Tatort Kritik: Grenzfall & die Erben des kalten Krieges

Marek Bang

Der „Tatort: Grenzfall“ wandelt auf den Spuren des Kalten Krieges und  Harald Krassnitzer und Adele Neuhauser  dürfen Bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr auf Mörderjagd gehen. Hier kommt die aktuelle „Tatort“-Kritik von GIGA FILM zur Episode „Grenzfall„.

„Tatort“-Kritik: Grenzfall

Story vom „Tatort: Grenzfall“

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Alle aktuellen Tatort-Kommissare im Überblick

Zum Auftakt des Krimi-Jahres 2015 waren Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und Bibi Fellner (Adele Neuhauser) noch in der Angelegenheit „Deckname Kidon“ unterwegs, da bekommen sie es in der aktuellen „Tatort“ -Episode „Grenzfall“ erneut mit dem Geheimdienst zu tun. Diesmal steht jedoch nicht der Mossad im Visier der Ermittler, sondern die Nachbarn aus der ehemaligen Tschechoslowakei.

Aus dem niederösterreichischen Grenzfluss Thaya wird die Leiche eines Tschechen namens Radok gefischt. Der Mann erlag einem Zuckerschock. Doch die Obduktion beim leicht skurrilen Prof. Kreindl (Günter Franzmeier) ergibt, dass es sich nicht um einen Unfall handeln konnte und der Mann Opfer eines heimtückischen Gewaltverbrechens geworden ist. Die Kommissare beginnen daraufhin ihre Ermittlungen an der österreichisch-tschechischen Grenze und stoßen auf ein lange zurückliegendes Komplott, dass sie mitten zurück in den Kalten Krieg katapultiert. In den späten 1960er Jahren griff der tschechoslowakische Geheimdienst zu einem äußerst perfiden Mittel, um Republikflüchtlinge dingfest zu machen. Sie verschoben die eigene Grenze zum Schein ein Stück weit in das Gebiet der ehemaligen CSSR und schlugen kurz vor der wahren Grenze dann erbarmungslos zu. Um mit diesem fragwürdigen Mittel Erfolg zu haben, bedurfte es aber auch der Zusammenarbeit mit einigen Österreichern, die den Flüchtlingen eine vermeintliche Ankunft im goldenen Westen vorspielten. Einer dieser Helfer war der Vater des Reporters Max (Harald Windisch), der sich ebenfalls in die niederösterreichische Provinz begeben hat, um Ahnenforschung zu betreiben. Doch was hatte der tote Radok mit der Verschwörung zu tun?

Ermittler im „Tatort: Grenzfall“ : Moritz Eisner und Bibi Fellner

Major Moritz Eisner ist bereits seit 1999 und der Episode „Nie wieder Oper“ an Bord des Wiener „Tatorts“ und ermittelte zunächst als Chefinspektor. Heute ist er für die österreichische Bundespolizei tätig, so dass er mittlerweile hin und wieder die Hauptstadt verlässt, wie auch in der gestrigen Folge „Grenzfall“. Moritz Eisner ist Vater einer Teenagerin, neigt zum Granteln und ist mit dem berühmt-berüchtigten Wiener Schmäh ausgestattet, der immer wieder für humorvolle Akzente im „Tatort“ sorgt.

Seine Kollegin Bibi Fellner verfügt ebenfalls über einen guten Instinkt, hat aber mit einigen Dämonen zu kämpfen, die es nicht immer einfach machen, mit der impulsiven Polizistin zusammenzuarbeiten. Doch trotz ihres Alkoholproblems und der schwierigen Beziehung zum Kleinkriminellen Inkasso-Heinzi funktionieren Eisner und Fellner als Team prächtig und stehen sich auch privat nahe. Die beiden Ermittler pflegen eine Art Freundschaft der ruppig-herzlichen Art, obwohl Moritz Eisner am gestrigen Krimi-Abend mit einer Emotion zu überraschen vermochte, die wir in seinem „Tatort“-Universum bislang noch nicht kannten: Als sich Bibi und Reporter Max für einen kurzen Moment näher kommen, reagiert ihr Chef wie ein eifersüchtiger kleiner Junge und Bibi hat Glück, dass Moritz sie nicht über den Haufen fährt.

