wer Wind erntet, sät Sturm“: Sabine Postel als Inga Lürsen und Oliver Mommsen als Nils Stedefreund

Inga Lürsen ist nicht nur Hauptkommissarin an der Weser, sondern auch mit Leib und Seele Polizistin mit viel Herzblut für  ihren Beruf. Sie lässt bei ihren Ermittlungen niemals locker, auch wenn sie sich dabei Ärger mit ihren Vorgesetzten einhandelt. Manchmal reicht aber auch ihr lockeres Mundwerk aus, um sich in den oberen Riegen der Bremer Polizei unbeliebt zu machen. Vielleicht ist es ihr auch deshalb so schwer gefallen, ihrer Tochter Helen (Camilla Renschke) dabei zuzusehen, wie sie in ihre Fußstapfen tritt. Die beiden führen zudem eine fragile Beziehung, die nicht immer reibungslos ist. Umso verständlicher erscheinen in diesem Hinblick die Spannungen, die durch eine kurze Affäre zwischen Helen und Ingas Kollege Nils Stedefreund ausgelöst wurden.

Der eher lockere Nils Stedefreund verfügt ebenfalls über eine gesunde Spürnase, eckt aber manchmal bei seiner Kollegin Lürsen an. Dennoch verläuft die Zusammenarbeit der beiden meist kollegial und freundschaftlich. Harmonie ist in Bremen auch dringend von Nöten, denn mit spektakulären Fällen wird nicht gegeizt. Die 2004 entstandene Episode „Abschaum“ beispielsweise stellte mit 14 Toten einen Leichenrekord auf, der einige Jahre Bestand hatte. Aktuelle gesellschaftliche Probleme finden ebenfalls öfter ihren Weg in den „Tatort“ an der Weser, siehe etwa die Folge „Der illegale Tod“, die sich 2011 mit der Situation afrikanischer Flüchtlinge auf ihrem gefährlichen Weg nach Europa beschäftigte. Mit dem Thema Energiewende präsentieren sich die Bremer also auch mit ihrer neusten Ausgabe am Puls der Zeit.

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Besondere Vorkommnisse im „Tatort: Wer Wind erntet, sät Sturm“

Wie so oft in Bremen wird auch im „Tatort: Wer Wind erntet, sät Sturm“ dick aufgetragen und mit besonderen Vorkommnissen nicht gegeizt. Das Setting auf dem Meer ist besonders im ersten Drittel des Krimis fesselnd umgesetzt und Regisseur Florian Baxmeyer gelingt es sogar, „Tatort“-Dauergast Helmut Zierl einen Auftritt zu verschaffen, der tatsächlich wenig mit seinen früheren Verdächtigen aus alten „Tatort“-Folgen zu tun hat. Das ist aber längst nicht alles. Das Thema Energiewende dominiert den Fall durchgehend und es wird auf jegliches Geplänkel zwischen den Kommissaren komplett verzichtet. Inga Lürsen und Nils Stedefreund kommen ohne eigenes Intro oder Vorgeschichte zum „Tatort“ und beginnen eine schnörkellose Ermittlung, wie sie in ihrer kühlen Sachlichkeit in letzter Zeit selten geworden ist. Da gibt es natürlich auch für Ingas Tochter Helen, die nur kurz durchs Bild huscht, keinen Platz.

Fazit vom „Tatort: Wer Wind erntet, sät Sturm

Dem einen kann die Errichtung neuer Windräder in der Nordsee nicht schnell genug gehen, der andere sieht in den monströsen Winderzeugern nur ungeliebte Schreddermaschinen für Vögel. Schnell wird im „Tatort: Wer Wind erntet, sät Sturm“ klar, dass die brisante Thematik höchst komplex ist und viele Fragen aufwirft. Der intelligente Krimi bietet dabei keine einfachen Lösungen und verliert sich nicht in plakative Schwarz-Weiß-Malerei. Dennoch dürfte das desolate Bild, was Drehbuchautor Wilfried Huismann von den zerstrittenen (ehemaligen) Aktivisten zeichnet, einigen Umweltschützern übel aufstoßen. Das fügt dem „Tatort“ aber keinen Schaden zu, denn als Anreger zu einer Diskussion über die Art und Weise, wie die Energiewende in Deutschland vonstatten geht, funktioniert der nüchterne Krimi allemal. Leichte Abzüge in der B-Note gibt es nur für die dann doch etwas zu einfach geratene Auflösung.

Bis zum 21.06.2015 könnt Ihr euch den „Tatort: Wer Wind erntet, sät Sturm“ ab 20 Uhr in der Mediathek der ARD anschauen. Hier ist eine Übersicht über alle aktuellen „Tatort-„Kommissare, ein „Tatort-Quiz“ haben wir auch für euch vorbereitet.

Tatort: Wer Wind erntet, sät Sturm - Trailer deutsch.

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