Tatort Kritik: Kälter als der Tod & die neuen Kommissare aus Frankfurt

Marek Bang

In ihrem ersten Einsatz in Frankfurt am Main bekommen es die neuen „Tatort“-Ermittler Margarita Broich und Wolfram Koch mit einer Familien-Tragödie zu tun. Viel Zeit zum Eingewöhnen bleibt nicht, es geht gleich ans Eingemachte. Hier kommt die aktuelle „Tatort“-Kritik von GIGA FILM zur Episode „Kälter als der Tod„!

Story vom „Tatort: Kälter als der Tod“

Anna Janneke (Margarita Broich) hat als Psychologin in Berlin die dortige Polizei beraten, nun ist sie nicht nur ins weit entfernte Frankfurt am Main gezogen, sondern zugleich die neue „Tatort“-Kommissarin in der Mordkommission. An ihrer Seite ermittelt Paul Brix (Wolfram Koch), ein alter Hase von der Sitte. Viel Zeit zum gegenseitigen Kennenlernen bleibt nicht, denn nach einigen skeptischen Worten von Chef Henning Riefenstahl (Roeland Wiesnekker) eröffnet sich den beiden neuen Ermittlern am Main ein Bild des Schreckens: Familie Sanders wurde ausgelöscht, die Eheleute sitzen erschossen am Esstisch im Wohnzimmer, ihr kleiner Sohn versuchte noch, im Wandschrank Schutz zu finden, doch diese verzweifelte Flucht war ebenfalls vergebens.

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Alle aktuellen Tatort-Kommissare im Überblick

Schnell wird klar, dass nicht alle Familienmitglieder dem Massaker zum Opfer gefallen sind und die 17-jährige Jule (Charleen Deetz) mit ihrer etwa gleichaltrigen Nachhilfe-Lehrerin Miranda (Emily Cox) irgendwo festgehalten werden müssen. Die Kommissare machen sich auf die Suche nach den möglichen Überlebenden des Familiendramas und treffen bei ihren Recherchen auch auf die Schwester des Opfers (Carina Wiese) und ihren gewalttätigen Ehemann (Roman Knizka) sowie den psychisch offensichtlich schwer angeschlagenen Paketzusteller Achim (Sebastian Schwarz)…

Ermittler im „Tatort: Kälter als der Tod“ : Margarita Broich als Kommissarin Janneke & Wolfram Koch als Kommissar Brix

Anna Janneke und Paul Brix scheinen keine Leichen im Keller zu haben und verstehen sich auf Anhieb recht gut, auch wenn der verschlafene Kommissar anfangs kaum Notiz von seiner neuen Kollegin zu nehmen scheint und sie für eine Freundin seiner Mitbewohnerin Fanny (Zazie de Paris) hält. Doch dieses Missverständnis klärt sich schnell auf und die  beiden sympathischen Ermittler stehen auch gleich füreinander ein, als ihr Chef sie zu niederen Aufgaben verdonnern möchte. Das imponiert dem knatschigen Herrn Riefenstahl, der nebenbei stets betont, mit der legendär umstrittenen Filmemacherin nicht verwandt oder verschwägert zu sein.

Nach einer einzigen Episode ist es natürlich noch recht schwierig, die Ermittler genauer zu durchleuchten. Auf der Habenseite steht aber dank „Kälter als der Tod“ bereits heute die gute Chemie zwischen den beiden neuen Kollegen und das erfreuliche Fehlen von zu viel privatem Ballast, eine gern gesehene Alternative zur unsäglichen Überladung vieler Ermittler wie etwa jüngst beim neuen Team aus unserer Hauptstadt.

Besondere Vorkommnisse im „Tatort: Kälter als der Tod“

„Das ist aber auch ein extrem beschissener Fall, wir kommen überhaupt nicht weiter!“ So direkt wie Herr Riefenstahl äußerte sich schon lange kein Vorgesetzter im „Tatort“-Universum mehr. Überhaupt ist der Umgang der Figuren untereinander sehr direkt und auch zwischen Polizisten und Verdächtigen wird sich schon einmal geduzt. Kommissar Brix öffnet für einige Verdächtige gar Tür und Tor seiner geräumig-verwohnten Behausung und seine Kollegin ist immer bereit, auch den letzten verbliebenen Tee zu teilen.

Visuell gibt es in „Tatort: Kälter als der Tod“ viel zu entdecken, auch wenn Regisseur Florian Schwarz im Gegensatz zu seinem vielerorts gefeierten „Tatort“-Exzess „Im Schmerz geboren“ diesmal auf dem Teppich bleibt und die Modernisierung des Frankfurter „Tatorts“ moderat und behutsam angeht. Ein paar Split-Screens hier und da und ein schicker Vorspann müssen ausreichen, um die Neuen vom Main zu etablieren. Viel spannender lässt der Regisseur dann aber die verschiedenen Theorien und Aussagen seiner Figuren bebildern, indem er sie konsequent visualisiert und die Kommissare in die Handlung einbaut. Auf diesem Weg entstehen atmosphärisch überzeugende Rückblenden und Traum-Sequenzen, die dabei so wohldosiert sind, dass sie nicht aufgesetzt, sondern sehr homogen wirken.

Fazit vom „Tatort: Das Haus am Ende der Straße“

Ende Februar geriet der abgewrackte Kommissar Steier in seinem letzten Fall an ein „Haus am Ende der Straße“ und bekam einen so düsteren wie würdevollen Abschied vom „Tatort“ auf den blassen Leib geschrieben. Nun übernehmen seine Nachfolger Anna Janneke und Paul Brix und machen ihre Sache unaufgeregt und ordentlich. Heimlicher Star ist einmal mehr der großartige Roeland Wiesnekker, dem es gelingt, der eher ungeliebten Figur des Revierleiters neue und spannende Facetten abzugewinnen. Insgesamt überzeugt der gut aufgelegte Cast bis in die kleinste Rolle und es wird streckenweise richtig spannend.

Die Auflösung des Falls mag zwar dann doch ein wenig zu viel des konstruierten Guten gewesen sein, dennoch kann der „Tatort: Kälter als der Tod“ durch gute Figuren, exzellente Kamera-Arbeit und eine Erzählweise punkten, die dem „Tatort“ genau die richtige Art von neuem Anstrich verpasst, die nötig ist. Gerade weil dabei nicht zu dick oder zu skurril aufgetragen wird, ist der Einstand von Frau Broich und Herrn Koch gelungen und die Vorfreude auf Fall Nummer zwei aus der Main-Metropole steigt.

Bis zum 24.05.2015 könnt Ihr euch den „Tatort: Kälter als der Tod“ ab 20 Uhr in der Mediathek der ARD anschauen. Hier ist eine Übersicht über alle aktuellen „Tatort-„Kommissare, ein „Tatort-Quiz“ haben wir auch für euch vorbereitet.

Tatort: Kälter als der Tod - Trailer deutsch.

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