Besondere Vorkommnisse im „Tatort: Grenzfall“

Der gestrige „Tatort“ wühlt tief in der Vergangenheit der österreichisch-tschechischen Beziehungen und basiert zum Teil auf wahren Begebenheiten. So soll es zu Beginn der 1950er Jahre tatsächlich zu einer Täuschung von Flüchtlingen an der Grenze gekommen sein. Diese Praktiken sind jedoch in besagtem Jahr 1968, auf den sich der „Tatort: Grenzfall“ bezieht, nicht mehr nachzuvollziehen. Da wir hier aber nicht beim Geschichtsunterricht sind, lassen wir diese Ungenauigkeiten außer Acht und konzentrieren uns auf die Figuren, die sich gestern in Wien und im Grenzgebiet getummelt haben. Bibi und Moritz haben einen neuen Assistenten (Thomas Stipsits) der Marke schräg bis anstrengend bekommen, der aber zum Glück (noch?) nicht besonders in den Vordergrund dringen konnte.

Viel spannender ist im „Tatort: Grenzfall“ die Begegnung zwischen Moritz Eisner und dem Pathologen Kreindl. Die beiden Herren scheinen sich nicht sonderlich zu mögen, was nicht nur in einer höchst seltsamen Obduktion mündet, sondern auch ein humorvolles Highlight der gestrigen Folge bildet. Überhaupt wird in der Episode „Grenzfall“ überdurchschnittlich viel gegrantelt und gefrotzelt, was den „Tatort: Grenzfall“ immer wieder mehr in Richtung verschrobene Krimi-Komödie leitet als in die Gefilde eines düsteren Thrillers mit historischer Komponente.

Fazit vom „Tatort: Grenzfall“

In den letzten Jahren setzten die Österreicher in ihrem „Tatort“ vermehrt auf Action und präsentierten uns mit dem Thriller  „Kein Entkommen“  im Jahr 2012 sogar kurzfristig einen neuen Leichenrekord. Besonders die Einführung der großartigen Adele Neuhauser als Bibi Fellner sorgte für den dringend benötigten frischen Wind im Wiener Sonntags-Krimi. Mittlerweile wurde aber wieder mindestens zwei Gänge zurückgeschaltet und so finden wir die Stärken von „Grenzfall“ in den teilweise sehr amüsant geschriebenen Dialogen und dem Gegrantel der ermittelnden Polizei. Auch die Tatsache, dass die anwesenden Tschechen wirklich astreines tschechisch sprechen können, ist eine willkommene Abwechslung zu manchem, was in dieser Beziehung im TV-Krimi sonst an der Tagesordnung ist.

Dennoch kommt der bereits zweite „Tatort“-Einsatz von Moritz und Bibi in diesem Jahr nicht über einige starke, weil launige Passagen hinaus und vermag als Krimi nicht immer zu überzeugen. Die Geschichte ist etwas wirr und vor allem in der ersten Hälfte der Episode „Grenzfall“ fischt auch der Zuschauer in trüben Gewässern, weil der Story leider nicht immer leicht zu folgen ist. Doch dank guter Schauspieler und starker Dialoge ist der „Tatort: Grenzfall“ dennoch sehenswert, wenn auch insgesamt etwas zäh.

Bis zum 15.03.2015 könnt Ihr euch den „Tatort: Grenzfall“ ab 20 Uhr in der Mediathek der ARD anschauen. Hier ist eine Übersicht über alle aktuellen „Tatort-„Kommissare, ein „Tatort-Quiz“ haben wir auch für euch vorbereitet.

Tatort: Grenzfall - Trailer deutsch.

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