Tatort Kritik: Freddy tanzt den perfekten Tatort - Standard

Marek Bang

Freddy Schenk entdeckt den Tanzbär in sich und entweiht mit seinem Kollegen ein ehrenwertes Haus. Ob der „Tatort: Freddy tanzt“ auch eine gelungene Sohle auf`s Parkett gelegt hat, erfahrt ihr wie immer bei uns. Hier kommt die aktuelle „Tatort“-Kritik von GIGA FILM zur Episode „Freddy tanzt„.

„Tatort“-Kritik: Freddy tanzt

Story

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Alle aktuellen Tatort-Kommissare im Überblick

In dem mittlerweile 62. Kölner  „Tatort“ mit den alten Hasen Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) prallen zwei Welten aufeinander. In einer schnieken Bar feiern drei erfolgsorientierte Banker ihre Bonus-Vergütung und ein Obdachloser spielt dazu am Klavier. Der wird vom Barkeeper bald des Lokals verwiesen und auch die drei Herren haben rasch mehr Getränke konsumiert als es dem Wächter des Tresens genehm ist und so landen alle auf der Straße. Am nächsten Morgen kurieren die Besserverdiener ihren Kater und der junge Musiker Daniel (Matthias Reichwald) liegt verblutet am Rheinufer.

Am „Tatort“ begegnet Max einige Tage später der Mutter des Opfers (Lina Wendel), die seit Jahren vom Kommissar unbemerkt in dessen Mietshaus lebt und ihn gerade erst gebeten hat, nach ihrem verschwundenen Jungen zu suchen. Doch der alleinstehende Ermittler ist nicht der einzige, der in seinen eigenen vier Wänden seine Ruhe haben möchte, denn eine erste Spur führt ihn und seinen Kollegen Freddy in ein Mietshaus, in dessen Flur Blutspuren des Opfers in beträchtlichen Mengen sichergestellt werden konnten. Hat sich der verletzte Daniel dorthin geschleppt und vergebens auf Hilfe gehofft oder hat einer der Bewohner des ehrenwerten Hauses gar etwas mit dem Mord zu tun? Die attraktive Kunstprofessorin Claudia Denk (Ursina Lardi) hat mit der Bluttat aber sicherlich nichts gemein, hofft jedenfalls Freddy, der sich einen kleinen Flirt im „Tatort: Freddy tanzt“ nicht verkneifen kann…

Ermittler

Der gemütliche Freddy Schenk und sein eher draufgängerischer Partner Max Ballauf sind gestandene Kommissare im „Tatort“-Universum und ermitteln bereits seit 1997 zusammen am Rhein. Die Beiden sind zwar sehr unterschiedlich und bekommen sich auch schon mal in die Wolle, dennoch raufen sie sich immer wieder bei einem Kölsch an der legendären Wurstbraterei am Flussufer zusammen.

Der Oldtimer-Liebhaber Freddy hat Frau und Kind und ist mittlerweile sogar Opa geworden, während Max eher wechselnde Beziehungen zu Frauen führt, die meist von kürzerer Dauer sind. Dennoch hat er in den letzten Kölner „Tatort“-Episoden eine für ihn untypische Nähe zur Psychologin Dr. Lydia Rosenberg (Juliane Köhler) aufgebaut, die jedoch von brüchiger Natur ist, da es sich nicht so einfach gestaltet, nach Jahren der Einsamkeit auf einen anderen Menschen wirklich einzugehen und so ist die attraktive Dame im gestrigen „Tatort: Freddy tanzt“ auch gar nicht mit von der Partie.

Besondere Vorkommnisse

Kaum hat Freddy Schenk einige Kilos abgespeckt, schon entdeckt der Kommissar den Charmebolzen in sich und beginnt, auf eine für ihn eigentlich untypische Art um die verdächtige Kunstprofessorin Claudia herumzuschlawenzeln. Schließlich heißt die Episode nicht umsonst „Freddy tanzt“ und so wird dem Ermittler am gestrigen Krimi-Abend auch etwas mehr Aufmerksamkeit zuteil als gewöhnlich. Eine Nachfolgerin für Franziska ist hingegen noch nicht in Sichtweite, was Drehbuchautor Jürgen Werner für den ein oder anderen Gag nutzt, in dem die Unordnung auf dem Revier und die Überforderung der beiden Hauptkommissare aufs Korn genommen wird.

Ein wirkliches großes besonderes Vorkommnis ist im „Tatort: Freddy tanzt“ nicht zu finden, vielmehr bastelt Regisseur Andreas Kleinert alle gängigen Zutaten aus dem „Tatort“-Baukasten zu einer fast schon exemplarischen Folge, die gut und gerne als Untersuchungsgegenstand eines Seminars mit dem Thema „Wie funktioniert ein Standard-„Tatort“ herhalten könnte.

Fazit

Love it or hate it. In diesem kurzen Satz lässt sich der „Tatort: Freddy tanzt“ auf den Punkt bringen. Hier gibt es keine reine Comedy wie in „Der Irre Iwan“ und auch keine Exzentrik wie in der Tarantinesken Variante „Im Schmerz geboren“. Vielmehr präsentiert der gestrige „Tatort“ alle Zutaten, die dieses Format ausmachen und setzt sie zu einer fast schon klassisch anmutenden Episode zusammen. Es ermittelt ein Duo, von dem einer etwas aus dem Rahmen fällt, was in diesem Fall Freddy ist, es gibt eine Reihe von Verdächtigen und einige überraschende und leicht unrealistische Wendungen sowie bekannte TV-Gesichter wie Ursina Lardi. Hinzu wird ein gesellschaftlich relevantes Thema gestreift - hier die Anonymität unter Nachbarn, die zu unterlassener Hilfeleistung führt - und zum Schmunzeln ist auch noch Platz, etwa wenn Max Ballauf während einer spontanen Rückeneinrenkungsprozedur zu Protokoll gibt, dass er vorwiegend Musik aus dem Bereich Rock und Pop hört.

Wer den gestrigen „Tatort“ furchtbar fand, der wird wohl mit dem Format an sich wenig anfangen können, wer ihn jedoch als überragenden Beitrag der ARD zum Ausklang des Wochenendes bewertet, ist wiederum eine Spur zu großherzig. Alles dazwischen fasst den gehobenen „Tatort“-Standard von „Freddy tanzt“ wohl am besten zusammen: Gute, alte Hausmannskost, nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Bis zum 08.02.2015 könnt Ihr euch den „Tatort: Freddy tanzt“ ab 20 Uhr in der Mediathek der ARD anschauen. Hier ist eine Übersicht über alle aktuellen „Tatort-„Kommissare, ein „Tatort-Quiz“ haben wir auch für euch.

Tatort: Freddey tanzt - Trailer deutsch.

 

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